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Die, die mit den Wölfen heult: Wildtierbiologin und Wolfsexpertin Marion Ebel moderiert im Gehege der Tundrawölfe.

Hanau

„Tundrawölfe heulen melodisch“

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Nach gut eineinhalb Jahren gibt es wieder eine Wolfsheulnacht. Ein neues Rudel hat Premiere vor Hunderten Zuschauern.

Die Premiere am Samstagabend klappte ordentlich, so dass die geschätzten 300 Besucher des Wildparks Alte Fasanerie nach dem Ausharren in der kühlen Witterung zufrieden nach Hause gehen konnten. Nach gut eineinhalb Jahren gab es wieder eine Wolfsheulnacht. Doch die Hauptdarsteller waren diesmal das Jungrudel Tundrawölfe mit Monja, Inuq und Aslan. Wildbiologin Marion Ebel stieg in das weitläufige, bewaldete Gehege, um den ersten Ton vorzugeben. Auch wenn die Generalprobe bei Tag zufriedenstellend verlief, war sie nicht sicher, ob die Menschenmenge am Zaun, das Flutlicht sowie das Geräusch des Stromgenerators das Trio im beigefarbenen Pelz zu sehr irritierte.

Mit den Altstars Ayla, Scott und Khan war hingegen das Wolfsheulen über viele Jahre eine sichere Nummer. Bis zu 2500 Besucher kamen, erzählt Ebel. Sie gab den Ton vor, Ayla folgte und die beiden anderen stimmten kurz darauf ein – laut und schaurig. Im Frühjahr 2017 war nach 13 Jahren Schluss damit. Die weißen Polarwölfe, die von Ebel von Hand aufgezogen worden waren, hatten das für ihre Spezies hohe Alter von gut 13 Jahren erreicht. Den Wolfsgreisen waren die Kräfte geschwunden, zudem litten sie an Altersbeschwerden.

Aus dem Trio lebt mittlerweile nur noch Scott. Ayla ist am Tag der Wiederaufnahme des Wolfsheulens in den Wildpark zurückgekehrt – vom Tierpräparator. Den Kopf angehoben steht die Leitwölfin nun im Kassenfoyer.

Heulen auf Kommando wie es Ayla leidenschaftlich gern tat – vielleicht auch nur, weil sie sich selbst gerne hörte, wie Ebel vermutet – ist nicht selbstverständlich. Eine Vollmondnacht braucht es dazu nicht, ist sich Ebel sicher, aber einen Vorheuler, den das Rudel anerkennt und respektiert. Wölfe heulen nicht allein, wenn sie sich einsam fühlen oder sie gemeinsam auf Jagd gehen, sondern auch aus Sympathie zueinander. Die hat Ebel bei den Tundrawölfen mit Sicherheit erlangt, sie zog die Tiere, wie zuvor auch die Polarwölfe, als Welpen mit der Flasche auf. Die Bindung änderte sich schlagartig, als die Youngster im Alter von zehn Wochen zu den erwachsenen Polarwölfen kamen, so Ebel. Plötzlich war Ayla die Wolfsmutter für die Kleinen. Die heute sieben Jahre alten Tiere haben ihre Prägung auf Ebel dennoch nicht verloren. Im geschmeidigen Trapp eilen die großen Tiere auf die Wildbiologin zu und erlauben eine kurze Annäherung. Bei den europäischen Wölfen im Wildpark gibt es diese Vertrautheit mangels engen Kontakt zum Menschen in der Welpenzeit nicht. Der Grauwolf sei zudem schüchterner. Daher heule er auch nicht vor Publikum.

Ebel gab den Premierenzuschauern allerdings auch keine „Heulgarantie“. Wenn sie es schaffe, Rudelchef Inuq zum Heulen zu bringen, dann werde ein Dreiklang zu hören sein, sagt Ebel. Dazu musste sie jedoch zunächst den dreien was Vorheulen - mit und ohne Mikrofonanlage. Und plötzlich stimmten Inuq und Aslan ein, in schöner, fast sonorer Tonlage und zaghaft in der Lautstärke. Wolfsgeheul kann bis zu mehrere Kilometer weit tragen, aber es war ja ein Sympathieheulen. Als Dank für die Vorstellung gab es aus der Hand von Ebel ein Leckerli, je einen ganzen Brie-Käse.

Motivation war der für den zweiten Teil – beim Revierheulen – der Wolfsheulnacht nicht. Diesmal jaulte das Publikum dem Trio was vor. „Tundrawölfe heulen sehr melodisch“, sagte Ebel bei der Probe mit dem Zuschauern. „Hoch ansetzen und dann den Ton fallen lassen“, gab sie als Anweisung, teilte die Menge für einen zweistimmigen Kanon und fing an, die Einsätze zu dirigieren. „Heulen muss Spaß machen“, kommentierte sie den ersten, etwas schlappen Versuch. Das pelzige Trio erkannte aber auch beim zweiten Mal keinen Anlass für ein Revierheulen. „Sie haben ihr Bestes geben, aber die Wölfe haben keinen Bock mehr“, stand danach für Ebel fest.

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