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Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf der gesperrten Landebahn.

Flughafen

Trotz Corona-Krise bleibt Terminal 3 im Zeitplan

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Während 18.000 Fraport-Mitarbeiter in Kurzarbeit sind, geht der Ausbau des Flughafens weiter. Das gute: Bewohner der Einflugschneise haben endlich Ruhe.

Was Flughafenausbaugegner seit Jahren fordern, ist plötzlich Realität: Die Nordwestlandebahn ist stillgelegt. Unter der Einflugschneise lässt es sich bei offenem Fenster schlafen. Zu einem dramatischen Preis: Fraport hat 18 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, Teile der Terminals geschlossen. Und der Vorstand will den Aktionären für das Geschäftsjahr 2019 keine Dividenden ausschütten.

Ungeachtet dessen gehen die Bauarbeiten für das Vier-Milliarden-Euro-Projekt Terminal 3 weiter. „Das Timing bleibt“, sagt Unternehmenssprecher Dieter Hulick. Trotz der Krise gebe es keine Bestrebungen, am Zeitplan zu rütteln: Flugsteig G soll im nächsten Jahr in Betrieb gehen, der Rest des Terminals zwei Jahre später.

Das Coronavirus hat den Nerv des Luftverkehrs getroffen. Vor wenigen Wochen lagen die Verkehrseinbrüche bei rund 50 Prozent, sagt Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte, mittlerweile seien es 95 Prozent. „Im April werden wir insgesamt etwa so viele Passagiere in Frankfurt haben wie sonst an einem einzigen Spitzentag im Sommer.“

Nordwestlandesbahn ist Parkplatz

Die Nordwestlandesbahn ist zum Parkplatz umfunktioniert. Auch das hätte sich keiner träumen lassen, als sie im Oktober 2011 in Betrieb ging. 21 Großraumflugzeuge oder 40 kleinere Jets können dort abgestellt werden, sagt Hulick. Laut einem Lufthansa-Sprecher stehen derzeit „mehrere Dutzend“ Maschinen der Airline dort.

Aus Sicherheitsgründen müssten sie allerdings regelmäßig bewegt werden. Das geschehe im Rahmen des „überschaubaren Flugprogramms“ und der Flüge, mit denen gestrandete Urlauber zurückgeholt werden. Rund 80 gab es bereits, elf sollen noch folgen.

Am Mittwoch landete die erste Lufthansa- Passagiermaschine voller „hocheiliger Güter“ aus Schanghai in Frankfurt. Ein Airbus A330, bis in die Kabine einschließlich der Staufächer über den Sitzen beladen, sagt der Sprecher. Vorwiegend Waren aus dem medizinischen Bereich, darunter auch Masken und Schutzausrüstung. Am Samstag soll eine weitere Lieferung aus China das deutsche Gesundheitssystem erreichen. Es gibt also noch zu tun. Gleichwohl wird auch die Lufthansa am heutigen Freitag Kurzarbeit anmelden, sagt der Sprecher. Betroffen sind bundesweit rund 31 000 Mitarbeiter.

Nachtflugverbot ausgesetzt

Die Landesregierung hat das Nachtflugverbot zwar außer Kraft gesetzt, doch die Folgen halten sich in Grenzen: Nach Auskunft des Hessischen Verkehrsministeriums landeten seit 16. März nach Mitternacht drei Flugzeuge mit evakuierten Urlaubern und drei mit zur Grundversorgung der Bevölkerung notwendigen Wirtschaftsgütern. Hinzu kam eine Maschine, die wegen der deutschen Einreisebestimmungen erst verspätet am Abflugort starten konnte. Zwischen 23 und 24 Uhr sei es zu fünf Verspätungslandungen, zwei Vermessungsflügen und vier medizinischen Hilfsflügen gekommen, ergänzt Ministeriumssprecherin Franziska Richter: „An den Zahlen ist abzulesen, dass Ausnahmegenehmigungen selten erforderlich geworden sind.“

Seit 2011 fordern Ursula Fechter und ihre Mitstreiter von der Bürgerinitiative Sachsenhausen, die Nordwestlandebahn stillzulegen. Fechter wird jetzt morgens von Vogelgezwitscher geweckt statt von Fluglärm. Doch Freude kommt bei ihr nicht auf: „Nicht zu dem Preis“, sagt sie.

Fechter hofft, dass nach der Corona-Krise die Zahl der Businessflüge dauerhaft sinkt und damit das Verkehrsaufkommen insgesamt. Zeige die jetzige Erfahrung doch, dass Videokonferenzen eine gute Alternative seien: „Ich könnte mir vorstellen, dass viele Firmen ihr Verhalten ändern.“

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