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Marcel Wilhelm ist an sechseinhalb Tagen 300 Kilometer von Egelsbach nach Augsburg gelaufen. privat
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Marcel Wilhelm ist an sechseinhalb Tagen 300 Kilometer von Egelsbach nach Augsburg gelaufen. privat

Egelsbach

Überfall beim Benefizlauf für krebskranke Kinder

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Marcel Wilhelm ist 300 Kilometer von Egelsbach nach Augsburg gelaufen, um Geld für krebskranke Kinder zu sammeln – und wurde auf der Strecke ausgeraubt.

Dreimal hat der Rettungssanitäter Marcel Wilhelm jetzt schon Großes geleistet und Gutes getan: Dreimal ist er in voller Montur mehrere hundert Kilometer gelaufen, um Spenden für krebskranke Kinder und deren Familien zu sammeln. Innerhalb eines Jahres hat er so 1000 Kilometer für den guten Zweck zurückgelegt und über 89 000 Euro gesammelt. Mitte vergangener Woche war der jüngste Spendenlauf unter dem Motto „Krebs kennt keine Kilometer“ geschafft, bei dem er diesmal in sechseinhalb Tagen 300 Kilometer zu Fuß von Egelsbach über Frankfurt nach Augsburg bewältigt hat. Mit einem unangenehmen Erlebnis: Wilhelm wurde auf der Strecke am helllichten Tag ausgeraubt.

Der Überfall geschah am vorletzten Tag seines Spendenlaufs nachmittags auf einem Fahrradweg, keinen Kilometer vom Hotel entfernt, als Wilhelm schon 280 Kilometer bei Kälte, Schnee und Regen auf dem Buckel hatte. Ein Radfahrer habe ihn gebeten, kurz stehenzubleiben, berichtet er. „Ich dachte, er wäre ein Fan oder jemand, der mir eine Spende geben wollte“, sagt der gebürtige Egelsbacher, der mittlerweile schon 80 000 Follower auf Instagram und 177 000 Follower auf TikTok hat. Aber der Täter habe ihn geschubst und zu Boden gerungen, habe ihm Schläge in den Bauch und den Hüftbereich verpasst. Er hatte es auf das Handy und den Geldbeutel abgesehen, versuchte, in seine Hosentaschen zu greifen. „Das Handy konnte ich verteidigen, den Geldbeutel habe ich ihn dann irgendwann herausziehen lassen in der Hoffnung, dass er von mir ablässt“, erzählt Wilhelm. So war es dann auch – und der Rettungssanitäter war um 150 Euro Spendengeld ärmer, hatte sich außerdem an Hand und Schulter verletzt.

Wilhelm rief die Polizei, die „mit acht oder neun Wagen“ eine Großfahndung nach dem Täter auslöste, der aber nicht gefunden werden konnte. Der Rettungssanitäter musste am Tatort viele Fragen der Polizei beantworten und auf die Spurensicherung warten, war erst drei Stunden später im Hotelzimmer.

Spendenmöglichkeit

Spenden für die Aktion „Krebs kennt keine Kilometer“ können auf das Konto DE 57 5005 0201 0200 7547 77 bei der Frankfurter Sparkasse, BIC HELADEF1822, überwiesen werden.

Auf dem Instagram-Kanal von Marcel Wilhelm @marcelxwilhelm findet sich ebenfalls ein Link für Spendengelder.

Im Internet führt der Link https://mainfrankfurt.engagementportal.de/fundraising-events/37982 zur Spendenplattform der Frankfurter Sparkasse für den Spendenlauf. ann

Ein Video, das er nach dem Überfall hochlud, zeigt, wie stark ihn die Tat emotional mitgenommen hat – auch wenn er heute betont, dass er in Ordnung sei. „Im Rettungsdienst bin ich Schlimmeres gewöhnt“, sagt er. Dennoch bittet er in dem Video unter Tränen darum, weiter an das Gute im Menschen zu glauben und sich nicht von „einem schlechten Menschen, der aus irgendwelchen Gründen Geld brauchte“, von der Unterstützung des Projekts für krebskranke Kinder abbringen zu lassen. Das tat die Community auch nicht: „Als ich im Hotel ankam, waren die 20 000 Euro geknackt“, sagt Wilhelm. 18 Stunden später in Augsburg kamen weitere 10 000 Euro dazu.

Mittlerweile ist die Spendensumme seines dritten Spendenlaufs auf mehr als 34 000 Euro gewachsen. Im November des Vorjahres hatte Wilhelm schon 11 000 Euro gesammelt, als er binnen vier Tagen 200 Kilometer nach Köln zurücklegte, sowie 44 000 Euro im Juni dieses Jahres beim 500 Kilometer langen Spendenlauf von Egelsbach über Frankfurt nach Berlin.

45 bis 50 Kilometer marschiert er täglich mit zehn Kilo schwerem Rettungsrucksack, ist jeweils zehn bis zwölf Stunden unterwegs. Diesmal sei es besonders hart gewesen, berichtet der 26-Jährige. „Es war kalt, ab dem zweiten Tage Regen, Schnee und Kälte, meine Knochen und Gelenke taten weh.“ Geholfen habe ihm aber immer sein Mantra im Kopf: „Die Schmerzen, die ich gerade habe, sind nichts im Vergleich zu denen, die krebskranke Kinder und deren Eltern haben.“

Mit den bisher gesammelten Spendengeldern hat Wilhelm, der in Frankfurt Rettungssanitäter ist, Hilfsorganisationen für krebskranke Kinder unterstützt. Diesmal will er mit den Spenden einen barrierefreien Inklusionsspielplatz finanzieren. Eine Kommune, die ihn dabei unterstützen würde, habe er schon in Aussicht, sagt er. „Das Ganze ist nicht so einfach wegen der deutschen Bürokratie.“

Und das nächste Projekt ist schon ins Auge gefasst: Im kommenden Sommer will er wieder auf Schusters Rappen unterwegs sein. „Eine große Tour“, sagt er, „von Flensburg bis Schloss Neuschwanstein“. Das sind dann sage und schreibe 1000 Kilometer - alles für den guten Zweck.

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