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Die Ionenstrahltherapie setzt sich bisher nicht durch.

Gesundheit

Uniklinik-Belegschaft in Marburg muss Defizite tragen

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Das Partikelzentrum in Marburg macht Miese. Der Betriebsrat wirft der Geschäftsführerin Rechtsverstöße vor.

Grobe Verstöße gegen die Betriebsverfassung wirft der Betriebsrat der privatisierten Uniklinik Marburg der kaufmännischen Geschäftsführerin vor. Sylvia Heinis habe sich wiederholt nicht an Recht, Gesetz und Ordnung gehalten, heißt es in dem Info-Schreiben an die Belegschaft. Sie ignoriere Betriebsvereinbarungen, Arbeitszeitgesetz und Arbeitsschutzgesetz und verletzte damit die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Schon im Februar hatte die Arbeitnehmervertretung beschlossen, ein Verfahren gegen Heinis einzuleiten. Vorab war eine Abmahnung erfolgt. Als die Geschäftsführung intervenierte, gab der Betriebsrat der Klinikleitung noch einmal eine Chance, ließ das Verfahren ruhen. Es gab Gespräche – geändert hat sich nichts, sagt Vorsitzender Wolfgang Demper. „Durch die gezeigte Ignoranz, speziell in den letzten Wochen, werden wir uns damit auseinandersetzen müssen, es weiter zu führen.“

Das Klima zwischen den beiden Seiten war noch nie gut. Die Diskussion über Personalmangel hat sich noch einmal verschlechtert. Die Belegschaft gewinnt zunehmend den Eindruck, dass sie ausgequetscht wird, „während die Aktionäre sich die Taschen vollstopfen“, sagt Demper. Jüngstes Beispiel ist die Ankündigung, dass das Defizit des Partikelzentrums die Gewinnbeteiligung der Beschäftigten schmälern soll.

Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) dient der Krebsbehandlung, und war vor 14 Jahren eine der Bedingungen dafür, dass Rhön beim Verkauf den Zuschlag für die 95 Prozent der Anteile an der Uniklinik Gießen-Marburg bekam.

Dass ein solches Angebot sich nicht rechnet, wurde erstmals 2011 deutlich, als Siemens absprang. Nach langem Suchen fand sich die Heidelberger Uniklinik, die von 2015 bis zur Insolvenz des MIT im September 2018 die Anlage federführend betrieb. Sie zog sich zurück, weil zu wenig Patienten kamen. Am 1. August vergangenen Jahres übernahm der Rhön-Konzern komplett die Anlage. Das Problem der Unwirtschaftlichkeit ist offenkundig nach wie vor nicht gelöst.

Wie groß die Defizite sind und was das für die Zukunft des Betriebs bedeutet, bleibt offen. Die Frankfurter Rundschau hat mehrfach die Rhön-Uniklinik um eine Stellungnahme gebeten – auch zu den Vorwürfen gegen die Geschäftsführerin. Eine Antwort blieb aus.

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