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Die Werkshalle auf dem Airbus-Gelände in Hamburg-Finkenwerder für die Produktion von Rumpfteilen für den A 380. Links neben der Halle steht ein weiterer, etwas grösserer Bau, in dem die A 380 nach ihrer Rückkehr aus Frankreich ihre Ausstattung erhalten und lackiert werden.

HAMBURG

Umstrittene Chance für den Norden

Die A 380-Produktion bringt Hamburg mehr als 3000 Arbeitsplätze - und Deutschland Milliarden an Wertschöpfung. Der Preis dafür sind massive öffentliche Finanzhilfen.

Von JÖRN BREIHOLZ

Mächtig erheben sich dort, wo noch vor drei Jahren die Elbe geflossen ist, die neuen Hallen für die A 380-Produktion. Der Strom ist gegenüber von Hamburgs Nobelstadtteil Blankenese am anderen Elbufer deutlich schmaler geworden. Dort - so springt es Betrachtern förmlich ins Auge - wird Industriegeschichte geschrieben. Etwa 700 Millionen Euro hat allein die Stadt Hamburg für die Bereitstellung des Firmengeländes, die Aufschüttung des Mühlenberger Lochs, investiert: für eine künstlich geschaffene Halbinsel, auf der das Superflugzeug A 380 gebaut werden soll. Gut die gleiche Summe, 650 Millionen Euro, hat Airbus nach eigenen Angaben für den Ausbau des wichtigsten deutschen Standortes in Hamburg Finkenwerder investiert. Dazu kommt ein Kredit von einer Milliarde Euro, den die Bundesregierung für die Entwicklung des Großraumflugzeuges bereitgestellt hat.

Zu Recht seien die öffentlichen Investitionen geflossen, ist Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken überzeugt. Die Entwicklung der Flugzeugwerft Airbus sei eine "einzigartige europäische Erfolgsgeschichte". Noch in den 70er Jahren habe der Anteil an großen Flugzeugen mit mehr als hundert Sitzplätzen gerade mal fünf Prozent betragen. "Heute sind wir Weltmarktführer", sagt Puttfarcken, der Herr ist über die inzwischen 20 000 deutschen der insgesamt 50 000 Beschäftigten von Airbus.

Für die Produktion der A 380 hat er in den vergangenen Jahren mehr als 1700 Leute einstellen lassen: Ingenieure, Mechaniker, Logistiker oder Lackierer, die zwei der drei Rumpfsektionen und die Kabinen bauen sowie für den Endanstrich sorgen. Für jede bei Airbus geschaffene Stelle kommt eine in der Zulieferindustrie hinzu. Der Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie geht von 40 000 neuen Jobs durch die A 380 aus.

Der durchschnittliche Listenpreis einer A 380 beträgt 282 Millionen Dollar. Laut Airbus bleibt ein Drittel davon in der Bundesrepublik. Bei einem Auftragsvolumen von bisher 150 bestellten Flugzeugen im Wert von 42 Milliarden Dollar wären das etwa 14 Milliarden Dollar deutsche Wertschöpfung. Airbus rechnet mit 1500 Flugzeugen, die in den nächsten Jahrzehnten verkauft würden.

Für Norddeutschland und besonders Hamburg als drittgrößten Luftwerftstandort der Welt sichert die A 380-Produktion neben dem Schiffbau eines der letzten industriellen Zentren im Norden. Die Airbus-Produktion begann Mitte der 90er Jahre mit den kleineren A 318 bis A 321-Maschinen. In dieser Woche verließ davon das 1000. Flugzeug Hamburg.

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