+
Ein Mitarbeiter der Feuerwehr Kelkheim befestigt einen Schlauch auf einem Hydranten.

Kelkheim/Kronberg

Trinkwasser knapp: Feuerwehr hilft mit Notleitung

  • schließen
  • Andrea Rost
    Andrea Rost
    schließen

Kelkheim hat bereits am Wochenende Alarm geschlagen, nun wird das Trinkwasser auch in Kronberg knapp. Und wie seiht es in Frankfurt aus?

Stundenlang fuhren Lautsprecherwagen am Sonntagnachmittag durch die Straßen von Ruppertshain und Eppenhain. Die Feuerwehr forderte die Bürger auf, den Wasserverbrauch auf das Nötigste zu reduzieren, weder Swimmingpools zu füllen noch Autos zu waschen oder Rasenflächen zu sprengen. Die Ankündigung, dass andernfalls die Trinkwasserversorgung in den beiden Stadtteilen akut gefährdet sei, zeigte unmittelbar Wirkung. Um zwei Drittel sei der Wasserverbrauch in Ruppertshain und Eppenhain innerhalb kürzester Zeit gesunken, berichtete am Montag Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. „Die Leute haben sich sehr einsichtig gezeigt. Am Ende hat wohl auch der Faktor Angst eine Rolle gespielt“, vermutet er.

Sorgen, dass sie nicht genug Trinkwasser haben, müssen sich die Ruppertshainer und Eppenhainer aktuell nicht mehr machen. „Wir haben die Situation im Griff“, berichtete Kündiger gestern. Hätte die Feuerwehr allerdings am Sonntagnachmittag keine Schlauchleitung von der Schönwiesenhalle zum Hochbehälter Rossert gelegt und bis gegen Mitternacht 110 Kubikmeter Wasser in den Speicher gepumpt, hätte der Trinkwassernotfall für die rund 3500 Einwohner durchaus eintreten können. Denn die beiden höher gelegenen Kelkheimer Stadtteile bekommen ihr Trinkwasser über zwei Brunnen, die am vergangenen Samstag einen „dramatischen Tiefstand“ erreichten, wie der technische Betriebsleiter der Kelkheimer Stadtwerke, Stefan Sowade, berichtete. „An diesem Tag sind teilweise mehr als 25 Kubikmeter Wasser in der Stunde entnommen worden, der normale Verbrauch liegt bei rund 19 Kubikmetern.“

Kurzfristig habe man sich am Wochenende deshalb entschlossen, den Wassernotstand in Ruppertshain und Eppenhain auszurufen, sagte Albrecht Kündiger. 85 Feuerwehrleute legten eine 1,5 Kilometer lange Schlauchleitung, um Trinkwasser von einem Hydranten an der Sporthalle bis zum Wasserspeicher oberhalb des Zauberberges zu pumpen. Ein Höhenunterschied von 100 Metern musste dabei überwunden, die Landesstraße in Richtung Königstein durch eine Spezialvorrichtung überbrückt werden. Das Wasser komme von der Anschlussstelle in Fischbach, das ebenso wie die übrigen Kelkheimer Stadtteile teilweise über das Zentralnetz von Hessenwasser versorgt werde, erläuterte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Benjamin Liebenthal. Es wurde durch Schläuche gepumpt, die speziell für einen solchen Fall bereitliegen. Vor der Inbetriebnahme hatte die Wehr sie mit Wasserstoffperoxid desinfiziert.

Probleme auch in Kronberg

Auch wenn jetzt im Wasserbehälter Rossert eine Reserve vorhanden ist: Die Verordnung des Bürgermeisters, wonach Trinkwasser in Ruppertshain und Eppenhain nur für den persönlichen Bedarf entnommen werden darf, bleibt angesichts der aktuellen Wetterlage weiterhin in Kraft. Theoretisch könnte Kündiger Bußgelder verhängen, wenn sich die Bürger nicht daran halten. Tun will er es nicht. „Ich setze auf das Verständnis der Bevölkerung und darauf, dass jene, die am Sonntag nicht zu Hause waren, von ihren Nachbarn erfahren haben, wie die Lage ist“, sagt er.

Dass die beiden Kelkheimer „Bergdörfer“ mit Wasser aus Fischbach versorgt werden müssen, komme zum ersten Mal vor, sagte Kündiger. Üblicherweise sei in den Brunnen im Taunus ausreichend Trinkwasser vorhanden. Für die Zukunft will er dennoch vorsorgen. Man könne überlegen, die provisorisch verlegten Schlauchleitungen zum Wasserbehälter Rossert durch fest installierte zu ersetzen, sagte Kündiger. „Damit wir bei einem Engpass schnell handeln können.“

Im zehn Kilometer entfernten Kronberg (Hochtaunuskreis) sieht die Lage ähnlich aus. „Wir müssen den Leuten das Wasser nicht abdrehen, aber wir geraten schon in Handlungsnot“, sagte Thomas Schäfer von den Stadtwerken Kronberg am Montag. Alle Einwohner von Kronberg sind nach Angaben der Stadt dazu verpflichtet, auf Gartenbewässerung und Autoputzen zu verzichten. Am Sonntag habe die Feuerwehr mit Lautsprechern zum Wassersparen aufgerufen, sagte Schäfer.

50 Prozent des Trinkwassers in Kronberg stamme aus Eigengewinnung, sagte Schäfer. Dieses Wasser kommt aus Stollen und Schürfungen und sei extrem vom Regenwasser abhängig. Wegen der anhaltenden Dürre sei dieser Speicher fast leer. Die andere Hälfte stammt aus Zukäufen von der größten Wasserbeschaffungsgesellschaft Hessenwasser. Das Verbot für die 18 500 Einwohner gelte sicherlich noch zwei Monate, sagte Schäfer.

Wie sieht es in Frankfurt aus? Müssen Bürger sich sorgen angesichts der anhaltenden Trockenheit? Nein, antwortet Wasserversorger Mainova, die Versorgung sei „über den regionalen Leitungsverbund unseres Vorlieferanten Hessenwasser gewährleistet“. Aus der aktuellen Trockenheit könnten sich „keine Notfallszenarien“ ergeben, betont Sprecherin Urike Schulz. Niederschlag hätte auch „keinen wirklichen Einfluss auf die aktuelle Versorgung mit Trinkwasser“, die Grundwasserspeicher seien im Winter und Frühjahr ausreichend gefüllt worden.

Und falls es so weiter geht, Hitze und kein Regen? Müssen Frankfurter hart Wasser sparen? „Wir empfehlen grundsätzlich einen bewussten Umgang mit Trinkwasser“, erklärt die Mainova. Es gebe zurzeit jedoch „trotz der hohen Temperaturen keine Einschränkungen in der Nutzung“. Für die Zukunft baue die Hessenwasser GmbH zurzeit eine zweite Riedleitung, die die Trinkwasserversorgung der Rhein-Main-Region absichern solle. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare