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Vom Umgang mit den Rechten im Main-Kinzig-Kreis

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Gut 40 Interessierte kommen zum Infoabend über Ideologie und Netzwerke in Hessen und im Main-Kinzig-Kreis.

Die AfD ist „rechtsextrem, nationalistisch, rassistisch und fremdenfeindlich. Auch wenn der AfDler im Dorf oder in der Nachbarschaft eigentlich nett ist. Die Partei ist das Problem“. Das sagt Sascha Schmidt vom DGB Hessen-Thüringen, Kenner der braunen Szene, am Freitagabend im Hanauer DGB-Haus. Gut 40 Interessierte drängen sich hier auf Einladung der Main-Kinzig-Linken zum Infoabend „Rechte Ideologie und Netzwerke in Hessen und im Main-Kinzig-Kreis“.

Als Gast dabei ist auch der Marburger Erziehungswissenschaftler Benno Hafenegger, der die AfD, ihre Wähler und sogenannten Inhalte wissenschaftlich durchleuchtet hat. Es gebe eine „Gemengelage aus Rassismus, Biologismus und Nationalismus“, die jedoch konservativ-bürgerlich daherkomme. So habe er rund 1000 Parlamentsanträge der AfD analysiert und gefragt, was wäre, wenn sie politisch umgesetzt würden. Ergebnis: „Wenn nur die Frauen wüssten, was ihnen dann blüht, dürfte keine Frau mehr die AfD wählen“, erklärt Hafenegger mit Blick auf das Frauen- und Rollenbild der Partei. In Bundes-, Landes- und Kommualparlamenten fielen AfD-Abgeordnete immer wieder durch „hochgradige Inkompetenz“ auf. Abgesehen davon, dass sie jedes Thema mit Flüchtlingen in Verbindung brächten.

AfD zu wählen sei eine Bildungsfrage. Je höher der Bildungsgrad, desto geringer die Anfälligkeit für Populismus und einfache Antworten, hat der Professor herausgefunden. Andererseits seien es auch nicht ausschließlich die Zukurzgekommenen und Abgehängten, die sich den Populisten zuwendeten. „Die AfD ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist ein Produkt unserer Demokratie, die sich fragen muss, wo die Reise hingehen soll.“ Hafenegger teilt AfD-Wähler in drei Gruppen ein: Die der CDU/CSU weggebrochenen Rechtskonservativen, die der ehemalige Republikaner oder NPDler sowie jene, die zuvor unpolitische Nichtwähler waren. Diese kämen oft aus der Mitte der Gesellschaft mit mittlerem Bildungsabschluss.

Zum Umgang mit der AfD in Parlamenten rät er dringend, nicht zur Normalität überzugehen. „Es gibt keinen Königsweg. Man sollte mit AfD-Vertretern die Form wahren, aber unbedingt die Distanz halten.“

Schmidt dröselt braune Netzwerke und Aktivitäten auf, die derzeit in Hessen aber eher überschaubar seien. Immer wieder gebe es Hotspots, wo sich die Szene treffe, mal in Büdingen in der Wetterau oder in Leun im Lahn-Dill-Kreis. Die NPD etwa sei mangels Gefolgschaft kaum mobilisierungsfähig. Er zeigt aber auch komplexe personelle Verästelungen zwischen AfD, Identitären, NPD, Anhängern des „Dritten Wegs” oder irgendwelchen „Kameradschaften” bis hin zu gewaltbereiten Fußballfans auf. Hessische Rechtsextreme würden eher bundesweit in Erscheinung treten, als dass sie in den Kommunen vor Ort eine nennenswerte Rolle spielten.

Erich Pipa, bis 2017 SPD-Landrat im Main-Kinzig-Kreis, hat braune Gesinnung wegen seiner menschenfreundlichen Flüchtlingspolitik 2016 als anonyme Beleidigungen und Todesdrohungen zu spüren bekommen. Absender: Eine „Initiative Heimatschutz Kinzigtal“. Und er spürt sie noch: „Die Letzte in Fäkalsprache kam vor fünf, sechs Monaten an meine Privatadresse“, sagt Pipa am Freitagmorgen auf FR-Anfrage. Die Polizei ermittelte bislang ergebnislos.

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