+
Laut Umweltministerium müssen sich Bewohner der Region keine Sorgen ums Trinkwasser machen.

Rhein-Main-Gebiet

Dikegulac im Trinkwasser: Wohl kein Gesundheitsrisko

  • schließen

Ministerin Priska Hinz hat Proben aus dem Hessischen Ried untersuchen lassen. Jahrelang gelangte dort ein Abfallprodukt der Firma Merck ins Grundwasser.

Das Land Hessen hat das Grundwasser im Ried auf Rückstände des Pflanzenschutzmittels Dikegulac untersucht. Ergebnis: Eine Gesundheitsgefahr kann ausgeschlossen werden. Wie Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) mitteilte, wurde der sogenannte Trinkwasserleitwert in keiner der 48 Proben überschritten. Er gibt die Höchstkonzentration im Trinkwasser an, die ohne Gesundheitsschädigung aufgenommen werden kann. „Sowohl im Landgraben als auch an allen beprobten Grundwassermessstellen ist die Dikegulac-Konzentration rückläufig“, sagte die Ministerin. „Im Sediment des Landgrabens konnte Dikegulac überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden.“ Das hessische Ried ist ein wichtiger Trinkwasserlieferant für das Rhein-Main-Gebiet. Es stillt rund die Hälfte des Durstes der Region. Die Belastung mit Dikegulac ist seit Jahren bekannt.

Dikegulac ist ein Abfallprodukt der Vitamin C-Produktion der Firma Merck. Mindestens seit den 1960er Jahren gelangte es über das Abwasser des Darmstädter Unternehmens in den Landgraben. Die Produktion wurde 1999 eingestellt. Jahrzehntelang sei der Stoff nicht als umweltgefährdend eingeordnet worden, hatte ein Firmensprecher der Frankfurter Rundschau Ende vergangenen Jahres gesagt. Die Produktion von Ascorbinsäure habe stets den gesetzlichen und behördlichen Bestimmungen entsprochen.

Biobauer durfte wegen Dikegulac keinen Spinat mehr verkaufen

Dikegulac

Der Wirkstoff  sorgt für eine Wachstumshemmung bei vielen Pflanzen, darunter Gräsern, Topfazaleen, Fuchsien und Verbenen, um eine buschige Entwicklung zu erreichen.

In der EU  ist die Verwendung seit 2002 unzulässig. In Deutschland durfte er dagegen noch bis Mitte 2007 bei Zierpflanzen unter Glas verwendet werden.

In den USA  ist Dikegulac zugelassen. jur

Zuvor hatte der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen bekannt gemacht, dass ein Biobauer aus dem Groß-Gerauer Stadtteil Wallerstädten seinen Spinat nicht verkaufen durfte. Das Gemüse war mit Dikegulac belastet, in dem trockenen Sommer hatte er es mit Grundwasser bewässert. Bisher sei der BUND davon ausgegangen, dass die Belastungen keine unmittelbaren Folgen habe, so die Naturschützer. Möglicherweise müsse nun eine Neubewertung erfolgen.

Wie die Ministerin jetzt mitteilt, ergab eine Gefährdungsbeurteilung, dass von der Belastung dieses Spinats keine akute Gesundheitsgefährdung ausgeht. Dennoch habe man weitere Erkenntnisse über die Dikegulac-Konzentrationen gewinnen wollen. Von den untersuchten Beregnungsbrunnen überschritt jedoch nur eine Probe den Zielwert für Trinkwasser von 50 Mikrogramm pro Liter. Laut Trinkwasserverordnung ein tolerierbarer Wert. Darüber habe das Ministerium die im Untersuchungsgebiet aktiven Beregnungsverbände informiert.

„Damit werden wir uns aber nicht zufrieden geben“, sagte die Ministerin. Die Entwicklung der Dikegulac-Konzentrationen im Grundwasser werden nun genau anschaut, um die weitere Entwicklung der Konzentration abschätzen zu können. „Mit diesem Wissen können wir die Beregnungsbetriebe frühzeitig auf mögliche, erhöhte Werte im Einzugsgebiet ihrer Brunnen hinweisen.“ Des Weiteren kündigte die Grünen-Politikerin eine Studie zur Frage der Notwendigkeit und Machbarkeit einer Landgrabensanierung an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare