+
Im April ist das Wild besonders gut sicht- und bejagbar; gerade letzteres gefällt nicht jedem.

Klimawandel

Umweltministerium in Hessen zieht Beginn der Jagdzeit vor

  • schließen

Hessens Umweltministerin Priska Hinz zieht den Beginn der Jagdzeit wegen des Klimawandels nach vorne. Der Landesjagdverband protestiert.

Hessen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat sich den Zorn eines Teils der Jägerschaft zugezogen. Während Umweltschützer begrüßen, dass der Beginn der Jagdzeit auf Rehböcke, Schmalrehe, Rot-, Dam-, Sika- und Muffelschmalwild auf den 1. April vorverlegt ist, spricht FDP-Landtagsabgeordnete Wiebke Knell von „schlechtem Stil“. Die Öffentlichkeit habe von der Neuerung kaum etwas mitbekommen. Der Landesjagdverband fährt schwere Geschütze auf: „Gegenüber dem heimischen Schalenwild wird vom grün geführten Umweltministerium ein Vernichtungsfeldzug vorbereitet, der seinesgleichen sucht“, sagt Geschäftsführer Alexander Michel. Die hessische Forstpolitik werde einzig auf dem Rücken der Tiere ausgetragen. „Sollte es jetzt nur noch darum gehen, das Wild möglichst schnell zu töten und damit Kosten für Forstgatter oder Einzelschutzmaßnahmen einzusparen, muss man sich fragen, welche Maßnahmen noch kommen werden.“

Schäden

Hessen  ist bundesweite Spitze bei den Wildschäden im Wald.

2018 waren drei Prozent der Fichten und 0,8 Prozent der Buchen frisch geschält.

Im Jahr 2012 waren laut Bundeswaldinventur 24,3 Prozent der ungeschützten jungen Bäume (aller Arten) verbissen. jur

Hinz begründet ihre Entscheidung mit dem Zustand des Forstes. Die durch Trockenheit, großen Schädlingsbefall und Stürme entstandenen Kahlstellen müssten sich schnellstmöglich wieder bewalden. Klimastabile Mischwälder mit standortangepassten Bäumen könnten nur gelingen, wenn die Bestände an Schalenwild „auf einem ökosystemverträglichen Niveau“ gehalten werden, denn das Wild frisst gerne junge Setzlinge. „Die Möglichkeit der Bejagung im Monat April soll dazu beitragen, die behördlich festgesetzten Abschusspläne in kürzerer Zeit erfüllen zu können.“

Unterstützung bekommt die Ministerin von einer ganzen Reihe von Landesverbänden wie Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Familienbetriebe Land- und Forst Hessen, Waldbesitzerverband, Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Berufsjäger Hessen, Naturschutzbund Deutschland sowie Ökologischer Jagdverband Hessen. Einzig der Landesjagdverband schert aus und wird dabei unterstützt von der FDP-Abgeordneten Knell.

„Mit der vorverlegten Jagdzeit ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Waldumbau geschaffen worden, den der Klimawandel durch die Dürre der letzten Jahre ausgelöst hat“, stellen Christian Raupach vom Waldbesitzerverband und Jörg Nitsch vom BUND in einem gemeinsamen Schreiben fest. Sie loben die „schnelle Reaktion der schwarz-grünen Landesregierung“. Vorausgegangen war demnach ein Konsultationsprozess, in dem sich die Verbände für die Änderung eingesetzt hatten. Grund für das Vorziehen der Jagdzeit um einen Monat sei der Klimawandel. Die Vegetation treibe im Frühjahr inzwischen drei Wochen früher aus, was die Jagd ab Mai erheblich erschwere. Nach Angaben der Verbände ist Rehwild im April besonders stark aktiv und damit sicht- und bejagbar, wie sonst im ganzen Jahr nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare