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15 000 Euro hat die „riskante Verwindung“ im Rodgauer Rathaus gekostet.  peter jülich
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15.000 Euro hat die „riskante Verwindung“ im Rodgauer Rathaus gekostet.

Rodgau

Umstrittenes Kunstwerk

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Ein Wandobjekt im Rodgauer Rathaus sorgt für Spott und Verärgerung. Die Stadt hat die „riskante Verwindung“ eines Düsseldorfer Künstlers für 15.000 Euro angekauft.

Ein Kunstwerk, das im Hauptfoyer des Rodgauer Rathauses an der Wand hängt, sorgt für Diskussionsstoff. Geschaffen hat es der Düsseldorfer Künstler Manuel Franke, der es „Torsion risquée“ nennt – übersetzt: riskante Verwindung. In den sozialen Medien kursieren zu dem Objekt über dem Treppenaufgang jede Menge kritischer Bemerkungen – unter anderem ist von einem „Abwasserrohr“ die Rede. Einige Rodgauer:innen empören sich außerdem, dass die Stadt in der Corona-Krise fremde Kunst eingekauft hat, statt einheimische Künstler:innen zu unterstützen.

Kurz vor Weihnachten war der renommierte Künstler Franke im Rathaus, um vier rechteckige Edelstahlbleche ineinanderzustecken und gegeneinander zu verwinden. So entstand die 2,20 Meter lange „Torsion risquée“ mit einem Durchmesser von 95 Zentimetern.

Das Kunstwerk im Rathaus ist ein Gegenstück zur Skulptur „Colormaster R“, die im Rodaupark in Jügesheim aufgestellt ist. Das Großobjekt aus Beton und Wellblech hatte ebenfalls Franke kreiert, es stand zuerst im Städel-Garten in Frankfurt. Im September 2020 wurde es für ein Jahr nach Rodgau verliehen.

„Im Rahmen dieser Colormaster-Aktion hatten wir von vornherein den Ankauf eines Kunstwerks von Franke vorgesehen“, sagt Kulturdezernent Winno Sahm. Gesagt – getan: 15 000 Euro zahlte die Stadt für die „riskante Verwindung“ im Rathaus. „Das sind Mittel, die im Haushalt 2019 für die Förderung von Kunst im öffentlichen Raum zur Verfügung standen und damals nicht verausgabt wurden.“

Die Raumskulptur von Manuel Franke hängt über dem Treppenaufgang zum ersten Stock.

Der Kulturdezernent verteidigt die Kaufentscheidung. „Ich trage die Kritik an dem Kunstwerk mit Fassung“, sagt er, „und sehe keinen Anlass, auf den Dialog in den sozialen Medien einzusteigen.“ Gerade wenn eine künstlerische Arbeit keine Geschichte erzähle, gebe es oft „herabsetzende Gestaltanalogien“.

Nach seinem Verständnis dürfe in Kunstfragen „weder die Herkunft noch der Arbeitsort oder das sexuelle Geschlecht eine Rolle spielen“. Franke sei ein renommierter Künstler, der schon in ganz Deutschland und Japan gearbeitet habe. „Sein Eingriff in den Raum hat oft für Kontroversen gesorgt“, sagt Sahm. Die Entscheidung für Frankes Raumskulptur habe nichts mit mangelnder Wertschätzung einheimischer Künstler:innen zu tun. „Hätten wir ein Kunstwerk eines Rodgauer Künstlers gekauft, wären die anderen einheimischen Künstler vergrätzt gewesen.“

Trotzdem ist „richtig Ärger in der Hütte“, sagt der Rodgauer Kulturpreisträger Friedhelm Meinaß, an den sich mehrere Künstlerkolleg:innen gewandt haben. Er spricht von einer „autokratischen Entscheidung. Keiner von uns ist gefragt worden, und es gab auch keine Ausschreibung.“ Kunst müsse frei sein, aber in Corona-Zeiten müsse man sich nicht „so ein überkandideltes Ding“ ins Rathaus hängen, wenn andere Künstler:innen vor sich hin darben und ihnen sogar der Gerichtsvollzieher ins Haus stehe. „Man hätte die Aktion vertagen oder im Vorfeld besser kommunizieren müssen.“

Aktuell hat die Stadt Rodgau übrigens 200 000 Euro als Corona-Hilfe für die Kultur zur Verfügung gestellt. „Ich muss das ausdrücklich loben“, sagt Meinaß. Das Geld komme aber Organisationen zugute und nicht einzelnen Künstler:innen.

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