Beim Unfall nach einem Autorennen auf der A66 kam ein Insasse des Skodas ums Leben.
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Beim Unfall nach einem Autorennen auf der A66 kam ein Insasse eines Skodas ums Leben.

Unfall bei Hofheim

Tödlicher Unfall auf A66: Keine Anklage wegen Mordes - Video sorgt für Neubewertung des Falls

  • Ursula Knapp
    vonUrsula Knapp
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Das mutmaßliche Rennen auf der A66 wird neu bewertet. Ein Beschuldigter ist weiterhin flüchtig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht länger wegen eines Tötunsvorsatzes.

Update vom 19.10.2020, 14.47 Uhr: Nach dem mutmaßlichen Autorennen auf der A66 bewertet die Staatsanwaltschaft Frankfurt den Fall neu. Demnach sind zwei Beteiligte wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Vorwurf des illegalen Straßenrennens besteht weiterhin. Allerdings hat ein Video des Vorfalls zusammen mit einer Bewertung eines Gutachters dazu geführt, dass der Fall in einem neuen Licht steht.

Ein Video zeigt, wie ein unbeteiligtes Auto auf der A66 von der mittleren auf die linke Spur wechselt. Daraufhin hat einer der Beteiligten des mutmaßlichen Rennens versucht, auszuweichen. Dabei soll er eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Stunde gehabt haben.

Kein Tötungsvorsatz bei Rennen auf A66

In der Folge kam es zu einem tödlichen Zusammenstoß mit dem Wagen einer 71-Jährigen*. Beide Fahrzeuge fingen Flammen, die Frau starb in ihrem Fahrzeug. Der bisher unbekannte Fahrer sei der Staatsanwaltschaft bekannt, eine Sprecherin wollte sich aber nicht weiter zu dem Vorgang äußern. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde der Vorwurf des Tötungsvorsatzes fallen gelassen. Möglich sei aber weiterhin, dass es sich um einen Fall von fahrlässiger Tötung handelt. Das sollen weitere Ermittlungen klären.

Weiterhin wird nach dem Flüchtigen 34-jährigen Ramsy Azakir gesucht. Dem Mann wird ebenfalls Beteiligung an dem mutmaßlichen Rennen auf der A66 vorgeworfen. Er hat keinen festen Wohnsitz, nach ihm wird europaweit gefahndet.

Illegales Autorennen auf der A66: Kein Tempolimit missachtet

Erstmeldung vom 19.10.2020, 13.00 Uhr: Hofheim/Berlin - Nach dem mutmaßlichen Autorennen auf der A66, bei dem am 10. Oktober eine unbeteiligte Fahrerin in ihrem Auto verbrannte, ist schnell die Parallele zu den Berliner Ku’damm-Rasern gezogen worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) verurteilte im Juni dieses Jahres den Berliner Unfallfahrer wegen Mordes. Es war die erste lebenslange Freiheitsstrafe nach einem tödlich verlaufenden illegalen Autorennen.

Autorennen in Berlin: Unfallfahrer rasen in eine Jeep

Allerdings wich der Berliner Fall von dem jetzigen auf der A66 ab. Auf dem Ku’damm lieferten sich im Februar 2016 zwei hochmotorisierte Autos in der Innenstadt ein Rennen. Statt der vorgeschriebenen 50 fuhren sie bis zu 170 Kilometer pro Stunde. Zudem überquerten sie rote Ampeln, die sie zwar rechtzeitig gesehen hatten, aber nicht beachteten. An der letzten Ampel fuhr dann der Unfallfahrer ungebremst in den querenden Jeep.

Zwar sollen die beteiligten Lamborghini-Fahrer in Hessen ebenfalls rund 200 Kilometer pro Stunde draufgehabt haben. Aber auf dem Autobahnabschnitt gilt keine Geschwindigkeitsbegrenzung und es wurden natürlich auch keine roten Ampeln ignoriert.
Die Unterschiede sind deshalb wichtig, weil Mord voraussetzt, dass der Unfallfahrer den konkreten tödlichen Geschehensablauf „als möglich erkannt und hingenommen hat“, so das damalige Urteil des BGH im Fall des Ku’damm-Rasers.

Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich am 31. August dieses Jahres auf dem Berliner Ku´damm. Dabei wurden vier Menschen verletzt, zwei davon schwer. Ein BMW kollidierte mit einem Kleinwagen. Laut Zeugen soll sich der BMW-Fahrer ein illegales Autorennen geliefert haben. (Von Ursula Knapp) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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