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Geschäftsführer Heino von Winning auf der Rhein-Main-Deponie in Flörsheim-Wicker. Renate Hoyer

Flörsheim

Trotz Protest: Deponieausbau in Flörsheim wird weiter geplant

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Viele Bürger sehen das Vorhaben skeptisch. Dennoch werden die Genehmigungsanträge zur Erweiterung der Rhein-Main-Deponie in Flörsheim-Wicker vorbereitet. Eine Kooperation mit den Entsorgungsbetrieben Wiesbaden könnte Druck aus dem Planungsprozess nehmen.

Die massiven Proteste von Bürgern und Kommunalpolitikern gegen den Ausbau der Rhein-Main-Deponie (RMD) in Flörsheimer-Wicker haben die Verantwortlichen des kommunalen Entsorgungsunternehmens Ende letzten Jahres kalt erwischt. „Damit haben wir nicht gerechnet“, räumte RMD-Geschäftsführer Heino von Winning im Gespräch mit der FR ein.

Der 67-jährige CDU-Politiker und studierte Physiker steht seit Mitte 2018 an der Spitze der RMD. Wenige Monate zuvor war die finanzielle Schieflage des Konzerns publik geworden. Die Gesellschafter Main-Taunus- und Hochtaunus-Kreis beschlossen ein Sanierungsprogramm, das sie insgesamt weit über 70 Millionen Euro kosten wird. Es wurde kräftig umstrukturiert innerhalb des komplizierten Firmengeflechtes der Deponiegesellschaft. Im Herbst 2019 präsentierten von Winning und die RMD-Aufsichtsratsvorsitzende Madlen Overdick (Grüne), die Pläne, in Wicker eine „Deponie auf der Deponie“ zu bauen. Weitere 20 Jahre könnten nach der Erweiterung insgesamt fünf Millionen Tonnen Schlacke aus den Verbrennungsanlagen der Region angenommen und die Müllpreise stabil gehalten werden, hieß es. Auch die Deponienachsorge ließe sich mit moderner Technologie effizienter gestalten.

Die Anwohner interessierte das kaum. Sie pochten auf das Versprechen, die Deponie werde 2021 geschlossen, befürchteten mehr Umweltbelastung und eine deutliche Zunahme des Verkehrs. 1500 Unterschriften wurden gegen den Deponieausbau gesammelt und an Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) übergeben. Das Flörsheimer Parlament sprach sich einstimmig gegen die Erweiterung der Deponie aus.

Termine

Ein Informationsabendüber den geplanten Ausbau der Rhein-Main-Deponie ist am 27. Februar in der Sport- und Kulturhalle Massenheim, Untergasse 19, in Hochheim. Beginn ist um 19 Uhr.

Führungendurch den Rhein-Main-Deponiepark gibt es zu folgenden Terminen: Freitag, 6. März, 15 Uhr, Freitag, 20. März, 15 Uhr sowie Samstag, 21. März, 11 Uhr. Anmeldung telefonisch unter 06145/ 9260-1110 oder per E-Mail an pr@deponiepark.de. aro

Führungen über Deponie

In Wicker gehen die Planungen trotzdem weiter. Der Genehmigungsantrag zur Planfeststellung für den Deponie-Ausbau werde gerade vorbereitet, sagte von Winning der FR. Mit einem Informationsabend Ende Februar in Massenheim gehe die vorgezogene Bürgerbeteiligung zu Ende. „Wir haben verstanden, dass wir intensiver informieren müssen“, sagt der RMD-Geschäftsführer. Deshalb würden aktuell auch viele Führungen durch den Deponiepark angeboten, auf denen das Ausbauvorhaben erläutert werde. „Die meisten Leute sind überrascht, wenn sie sehen, dass wir vor allem eine Senke auf dem bestehenden Gelände weiter verfüllen wollen, und dass der Müllberg nicht so stark wächst, wie viele befürchten.“ Die beiden Kreistage und der Aufsichtsrat der RMD entscheiden am Ende, ob die Genehmigungsanträge abgegeben werden. Danach kann das Verfahren zur Planfeststellung mit öffentlicher Erörterung beginnen. Weil in Wicker zunächst nur bis 2021 Schlacke angenommen werden kann, werde es in jedem Fall eine Pause bei der Verfüllung der Rhein-Main-Deponie geben, machte von Winning im Gespräch mit der FR deutlich. In dieser Zeit könnten womöglich die Entsorgungswerke der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) einspringen, die nach eigenen Angaben zurzeit an einem Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung der Deponie Dyckerhoffbruch sitzen. Bereits 2017 habe es Gespräche über eine Zusammenarbeit zwischen Wiesbaden und Wicker gegeben, sagte Heino von Winning der FR. Aus seiner Sicht wäre es durchaus sinnvoll, den möglichen Ausbau der Kapazitäten in Wicker, Wiesbaden und auch auf der Deponie in Brandholz (Hochtaunuskreis) gemeinsam in den Blick zu nehmen, um die Entsorgungssicherheit im gesamten Rhein-Main-Gebiet längerfristig zu gewährleisten.

Wechsel an der Spitze

RMD-Aufsichtsratsvorsitzende Madlen Overdick will in den nächsten Tagen Gespräche mit den Verantwortlichen der ELW führen, um die Möglichkeiten einer Kooperation auszuloten. Das Ergebnis werde maßgeblich Einfluss darauf haben, wie sich der weitere Planungsprozess für die Deponie-Erweiterung in Wicker gestalte, sagte die Grünen-Politikerin der FR.

Davor wird der RMD-Aufsichtsrat noch eine weitere wichtige Entscheidung treffen müssen. Bereits in den nächsten Tagen soll feststehen, wer künftig die Geschäftsführung der Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft übernimmt. Heino von Winning war 2018 nur vorübergehend in das Amt des Sprechers der Geschäftsführung berufen worden.

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