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justiz

Unbekannte Wald-Besetzerin vor Gericht

Proteste zu Prozessbeginn gegen Aktivistin aus dem Dannenröder Forst

Transparente, Musik und demonstrierende Aktivisten – zum Beginn des Prozesses gegen eine A49-Gegnerin aus dem Dannenröder Forst ist das Amtsgericht Alsfeld am Dienstag auch zum Schauplatz der Proteste gegen das Verkehrsprojekt geworden. Bereits vor Verhandlungsbeginn hatten sich rund 40 Umwelt- und Klimaschützer vor dem Gerichtsgebäude versammelt, um sich solidarisch mit der Angeklagten zu zeigen. Der Frau mit unbekannter Identität wird vorgeworfen, in einem der Protestcamps im Dannenröder Forst in Mittelhessen auf einer Seiltraverse in rund 15 Metern Höhe einen Polizisten mehrfach ins Gesicht und ein Mal gegen den Kopf getreten und einem weiteren Beamten ihr Knie ins Gesicht gestoßen zu haben. Sie lehnt es ab, ihre Identität anzugeben.

Einer der beiden Beamten soll unter anderem Verletzungen an der Schulter sowie Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule erlitten haben, der andere ein Hämatom im Gesicht, wie Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg bei der Verlesung der Anklageschrift sagte. Zudem habe die junge Frau zumindest billigend in Kauf genommen, dass die beiden Beamten hätten abstürzen und sich lebensgefährlich verletzen können. Unter anderem werden ihr tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Seit November in U-Haft

Der Vorfall soll sich am 26. November vergangenen Jahres während der Räumung des Camps in dem Waldstück nahe Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis ereignet haben. Im Dannenröder Forst sowie im nahegelegenen Maulbacher Wald und im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) waren Bäume für den Weiterbau der Autobahn gefällt worden. Aus Protest dagegen hatten Umwelt- und Klimaschützer den Dannenröder Forst besetzt und dort zahlreiche Baumhäuser und Barrikaden errichtet, die von der Polizei schrittweise entfernt wurden. Dabei kam es auch immer wieder zu Zwischenfällen.

Die Frau war nach dem Vorfall festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Da sie ihren Namen nicht preisgeben will, besteht aus Sicht der Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr. Ihr Anwalt Tronje Döhmer hingegen sprach von einer „Erzwingungshaft“ und forderte die sofortige Freilassung der Frau, die der Verhandlung mit Hilfe eines Dolmetschers folgte. Seiner Mandantin gehe es nicht gut, die lange Untersuchungshaft sei unverhältnismäßig, sagte Döhmer. Die junge Frau selbst verlas zu Beginn der Verhandlung eine Erklärung, in der sie Umweltzerstörung anprangerte. Der Erde würden zahlreiche Verletzungen zugefügt, um Profitmaximierung zu betreiben, hieß es darin unter anderem.

Ursprünglich hatten zwei weitere Wahlverteidiger an dem Prozess teilnehmen wollen, darunter der bekannte Umweltaktivist Jörg Bergstedt. Sie waren jedoch abgelehnt worden. Beschwerden dagegen lehnte der Vorsitzende Richter zum Prozessbeginn unter anderem mit der Begründung ab, es bestünden „erhebliche Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit“.

Derweil harrten protestierende Aktivisten vor dem Gerichtsgebäude zeitweise in strömendem Regen aus. Sie hatten Transparente mit Aufschriften wie „Klimaschutz ist kein Verbrechen! Ihr seid die Verbrecher“ bei sich und skandierten „Freiheit für Ella“ – wobei der eigentliche Name der Frau unklar blieb. Einer der Aktivisten, der sich Ruben nannte, sprach von einem „Schauprozess“ der lediglich veranstaltet werde, um abzuschrecken.

Für den Prozess vor dem Amtsgericht Alsfeld sind zunächst weitere vier Verhandlungstage angesetzt. Fortgesetzt werden soll er am 8. Juni.

Christine Schultze, dpa

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