S-Bahn in Frankfurt am Main
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S-Bahn in Frankfurt am Main

Verkehr

RMV tritt auf der Stelle - Jede zehnte S-Bahn verspätet

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die S-Bahnen des RMV fahren 2019 genauso unpünktlich wie im Vorjahr. Nun fordert der Verkehrsbund von der Deutschen Bahn, das Schienennetz auszubauen.

  • Jede zehnte S-Bahn des RMV ist verspätet
  • S8 und S9 als Problemlinien
  • Pro Bahn kritisiert schlechte Infrastruktur

Für S-Bahn-Nutzer waren die beiden letzten Monate des Jahres keine guten. Im November seien nur 86 Prozent der Züge pünktlich gewesen, im Dezember 89 Prozent, teilte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf Anfrage mit. Unpünktlich heißt, sie hatten mindestens sechs Minuten Verspätung.

Der Fahrgastverband Pro Bahn ist unzufrieden. Die Technik sei in die Jahre gekommen, und wenn dann auf elektronische Stellwerke umgestiegen worden sei, sei es zu Problemen mit Weichen und Signalen gekommen. „Die S-Bahn hat ein gewaltiges Problem“, sagt Thomas Kraft.

92 Prozent der S-Bahnen fahren unpünktlich

Fahrgastlotsen an stark frequentierten Stationen, längere Züge: Die Deutsche Bahn (DB) und der RMV hatten sich bemüht, die Ergebnisse von 2018 zu verbessern. Doch in der Jahresbilanz schlägt das nicht zu Buche: Im Durchschnitt waren 92 Prozent der S-Bahnen pünktlich, dieselben Werte wie im Vorjahr. Auch die Sorgenkinder blieben dieselben: Am unzuverlässigsten sind die Linien S8 und S9.

„Im vierten Quartal wirkten sich unter anderem viele externe Störungen negativ auf die Pünktlichkeit aus“, sagt RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Im November etwa sei knapp die Hälfte auf das Konto von Notarzt- und Polizeieinsätzen gegangen sowie von Personen im Gleis.

In einer Novemberwoche seien nahezu ausschließlich zentrale Punkte im S-Bahn-Netz betroffen gewesen, wie Frankfurt Hauptbahnhof, Hauptwache, Offenbach Ost, Galluswarte und Stadion. „Zudem hatten mehrere Infrastrukturstörungen ebenfalls Einfluss auf die Pünktlichkeit.“

Frankfurter S-Bahn-Tunnel als Flaschenhals

Verspätungen im eng getakteten Frankfurter S-Bahn-Tunnel wirken sich bekanntlich auf das gesamte System aus – im Extremfall den ganzen Tag über. Deshalb war die Pünktlichkeit der S-Bahnen im Juli 2018 mit 95 Prozent besser als im vergangenen Juli, als sie 93 Prozent betrug. Im Mai und September lagen die Ergebnisse laut Statistik jeweils einen Prozentpunkt über dem des Vorjahres.

Hauptproblem bleibt nach Angaben der RMV-Sprecherin der Mischverkehr. „Anders als in anderen S-Bahn-Netzen in Deutschland teilt sich die S-Bahn in Frankfurt/Rhein-Main auf vielen Strecken dieselben Gleise mit Regional-, Güter- und sogar ICE-Zügen.“

Infrastruktur im Fokus

Auch gelte es, Störungen an der Infrastruktur zu reduzieren. „Dies ist Aufgabe der Eigentümerin des Schienennetzes, der Deutschen Bahn/DB Netz.“ Es gebe dazu Gespräche mit der Deutschen Bahn.

Der RMV gehe davon aus, dass die Fahrgastzahlen auch in den kommenden Jahren weiter steigen würden. Dies erfordere den Ausbau der Schieneninfrastruktur, um mehr Kapazitäten zu schaffen und Verspätungsursachen zu beseitigen. Auf den überlasteten Streckenabschnitten bremsten sich die Züge gegenseitig aus.

Entlastung verspricht sich der Verbund von Projekten wie dem derzeitigen vierspurigen Ausbau der Strecke Frankfurt–Friedberg. Aber auch von der geplanten Regionaltangente West oder der nordmainischen S-Bahn.

Pro Bahn fordert klare Ansagen

Auch Pro Bahn dringt auf einen Ausbau. Der Mischbetrieb sei ein großes Problem. Bis dies gelöst sei, müssten wenigstens die Fahrgastinformationen zuverlässig sein, fordert Kraft. Im Moment käme es oft vor, dass der DB-Navi und die Anzeige am Bahnsteig sich widersprächen. „Das führt zur Verunsicherung der Pendler.“ Und schrecke Gelegenheitsfahrer ab.

Zum 1. Januar steigen die Tarife, das Seniorenticket geht an den Start. Und die Mitnahme für E-Roller ist geregelt.

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