Nachgefragt

Trockene Felder

  • vonKathrin Becker
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Die Landwirte und Obstbauern im Land sind besorgt. Wie hoch sind die Ernteausfälle und was kann man gegen die Trockenheit tun? Die FR hat sich umgehört.

In den vergangenen Wochen hat es in Frankfurt und Umgebung kaum geregnet. Welche Folgen hat das für die Landwirtschaft? Regionale Landwirte und Obstbauern schauen mit Sorge in die Zukunft.

Fällt die Ernte dieses Jahr aus?

Nein, sagt Matthias Mehl (CDU), Kreislandwirt in Frankfurt. Denn nicht alle Sorten seien von der aktuellen Trockenheit betroffen. Die Getreideernte ist beispielsweise schon abgeschlossen. Das macht laut Mehl etwa zwei Drittel der Anbaufläche in Frankfurt und Umgebung aus. Auf den Feldern seien jetzt noch Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais und Gemüse. Dort seien allerdings Ernteeinbußen zu erwarten, die auf den Wassermangel der vergangenen Wochen zurückzuführen seien.

Wie hoch sind diese Einbußen?

Das hängt davon ab, ob es im August noch regnet. „Nächste Woche brauchen wir auf jeden Fall Regen“, sagt der Landwirt. Andernfalls drohten Ausfälle von bis zu 30 Prozent bei Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln.

Welche Sorten sind besonders bedroht?

Laut Patrick Stappert, Ortslandwirt in Sindlingen, vor allem Kartoffeln und Raps. Bei der Kartoffelernte rechnet er mit Einbußen von 25 bis 30 Prozent. Die trockene, verklumpte Erde erschwere die Ernte. „Problematisch ist, dass wir aktuell keinen Raps aussäen können“, sagt Stappert. Der ausgetrocknete Boden mache die Bodenbearbeitung unmöglich. Bereits im vorigen Jahr blieb Stappert auf dem gesamten Saatgut sitzen. „Der Rapsanbau ist sehr unrentabel geworden.“

Ist der Klimawandel schuld?

„Der Klimawandel hat uns fest im Griff“, sagt Ortslandwirt Stappert. Dies sei das dritte Jahr hintereinander, in dem er mit Ernteausfällen zu kämpfen habe. Wegen des Klimawandels falle nicht generell weniger Regen, erklärt Landwirt Mehl. Allerdings ändere sich die Verteilung des Niederschlags auf das ganze Jahr gerechnet. „Dadurch haben wir im Frühsommer und im Sommer längere Trockenphasen. Außerdem verändern sich die Anbauzeiten, weil es keinen richtigen Wintereinbruch mehr gibt.“

Was können Landwirte gegen die Trockenheit tun?

Bestimmte Pflanzen werden künstlich bewässert, vor allem das Gemüse. Ohne fiele die Gemüseernte komplett aus. Allerdings sei dies mit hohen Kosten verbunden. Alles andere sei erst mal „nicht beregnungswürdig“, wie Mehl es ausdrückt.

Und langfristig?

Die Anbautechniken müssen sich verändern, sagt Mehl. Konkret bedeute dies, dass die Felder insgesamt länger bewirtschaftet werden könnten. Die Aussaat müsse sich im Frühjahr also nach vorne und im Herbst nach hinten verschieben. „Die Trockenphasen müssen wir dann durchstehen.“ Dafür müsse man andere Sorten anbauen, die besser an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst seien. Zum Beispiel französische Weizensorten.

Ist die Weinernte genauso betroffen?

Armin Rupp vom städtischen Weingut ist optimistisch: „Im Moment sieht noch alles ganz gut aus.“ Bis zur Ernte dauere es aber noch ein paar Wochen. Allerdings kämpfen auch die Weinbauern mit der Hitze, berichtet Rupp. Denn bei starker Sonneneinstrahlung können die Tauben verbrennen. „Das nimmt schon ein paar Prozent.“

Und die Obsternte?

„Die Obstbäume haben Durst und Stress“, erzählt Andreas Schneider vom Obsthof am Steinberg. Etwa zehn Prozent seiner Äpfel leiden an Verbrennungen. Wegen des Wassermangels sind viele Sorten nur sehr klein gewachsen. Für Schneider erweist sich der Klimawandel als großes Problem. Zum Jahreswechsel musste er rund 1000 Apfelbäume roden.

Wirkt sich das auf den Preis aus?

Fällt die Apfelernte in diesem Jahr besonders schlecht aus, hat das auch Auswirkungen auf den Preis. Durch die Verknappung könnte auch der Apfelwein im nächsten Jahr teurer werden, warnt Schneider.

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