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TV-Serie über Alfred Herrhausen

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Am Tatort von damals: Der Cast dreht am Schauplatz des Verbrechens und hat sogar die Baustelle nachgestellt, die seinerzeit die Attentäter fingierten, um das Kabel zum Zünder verlegen zu können. priedemuth
Am Tatort von damals: Der Cast dreht am Schauplatz des Verbrechens und hat sogar die Baustelle nachgestellt, die seinerzeit die Attentäter fingierten, um das Kabel zum Zünder verlegen zu können. priedemuth © JP

ARD dreht in der Kurstadt / Seedammweg einen ganzen Tag gesperrt

BAD HOMBURG - So richtig begeistert von den vielen Schaulustigen sind die Kameraleute, Requisiteure und Statisten nicht. Immer wieder weisen Mitarbeiter der Produktionsfirma Fußgänger daraufhin, doch bitte hinter der Absperrung zu bleiben. Und auch sonst gibt sich das Film-Team am teilweise gesperrten Seedammweg zugeknöpft. Auch wenn es den Produzenten wohl lieber gewesen wäre - die aufwendigen Dreharbeiten für die Mini-Serie über Alfred Herrhausen bleiben natürlich nicht unbemerkt. Wie denn auch? Immerhin reiste ein ganzes Bataillon von Filmleuten mit zehn weißen Trucks an, geparkt entlang der Kaiser-Friedrich-Promenade. Sogar ein Zelt wird aufgeschlagen für die Verpflegung des Casts - immerhin soll der Dreh mehr als zwölf Stunden dauern. Der Bereich zwischen den Straßen Am Elisabethenbrunnen und Im Rosengarten ist mit rot-weißen Hütchen gesperrt. Monate im Voraus hatten die Produzenten im Rathaus die Drehgenehmigung eingeholt.

Dutzende Schaulustige stehen hinter der Absperrung und verfolgen, wie Kameraleute, Aufnahmeleiter und Regie-Mitarbeiter mal hierhin und mal dorthin laufen - und fühlen sich von dem Setting zurückversetzt ins Jahr 1989. Die Szene, das reinste Déjà-vu: Mitten auf der Straße stehen wieder drei Mercedes-Limousinen, wie sie Alfred Herrhausen und seine Entourage seinerzeit fuhren, an jener Stelle, zwischen Seedammbad und Taunus-Therme, wo der in der Kurstadt lebende Vorstandssprecher der Deutschen Bank in eine Sprengfalle fuhr.

Sofort war die Szenerie von damals wieder präsent, die sich darbot, nachdem ein infernalischer Knall die vornehme Idylle der Kurstadt zerrissen hatte, festgehalten auf Fotos, die in die Geschichte eingingen: von dem Haufen Blech, der mal eine gepanzerte Limousine war. Bilder, die auch Zaungast Anke Müller nun wieder vor Augen hat. „Ich kann mich noch gut an die Zeitungs- und Fernsehnachrichten über das schreckliche Attentat erinnern.“ Auf dem Weg zu Freunden hätten sie einen großen Spaziergang gemacht und dabei den Dreh entdeckt. „Von anderen Zuschauern haben wir erfahren, dass hier ein Film über Herrhausen gedreht wird.“

Auch Gabriela Sperl kann sich noch genau an die Szenen des kaltblütigen Verbrechens erinnern. Leben und Tod von Alfred Herrhausen beschäftigen die Filmproduzentin schon lange. „Wie die Bilder von 9/11 oder vom Deutschen Herbst 1977 hat das Foto der zerbombten Mercedes-Limousine negative ikonographische Kraft für meine Generation“, sagt sie.

WEITERE DREHTERMINE

Die vierteilige Politthriller-Serie „Herrhausen - Der Herr des Geldes“ ist eine Ko-Produktion von ARD Degeto und X Filme Creative Pool. Die Firma produziert auch die populäre Serie „Babylon Berlin“.

Gedreht wird bis 16. Dezember auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Belgien sowie an sechs weiteren Drehtagen im Februar 2023 in Marokko oder Israel.

Wann die Serie über Homburgs bekanntesten Bürger zu sehen sein wird, stehe indes noch nicht fest, heißt es von ARD Degeto, möglicherweise erst 2024. ju do

Oliver Masucci in der Hauptrolle

Nach mehr als 30 Jahren sei nun die Zeit gekommen, meint Sperl („Stauffenberg“, „Nicht alle waren Mörder“), sich diesem Cold Case, bei dem die RAF als Drahtzieher zwar benannt, aber nie ein Täter identifiziert wurde, erneut zuzuwenden - in der vierteiligen Politthriller-Miniserie „Herrhausen - Der Herr des Geldes“, welche die Machtverstrickungen zwischen Staat und Wirtschaft vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung zeigt. Oliver Masucci spielt Alfred Herrhausen, seine Frau Traudl mimt Julia Koschitz.

Die Terroristen hatten damals eine technisch ausgeklügelte Bombe konstruiert - mit Infrarot-Lichtschranke. Ein Draht führte zu einem Zünder, der eine Sieben-Kilo-Bombe scharfmachte. Der Sprengsatz lag auf einem Jugendfahrrad, das die Terroristen im Seedammweg am Straßenrand abgestellt hatten.

Der Sprengsatz tötete einen Ausnahmebanker. Herrhausen war in den 1980er-Jahren einer der mächtigsten Wirtschaftsführer der Republik. Er galt als Visionär, der nicht nur die Bilanzen im Blick hatte, sondern die Zukunft gestalten wollte. Der gebürtige Essener, der zuvor in der Gasindustrie aufgestiegen war, kommt als Quereinsteiger zur Deutschen Bank. Das Geldhaus baut er zu einem Institut mit Weltstatus um. Für Furore sorgte seine Idee eines Schuldenerlasses für arme Länder. Als er mit einem Kredit an die UdSSR nicht nur die Interessen der Bank und seines Freundes Helmut Kohl vertritt, sondern auch die Reformpläne Gorbatschows unterstützt, betritt der Banker vermintes Terrain der Weltpolitik.

Während der Banker die Rivalen im eigenen Haus in Schach zu halten suchte und seine Macht ausweitete, formierten sich außerhalb seine Gegner. Genau um diese Phase soll es in der ARD-Serie gehen. Bei dieser Melange aus Fakt und Fiktion steht der Mensch Herrhausen im Fokus. Die Handlung folgt seinen letzten Monaten bis zum Tod. „Eine der Leitfragen lautet: Warum war ausgerechnet er umringt von Gegnern national und außerhalb Deutschlands?“, so die Macher.

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