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Thomas Mehner ist Vize-Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie Privatdozent für Fischökologie an der Humboldt Universität zu Berlin.
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Thomas Mehner ist Vize-Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie Privatdozent für Fischökologie an der Humboldt Universität zu Berlin.

Klimakrise

„Tümpel spielen eine große Rolle fürs Klima“

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Gewässerökologe Mehner über die Folgen von Trockenheit und Hochwasser.

Herr Mehner, wie steht es um unsere Binnengewässer im Klimawandel?

Wir sagen: Es gibt eine stille Krise in den Binnengewässern. Die große Aufmerksamkeit fehlt. Dabei ist die Biodiversität dort mindestens genauso wichtig wie etwa die Artenvielfalt in den Ozeanen. Ein Drittel aller Wirbeltierarten lebt darin.

Welche Arten sind besonders bedroht?

Andersherum: Nur zehn Prozent aller Tiere, die schwerer als 30 Kilo sind, sind nicht bedroht. Als Beispiel für Deutschland: Der Stör ist weitgehend ausgestorben. Bei Schlangen, Eidechsen, Fröschen und Kröten erleben wir einen dramatischen Rückgang. Wechselkröte und Laubfrosch sind stark unter Druck.

Was hat das mit dem Klimawandel zu tun?

Wasser erwärmt sich stärker als Luft. Während wir noch um das 1,5-Grad-Ziel bei der Erderwärmung kämpfen, haben sich stehende Gewässer in den vergangenen 100 Jahren längst um mehr als zwei Grad erhitzt. Dabei wird das Gewässer produktiver, und es bilden sich zum Beispiel giftige Cyanobakterien (Blaualgen). Auch die Wassermengen verändern sich. Viele Tümpel sind in jüngerer Zeit ausgetrocknet. Und dann zerstört wieder extremes Hochwasser die Lebensräume. Das System wird sich davon nicht so bald erholen.

Was sind die Folgen?

Organismen, die auf kühle Temperaturen angewiesen sind, können nicht mehr überleben. Und wenn Gewässer trockenfallen, setzen sie den Kohlenstoff frei, den sie bisher gespeichert hatten. Darüber müssen wir uns Gedanken machen: Wie Kühe Methan freisetzen, setzen auch trockene Tümpel Methan und CO2 frei. Aber der Dorfteich hat auch noch eine andere Funktion.

Die soziale.

Tümpel gibt es nahezu in jedem Dorf. Die Jugend trifft sich dort, und da sind überall Tiere drin zu finden. Die Biodiversität ist in jedem Tümpel unterschiedlich – in der Summe aller Tümpel sorgt dies für eine unschätzbar wichtige Artenvielfalt.

ZUR PERSON

Thomas Mehner ist Vize-Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie Privatdozent für Fischökologie an der Humboldt Universität zu Berlin.

Was können wir tun?

Gegen die Trockenheit: vor allem die Landversiegelung beenden. Wasser, das durch den Kanal rauscht, ist weg. Wir dürfen das Wasser nicht so schnell wie möglich ins Meer jagen, sondern müssen es vor Ort behalten – etwa den Regen vom Turnhallendach zum Dorftümpel leiten. Und wir brauchen langfristig eine Versickerungs-Siedlungslandschaft.

Haben Sie praktische Beispiele?

Wir wollen Demonstrationsobjekte entwickeln – Tümpellandschaften als Vorbild, wie es funktionieren kann.

Auch in der Rhein-Main-Region?

Um das an vielen Orten zu machen, fehlen uns die Mittel. Aber Kommunen, die Interesse an dem Projekt haben und selbst etwas aufbauen wollen, können sich selbstverständlich an uns wenden.

Warum sind Tümpel so wichtig?

Ein trockener Tümpel bedeutet den Verlust aller Arten darin. Jedes Gewässer ist individuell, insofern ist jedes Gewässer schützenswert und jede Tier- und Pflanzenart. Von vielen Organismen wissen wir gar nicht, wie wichtig sie für unser Ökosystem sind. Wir wissen nicht, welche Art verzichtbar wäre. Die Arten in allen Tümpeln spielen eine große Rolle für die Vernetzung. Fällt ein Tümpel trocken, ist es wie bei uns Menschen: Gebiete, die man nicht mehr bewohnen kann, werden verlassen.

Interview: Thomas Stillbauer

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