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Auf der Kanonenstraße kontrolliert die Oberurseler Stadtpolizei Motorradfahrer.

Feldberg

Biker zieht es trotz Verbots zum Feldberg

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Auf der bei Motorradfahrern sehr beliebten „Kanonenstraße“ Richtung Sandplacken gilt ein Fahrverbot für Biker. Doch nicht alle halten sich daran.

Sieben auf einen Streich kassierte die Oberurseler Stadtpolizei am Samstagnachmittag knapp oberhalb der „Applauskurve“ ab. Sie konnten es nicht lassen oder sie haben die Schilder übersehen, die in einer ersten Testphase neun Tage lang am Ortsausgang Oberursel angezeigt haben, dass Motorradfahrer auf der „Kanonenstraße“ Richtung Sandplacken, Schmitten und Großen Feldberg unerwünscht sind.

Die 20 Euro Strafe für die Ordnungswidrigkeit haben die meisten „ohne großes Murren“ gezahlt, nur „manche reagierten etwas ungehalten“, so der Leiter des regionalen Verkehrsdienstes der Polizeidirektion Hochtaunus Oliver Link. Insgesamt wurden während der Testphase bis Sonntagabend laut Link mehr als 200 Verstöße gegen das Fahrverbot auf der beliebten Strecke für Biker registriert. 

Im Jahr 2018 hat es 44 Motorradunfälle rund um den Feldberg gegeben. Weil die Zahl der Unfälle stetig steigt, reagiert der Hochtaunus-Kreis mit einer Straßensperrung für Biker

Polizeikontrollen am Sandplacken

Anton und Angelika aus Frankfurt (Namen von der Red. geändert) hatten sich schon gewundert, als sie bei schönem Wetter kaum „Kollegen“ auf der sonst an Wochenenden von Bikern vielbefahrenen Strecke gesehen haben. Am Sandplacken wurde das Rätsel bei einer Polizeikontrolle gelöst. Das Paar trug’s mit Fassung, Anton hat es „wirklich nicht gewusst“, Angelika hat auf den letzten Metern zum Gipfel-Plateau die „zehn Euro Eintritt pro Person“ schon verschmerzt. Man muss aber auch genau hingucken. Wer im Gewohnheitsrhythmus Richtung Feldberg saust, kann die ungewohnten Verbotsschilder und Umleitungshinweise schon mal übersehen. Egal ob an der Hohemark im Oberurseler Norden oder am Königsteiner Kreisel, über den die Zufahrt weiterhin möglich war. „Das werden wir uns angucken und überdenken“, kündigte Link bereits gestern an. Allein 57 Verstöße gegen das Fahrverbot wurden am Samstag bei prächtigem Wetter notiert.

Ein Motorrad ist trotz Verbots unterwegs

Auch am Sonntag mussten Stadt- und Landespolizei häufig Strafzettel ausstellen, obwohl es am traditionellen Treffpunkt der Freunde großer Maschinen vor den Feldberg-Türmen erstaunlich ruhig zuging. Nur ein knappes Dutzend Biker, die Reihen gelichtet, das gibt es bei schönem Wetter nur selten. Es ist ein bisschen leiser als sonst, man hört mehr Vogelgezwitscher und versteht die Benzingespräche besser. Stoische Gelassenheit trifft am ehesten die Tonlage, die hier vorherrscht, wenn vom Fahrverbot die Rede ist. Stammgast Oliver Preiß (48) aus Hanau zuckt nur lächelnd die Schultern. Dann fährt er mit seinem feuerroten 100-PS-Geschoss halt „ganz entspannt“ über Königstein, Billtalhöhe und „Rotes Kreuz“ zu seinem Lieblingsplatz am höchsten Punkt des Taunus.

Radler in der Überzahl 

„Oh, ist mir noch gar nicht aufgefallen“, sagt Radler Jonatan Koch aus Frankfurt über das Fahrverbot. Probleme mit Bikern mit Motor kennt er nicht, „ich bin da unempfindlich“. Man respektiert sich gegenseitig, „wenn Abstand gehalten wird, ist alles in Ordnung“, so Koch. Bedrängt fühlen er und seine Radfahrerfreunde sich eher von Autos als von Motorrädern. Die Radler waren bis zum frühen Nachmittag klar in der Überzahl auf dem Gipfel. Gastronom Max Schlosser und seinem Team ist es da ziemlich egal, wer Wurst und Pommes, Kuchen, Kaffee und Cola mit Blick auf die Rhein-Main-Ebene konsumiert. 

Die Sperrung von Straßen rund um den Feldberg für Motorradfahrer stößt bei den Zweirradfahrern auf Kritik und Unverständnis. Ein Biker-Verband droht mit einer Klage

Eine „große Bandbreite in der Resonanz“ haben auch Oliver Link und seine Kollegen registriert. Nach der zweiten Testphase im September sollen alle Zahlen und Erfahrungen detailliert ausgewertet und über weitere Maßnahmen diskutiert werden. „Eine generelle Sperrung ist keine Option“, kündigte Link schon jetzt an. „Das kann ich mir nicht vorstellen, das ist nicht das Ziel.“ Sollte es soweit kommen, dann dürfte es mit der ganz entspannten Gelassenheit rund um den Feldberg auch vorbei sein.

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