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Auffällige Form: Pflanzen einer Hanf-Plantage.

Fragen und Antworten

„Unerwünschte Nebeneffekte“

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Wir beantworten Fragen zu Hanfprodukten.

Hanfhaltige Lebensmittel sind im Trend. Es gibt Hanföl, Hanfmehl, Hanftee, Müsliriegel und Senf mit Hanf, Hanfgetränke wie Bier oder Limonade und auch Nahrungsergänzungsmittel, etwa CBD-Öl oder Hanf-Protein-Pulver. Ist das wirklich alles harmlos? Die Verbraucherzentrale Hessen sagt nein.

Die Verbraucherschützer warnen vor Lebensmitteln mit dem Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD). Warum?

Zwar hat CBD im Gegensatz zu THC (Tetrahydrocannabinol) keine berauschende psychoaktive Wirkung, sagt Wiebke Franz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. Doch es seien zahlreiche unerwünschte Effekte bekannt. CBD könne bei jedem Zehnten Schläfrigkeit und Benommenheit auslösen. Genauso häufig führe es zum Gegenteil – also zu Schlaflosigkeit, Schlafstörungen und innerer Unruhe. Fragen zu Dosierung, Sicherheit und Wechselwirkungen seien noch ungeklärt. „Die Verbraucherzentrale Hessen rät daher von einem Verzehr ab.“

Warum ist es trotzdem frei verkäuflich?

Das fragt sich die Ernährungsexpertin auch. Aus Sicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) müssten die Anbieter einen Antrag auf Zulassung eines Arzneimittels oder einen Antrag auf Zulassung als neuartiges Lebensmittel stellen. Das sei bislang nicht geschehen.

Wer wacht über den Verkauf von Lebensmitteln?

Die Bundesländer. Manche haben bereits Produkte vom Markt genommen, einige Gerichtsverhandlungen laufen, sagt die Verbraucherschützerin. „Unserer Ansicht nach ist es nicht akzeptabel, dass beispielsweise CBD-haltige Kaugummis im Verkauf sind, obwohl sie keine Zulassung haben.“ Sie fordert ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen. Besonders sensible Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche müssten geschützt werden. „Bonbons, Schokolade oder Erfrischungsgetränke enthalten oft fragwürdige Hanf-Zutaten, deren Ursprung unklar ist.“ Zudem nutzen die Anbieter für ihre Werbung Abbildungen von Hanfblättern und Begriffe wie „berauschend“, „high“ oder „Achtung Suchtgefahr!“ Das sei eine „Verharmlosung von Cannabis“.

Sind die Hanfprodukte aus dem Lebensmittelmarkt harmlos?

Vorrangig befindet sich darin Öl aus Hanfsamen. Sie enthalten, ähnlich wie Nüsse, hochwertiges Fett, Protein, Vitamine sowie Ballast- und Mineralstoffe. Weiterhin ist das Öl reich an B-Vitaminen und Vitamin E, sowie den Mineralstoffen Calcium, Magnesium und Eisen. Hanfsamen werden zahlreiche gesundheitliche Wirkungen zugesprochen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist dies nicht, sagt die Verbraucherschützerin. Lebensmittel, die ganz oder teilweise aus den Blättern oder Blüten der Pflanze hergestellt sind, wiesen häufig höhere THC Werte auf. Das könne die Gesundheit von Kindern, Schwangeren oder Vielverzehrern beeinträchtigen.

Was ist THC?

Die Abkürzung steht für die psychoaktive Substanz Tetrahydrocannabinol. THC wird hauptsächlich aus der Hanfpflanze (Cannabis) gewonnen. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist auf dem Schwarzmarkt als Haschisch zu haben oder als Marihuana.

Ist THC auch in medizinischem Cannabis?

Ja. Seit knapp drei Jahren können Ärzte Cannabis verschreiben. Vor der ersten Verordnung muss die Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragt werden. Bedingung ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der es zu einer Behandlung mit Cannabis-Arznei keine Alternative gibt. Es muss die Aussicht bestehen, dass sich der Krankheitsverlauf oder schwerwiegende Symptome positiv beeinflussen lassen.

Zusammengestellt von Jutta Rippegather

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