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Unesco und Darmstadt

Das Buch zur Bewerbung ums Unesco-Welterbe

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Das hessische Landesamt für Denkmalpflege stellt eine neue Publikation zur Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt vor.

„Eine Stadt müssen wir bauen, eine ganze Stadt!“ Dieser programmatische Aufruf des Architekten Josef Maria Olbrich war im Frühjahr vorigen Jahres das Leitmotto einer zweieinhalbtägigen Tagung in Darmstadt, die den Prozess für die Nominierung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe als Welterbe wissenschaftlich begleiten sollte. Die Tagung wurde ausgerichtet von der Stadt, dem deutschen Nationalkomitee des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos) und dem hessischen Landesamt für Denkmalpflege.

Markus Harzenetter, Präsident des Landesdenkmalamtes, hat nun eine knapp 300 Seiten umfassende und reich bebilderte Publikation vorgestellt, in der 23 Beiträge von namhaften Wissenschaftlern dokumentiert werden, die an der internationalen Tagung teilgenommen haben. Harzenetter bezeichnete den Band als „ganz wesentlichen Schritt“ auf dem Weg zur Eintragung der Mathildenhöhe in die Unesco-Welterbeliste. In dem Band werde wissenschaftlich fundiert dargelegt, warum sich die Stadt dem anspruchsvollen Verfahren zur Welterbebewerbung unterziehe.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) verteidigt die Bewerbung vehement gegen Kritik aus der Bevölkerung. Der „historische und städtebauliche Schatz“, den die Mathildenhöhe berge, mache die Bewerbung geradezu „unabdingbar“, äußerte Partsch bei der Vorstellung des Buches. Der OB ist auch Vorsitzender einer Kommission, die den Magistrat bei der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung des Darmstädter Musenhügels berät.

Partsch zufolge zeigt das Buch auch, welche hohen wissenschaftlichen Kriterien sich die Stadt beim Umgang mit dem baulichen Erbe stellen müsse und wie sich dies in der öffentlichen Diskussion widerspiegele. Harzenetter zufolge sind die internationalen Experten der Auffassung, dass es sich bei der Mathildenhöhe in Darmstadt „zweifelsfrei“ um ein „wegweisendes Ensemble des architektonisch-künstlerischen Aufbruchs in die Moderne“ handelt.

Auf der Grundlage dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse sei es nun „möglich, die herausragende universelle Bedeutung der Mathildenhöhe zu benennen“, so Harzenetter. Laut der Welterbekonvention ist dies das entscheidende Kriterium, um als Welterbe von der Unesco anerkannt zu werden.

Privatdozent Paul Sigel, einer der Buchautoren, ist von der Stadt beauftragt worden, ein Gutachten anzufertigen, mit dem die Welterbenominierung nun weiter wissenschaftlich fundiert untermauert werden soll.

Indes wird die Sanierung des Ausstellungsgebäudes auf der Mathildenhöhe immer teurer. Die Stadtverordneten haben während ihrer jüngsten Sitzung zusätzliche 4,9 Millionen Euro bewilligt. Das Geld soll im Wirtschaftsplan 2018 des Eigenbetriebs Kulturinstitute eingeplant werden. Gegen die Vorlage stimmten die Wählerinitiative Uwiga, drei Stadtverordnete der Linken und zwei Stadtverordnete der von Uffbasse. Die AfD und ein Stadtverordneter der Linken enthielten sich.

Der städtische Kulturausschuss hat zudem am Mittwochabend eine Magistratsvorlage zur Kenntnis genommen, in der ein Vorschlag aus dem Partizipationsprojekt „Bürgerhaushalt 2017“ abgelehnt wird. Ein Bürger hatte vorgeschlagen, das Projekt „Weltkulturerbe Mathildenhöhe“ zu verschieben. Nach dem Willen des Magistrats soll das für das Projekt bis 2019 eingeplante Geld nicht zurückgestellt, sondern die Welterbebewerbung fortgesetzt werden. Hildegard Förster-Heldmann (Grüne), die Vorsitzende des Kulturausschusses, bezeichnet die Bewerbung am Mittwoch im Gespräch mit der FR als „städtebaulichen Motor in jeder Beziehung“.

Das Buch „Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt!“ – Die Künstlerkolonie Darmstadt auf der Mathildenhöhe“ wird als Band 30 der Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen herausgegeben. Es ist im Theiss Verlag erschienen und kostet 29,80 Euro.

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