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Masernimpfung

Impfpflicht oder Aufklärung?

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Sozialminister Klose setzt auf Aufklärung. Bei Ärzten und der SPD kommen die Pläne Spahns hingegen gut an.

Eine Impfpflicht hält Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) für verfassungsrechtlich problematisch. Sollte der Bund sie einführen, werde sie allerdings auch hier verbindlich sein, sagte der Minister am Montag in Wiesbaden. Die Ärzteschaft hingegen begrüßt die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Masernimpfung für den Besuch eines Kindergartens oder einer Schule verbindlich festzuschreiben. Auch das dortige Personal sowie das im Gesundheitswesen muss nach den Plänen Spahns künftig geimpft sein. „Langsam gerät die Diskussion in die richtige Richtung“, urteilt der Chef des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Landesärztekammerpräsident Edgar Pinkowski hatte sich schon vor einigen Tagen dafür ausgesprochen: „Die von der StIKo (Ständige Impfkommission) empfohlene zweifache Masern-Impfung ist die einzige Möglichkeit, die gefährliche Viruserkrankung, die zu schweren Komplikationen und sogar Todesfällen führen kann, vollständig auszurotten.“ Aufklärung und Information hätten bisher nicht zur gewünschten Durchimpfungsrate geführt. Dies rechtfertige ein bundesweites Vorgehen, sagte Pinkowski, der noch im März lediglich gefordert hatte, die Aufklärung zu forcieren.

In Hessen wurden im vergangenen Jahr 25 Masernfälle bekannt. Ein Jahr davor waren es 76, ein Jahr davor 70.

Die Impfquote für die zweite Masernimpfung liegt deutschlandweit bei 93 Prozen, in Hessen laut Landesärztekammer bei 94 Prozent. jur

Minister Klose hingegen setzt weiter auf das Prinzip Freiwilligkeit: „Wir sind für die Durchführung der von der StIKo empfohlenen Impfungen bei allen Kindern und bei Erwachsenen, die in Bereichen arbeiten, in denen sie andere gefährden können“, stellt er klar. Erzielt werden könne dies mit „wiederkehrender kompetenter Beratung, die jedes Lebensalter erreicht“. Irritiert über die Position Kloses zeigte sich am Montag der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Der Vorstoß Spahns sei „zielführend und richtig“. Er setze darauf, dass sich die schwarz-grüne Landesregierung dieser Haltung anschließe und den entsprechenden Gesetzentwurf im Bundesrat mittrage.

Was Gottschalk an dem Entwurf gefällt ist, dass nicht mehr von einer generellen Impfpflicht die Rede ist. Denn die könne keiner überwachen. Nicht seine Behörde – „wir sind ja keine Gesundheitspolizei“. Und auch nicht der Hausarzt, der ein Vertrauensverhältnis zum Patienten unterhält. Was der Arzt allerdings machen könne, sei, den Impfausweis regelmäßig zu sichten und auf Impflücken hinzuweisen. Das betreffe vor allem die nach 1970 Geborenen. „Die Älteren haben alle die Kinderkrankheiten durchgemacht.“ In den 70er Jahren hingegen seien Masern und Co. so stark zurückgegangen, dass sie vergessen würden – samt der Notwendigkeit einer zweiten Impfung. Das sei der Grund für die schlechten Quoten: „Echte Impfgegner sind die wenigsten.“

In den Fokus gerieten die Masern wieder in jüngster Zeit. Vor zwei Jahren etwa waren zwei Oberstufen-Schüler in Höchst erkrankt. Das Gesundheitsamt prüfte den Impfstatus von rund 800 Mitschülern. Wer ohne vollständigen Schutz war, musste zu Hause bleiben. (mit pit)

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