Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Burschenschafter auf einem Treffen auf der Wartburg 2011 in Eisenach.
+
Burschenschafter auf einem Treffen auf der Wartburg 2011 in Eisenach.

Rechte Szene

Überfall in Marburg: Anklage gegen drei Burschenschafter

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
    schließen

Nach einem Überfall auf das Verbindungshaus der Frankonia Marburg werden drei Männer angeklagt. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Marburg – Wegen eines nächtlichen Überfalls auf das Haus der Marburger Studentenverbindung „Frankonia“ im Juni 2020 klagt die Staatsanwaltschaft Marburg drei Männer wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs an.

Wie Staatsanwalt Timo Ide der Frankfurter Rundschau sagte, seien die drei Angeschuldigten 25, 29 und 35 Jahre alt, zum Tatzeitpunkt seien sie alle Studenten gewesen. Der jüngste der drei Männer wohne in Marburg, die beiden älteren in Nordrhein-Westfalen. Dem 35-Jährigen werde zusätzlich noch versuchte Nötigung vorgeworfen. Ursprünglich habe man gegen sechs Personen ermittelt, die Ermittlungen gegen die anderen drei seien aber aus Mangel an Beweisen eingestellt worden, sagte Ide.

Marburg: Fehde unter Burschenschaften gipfelte in Gewalt

Hintergrund der Anklage ist eine Auseinandersetzung zwischen rechten und eher liberal gesinnten Verbindungsstudenten, die sich in der Nacht auf den 14. Juni 2020 in Marburg zugetragen hatte. Laut Staatsanwaltschaft waren die drei Angeschuldigten am Abend des 13. Juni mit weiteren Männern in der Lutherstraße unterwegs, als sie kurz vor Mitternacht auf sechs Mitglieder der „Frankonia“ trafen. Die Angeschuldigten und ihre Begleiter sollen die „Frankonen“ zunächst beleidigt und danach mit Schlägen und Tritten angegriffen haben.

Gegen 1 Uhr sollen die Angreifer dann die Holztür des Verbindungshauses der „Frankonia“ aufgebrochen und mehrere Räume des Hauses komplett verwüstet haben. Laut Anklage entstand dabei ein Sachschaden von insgesamt 30.000 Euro.

Burschenschaften in Marburg: Verbindungshaus verwüstet, Zeugen bedroht

Im Anschluss an den Überfall soll der 35 Jahre alte Angeschuldigte noch auf einen Zeugen zugegangen sein, der gerade dabei war, mit seinem Handy die Polizei zu alarmieren. Der 35-Jährige soll einen Schlagstock in die Luft gehoben und dem Zeugen Schläge angedroht haben, falls er die Polizei rufe. Ein weiterer Zeuge soll den Mann dann laut Staatsanwaltschaft aber entwaffnet und zu Boden gebracht haben. Wegen dieses Vorfalls wird der 35-Jährige auch wegen versuchter Nötigung angeklagt.

Der ganze Überfall war in einer ersten Mitteilung der Polizei als „Streitigkeit zwischen zwei Burschenschaften“ bezeichnet und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden. Die „Frankonia“ hatte später Fotos des verwüsteten Verbindungshauses veröffentlicht und auf Facebook von „blindem Vandalismus“, von zersplitterten Fensterscheiben und einer zerstörten Ahnengalerie gesprochen.

Nach Überfall in Marburg: Burschenschaft spricht von Straftaten mit politischem Motiv

Man sei „fassungslos“, der Vorfall habe nichts mehr mit normalen Rivalitäten unter Burschenschaften zu tun. Michael Terwiesche, der Vorsitzende des Trägervereins des Hauses der Frankonia, hatte im Gespräch mit der FR von „massiven Straftaten“ mit politischem Motiv gesprochen.

Tatsächlich könnten politische Differenzen der Grund für die gesamte Auseinandersetzung sein. Die „Frankonia“ ist im eher liberalen „Schwarzburgbund“ organisiert und hat 1996 die „Marburger Erklärung“ unterzeichnet, die sich von nationalistischen Tendenzen unter Burschenschaftern distanziert und die Rolle studentischer Verbindungen in der Zeit des Nationalsozialismus kritisiert.

Gerichtsverhandlung in Marburg: Umfeld der Burschenschaft Germania unter Verdacht

Die Angreifer sollen dagegen aus dem Umfeld der Marburger Burschenschaft „Germania“ stammen, die schon seit Jahren durch rechtsextreme Umtriebe auffällt. Ende vergangenen Jahres hatte die „Germania“ gegenüber der FR erklärt, nichts mit dem Überfall zu tun zu haben. Man verurteile „solche üblen Exzesse“.

Wann der Prozess am Amtsgericht Marburg beginnen kann, ist derzeit noch nicht abzusehen. Das Gericht hat das Hauptverfahren noch nicht eröffnet. (Hanning Voigts)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare