+
Die Innenstadtentwicklung wird den künftigen Bürgermeister beschäftigen.

Politik

Rödermark wählt einen neuen Bürgermeister

  • schließen

In Rödermark wird am Sonntag ein neuer Bürgermeister gewählt. Die Koalitionspartner schicken ihre Bewerber ins Rennen, ein Parteiloser ist mit von der Partie.

Die Fußstapfen sind groß: In Rödermark wird ein Nachfolger für die Galionsfigur Roland Kern (Alternative Liste / Die Grünen) gesucht, der dort seit 2005 die Zügel in der Hand hält. Der 71-Jährige war der erste grüne Bürgermeister im Kreis Offenbach und gleichzeitig eines der ersten hessischen Stadtoberhäupter mit einem grünen Parteibuch. Drei Bewerber wollen nun seine Nachfolge antreten: Seine Parteikollegin Andrea Schülner, der CDU-Kandidat Jörg Rotter und der Parteilose Karsten Falk stellen sich am kommenden Sonntag, 24. März, dem Wählervotum.

Bei seiner Nominierung im Herbst 2016 hatte Roland Kern erklärt, im Falle seiner Wiederwahl nicht für sechs Jahre, sondern nur für zwei Jahre und einen Monat in die Verlängerung zu gehen und am 30. Juni 2019 vorzeitig abzutreten. Mit der verkürzten Amtszeit sollten die Amtszeiten von Bürgermeister und Erstem Stadtrat, die derzeit in Rödermark um zwei Jahre auseinanderfallen, wieder in Übereinstimmung gebracht werden.

Ob es diesmal auch wieder so ein Wahlkrimi wird wie im Februar 2017? Am Abend der Stichwahl lagen Kern und sein damaliger CDU-Herausforderer Carsten Helfmann, Bürgermeister der Nachbargemeinde Eppertshausen, lange gleichauf. Am Ende gaben 272 Stimmen den Ausschlag.

Wieder sind es ausgerechnet die Koalitionspartner CDU und AL/Grüne, die die zwei aussichtsreichsten Kandidaten ins Rennen schicken. CDU-Kandidat Rotter hat zwar einen Amtsbonus, weil er seit sechs Jahren als Erster Stadtrat die Geschicke von Rödermark mitbestimmt und bekannter ist als seine Mitbewerber. Aber gewonnen hat er die Wahl deshalb noch lange nicht. AL/Grüne haben nämlich für Kerns Nachfolge einen Coup gelandet: Sie schicken eine Frau ins Rennen. Das gab es bisher in Rödermark noch nicht. Dass die Politik in der Stadt bis dato hauptsächlich männerdominiert ist, könnte ihnen in die Karten spielen. Darüber hinaus seien die Grünen hier stärker verwurzelt als andernorts, erklärt Eckhard von der Lühe, Vorstandsmitglied der Partei. „Hessenweit hatten wir bei den Kommunalwahlen immer das zweitbeste Ergebnis.“

Der Parteilose Karsten Falk weiß die FDP und die Freien Wähler (FW) hinter sich. Die FW gab am 12. März eine Wahlempfehlung für ihn ab; die FDP, die keinen eigenen Kandidaten mehr ins Rennen schickt, erklärte schon Ende August vorigen Jahres, dass sie den 47-Jährigen unterstützt. 2017 war noch Tobias Kruger für die Partei angetreten.

Die SPD hat diesmal keinen eigenen Kandidaten nominiert, sie gibt auch keine Wahlempfehlung ab. 2017 ging Samuel Diekmann für die Partei ins Rennen und holte 15,2 Prozent aller Stimmen. Diesmal verzichtete er aber aus privaten Gründen. Andere geeignete Personen hätten ebenfalls abgewinkt, sagt Ortsvereinsvorsitzender Hidir Karademir.

Von einer Materialschlacht wie bei der letzten Bürgermeisterwahl haben die Parteien abgesehen. Vor allem die CDU, die mit Helfmann ihre Chance zum Führungswechsel witterte, hatte damals viel Geld investiert. Wie viel, wollte CDU-Vorsitzender Ralph Hartung nicht verraten. Offener zeigte man sich da bei AL/Grünen. Der letzte Wahlkampf habe deutlich über 30 000 Euro gekostet, sagte von der Lühe. Diesmal wollte man mit einem Budget von 15 000 Euro hinkommen.

Vereine und Institutionen haben es den Bewerbern in den Vorwochen leicht gemacht, sich und ihre Ideen zu präsentieren. Seniorenhilfe, Kunstverein, Unternehmerforum, Ausländerbeirat und Kolpingfamilie luden zu Podiumsdiskussionen.

Stadtentwicklung und Gewerbeansiedlung sind Themen für die kommenden Jahre, da Rödermark kaum Flächenreserven hat und es auf absehbare Zeit keine neuen großen Baugebiete geben wird. Deshalb muss die Losung „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ heißen. Schon 2016 haben alle Fraktionen einen Masterplan – den sogenannten Rödermarkplan – als Entwicklungsleitlinie auf den Weg gebracht, den es gilt, mit Leben zu füllen.

Auch Verkehrsprobleme wird das kommende Stadtoberhaupt lösen müssen. Aktuell quälen sich täglich 12 000 Autos durch Urberach, und die Bahnschranken in Ober-Roden sorgen schon heute für lange Staus. Die Pläne für eine Umfahrung von Urberach verstauben schon Jahrzehnte in Schubladen. Schülners Vision: Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Die S-Bahn sollte ihrer Meinung nach bis nach Dieburg führen und die Regionaltangente West (RTW) über Dreieich-Buchschlag hinaus bis nach Ober-Roden. Ein weiteres ihrer Ziele: Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sollen Investoren ungefähr ein Drittel an gefördertem Wohnraum realisieren, wenn sie städtische Grundstücke kaufen.

CDU-Kandidat Rotter hat die Idee eines Kompetenzzentrums an der Kapellenstraße im Stadtteil Ober-Roden ins Spiel gebracht, um die Feuerwehr, das Ordnungsamt und den Schutzmann vor Ort, den das Land bezahlen wird, unter einem Dach zu bündeln. Für Urberach schwebt ihm ein Förderprogramm vor, mit dem der Ortskern belebt und gestaltet werden kann.

Dem Parteilosen Falk liegt die Jugend besonders am Herzen. Er will ein Jugendparlament installieren, in der Kulturhalle mehr „junge“ Veranstaltungen stattfinden lassen, und Treffpunkte für Jugendliche verwirklichen – an Orten, an denen sie nicht stören.

Die Kandidaten: Jörg Rotter, Andrea Schülner und Karsten Falk (von links).

Die Kandidaten

Jörg Rotter  (44, CDU) ist seit 2013 als Erster Stadtrat im Amt. Schon 1997 wurde er zum ersten Mal ins Stadtparlament gewählt, ist somit seit 22 Jahren ehren- und hauptamtlich politisch aktiv. Der Vater von zwei Kindern nimmt zum zweiten Mal Anlauf auf den Chefsessel. Für die Wahl im Jahr 2017 stand er schon als Bürgermeisterkandidat fest, doch dann zwang ihn eine schwere Krankheit, seine Kandidatur zurückzuziehen. Auf seiner Internetseite haben sich zahlreiche Bürger namentlich zu seiner Person bekannt. www.joerg-rotter.de

Andrea Schülner  (56, AL/Grüne) hat als Diplom-Verwaltungswirtin in der Sozialverwaltung der Stadt Frankfurt Karriere gemacht und leitet dort aktuell das Rathaus der Senioren mit 140 Mitarbeitern. Sie ist seit etwas mehr als drei Jahren kommunalpolitisch aktiv und wurde im Mai 2017 zur neuen Vorsitzenden von AL/Grünen gewählt. Sie ist politisch „vorgeprägt“: Von 1913 bis 1919 war ihr Urgroßvater Bürgermeister der Gemeinde Ober-Roden. Die Mutter eines erwachsenen Sohnes lebt in Urberach, ist aber in Ober-Roden aufgewachsen. www.andrea-schuelner.de

Karsten Falk  (47, Parteilos) hat Chemie studiert und ist promovierter Diplom-Ingenieur, arbeitet aber seit 13 Jahren hauptberuflich bei den Johannitern. Er wohnte 33 Jahre lang im Stadtteil Ober-Roden, bevor er sich 2009 mit seiner Frau ein Haus in Rodgau kaufte. Er sei Rödermark aber noch verbunden, sagt er – allein schon, weil die Eltern und der Bruder hier wohnen. Der zweifache Familienvater will das Wohl der Stadt ohne Rücksicht auf parteipolitische Zwänge im Blick behalten. Er verspricht „einen neuen, unvoreingenommenen Blick“. www.karsten-falk.de

Am Sonntag, 24. März, sind in Rödermark (Kreis Offenbach) rund 20 000 Bürger zu den Wahlurnen gerufen. Die Wahllokale in den 12 Wahlbezirken sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Ergebnisseder Bürgermeisterwahl werden ab 18 Uhr per Beamer im Rathaus Urberach, Raum Tramin, und auf der Homepage präsentiert.

Briefwahlunterlagenkönnen bis Freitag, 22. März, um 13 Uhr im Bürgerbüro im Rathaus Urberach beantragt werden. Im Fall plötzlicher Erkrankung kann bis zum Wahltag, 15 Uhr, ein Wahlschein erteilt werden.

Termin für eine mögliche Stichwahlist Sonntag, 7. April. Dann treten nur noch die beiden Kandidaten gegeneinander an, die am 24. März die meisten Stimmen erhalten haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare