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Die Beschuldigten sollen die „Sturmbrigade“ im vergangenen Jahr als bewaffneten Arm der rechtsextremen „Wolfsbrigade“ geschaffen haben – mit dem Ziel, auch gewaltsam für das „Wiedererstarken eines freien Vaterlandes“ nach dem „germanischen Sittengesetz“ zu kämpfen.

Rechtsextremismus

Traum vom gewaltsamen Umsturz

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Neonazi aus Nordhessen soll rechtsextreme „Sturmbrigade“ mitgegründet haben.

Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen die rechtsextreme „Sturmbrigade“ richten sich auch gegen einen langjährigen Aktivisten der nordhessischen Neonazi-Szene. Am Dienstag waren wegen des Verdachts der Gründung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung Wohnungen in vier Bundesländern durchsucht worden.

Nach einem Medienbericht suchte die Polizei dabei in Nordhessen nach Thorsten K., den sie schließlich in einem Haus in Meineringhausen, einem Ortsteil von Korbach, angetroffen habe. Die Bundesanwaltschaft teilte lediglich mit, dass gegen insgesamt sechs Beschuldigte ermittelt werde und machte keine Angaben zu ihren Wohnorten und Hintergründen.

Thorsten K. ist für die Ermittlungsbehörden ein alter Bekannter. Der 39-Jährige gehörte der für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigten Neonazi-Kameradschaft „Sturm 18“ in Kassel an. Bis deren Anführer Bernd Tödter 2015 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, war „Sturm 18“ immer wieder durch teilweise brutale Straftaten aufgefallen, begangen zumeist unter erheblichem Alkoholeinfluss. Seither ist es um die Gruppierung ruhig geworden. Kürzlich wurde Tödter aus dem Gefängnis entlassen. Ob das zu einer Wiederbelebung von „Sturm 18“ führen wird, ist bislang nicht bekannt.

Gewaltbereite Nazis   

Die „Wolfsbrigade 44“ und die „Sturmbrigade 44“ haben ihren Kern offenbar in Sachsen-Anhalt. Das dortige Landeskriminalamt leitet die Ermittlungen gegen die Gruppe. Durchsuchungen gab es auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Im März 2019 hatte die Landesregierung von Sachsen-Anhalt erstmals über die Gruppe informiert. Die Neonazis seien etwa bei einer Demonstration in Köthen 2018 aufgetreten.

Anschlag auf Moschee

Im Jahr 2010 versuchte Thorsten K. als Mitglied der Neonazi-Kameradschaft, eine Moschee in Korbach anzuzünden, indem er eine brennende Spiritusflasche vor die Tür stellte. Wegen der dilettantischen Ausführung des Anschlags, den er zuvor in einem internen Onlineforum von „Sturm 18“ angekündigt hatte, kam er jedoch mit einer Bewährungsstrafe davon. Es folgten mehrere weitere Strafverfahren, unter anderem wegen Zeigens des Hitlergrußes, aber auch wegen gefährlicher Körperverletzung. Doch ins Gefängnis musste der Neonazi bis jetzt noch nie.

Das könnte sich ändern, wenn sich der Verdacht der Bundesanwaltschaft bestätigen sollte. Die Beschuldigten sollen die „Sturmbrigade“ im vergangenen Jahr als bewaffneten Arm der rechtsextremen „Wolfsbrigade“ geschaffen haben – mit dem Ziel, auch gewaltsam für das „Wiedererstarken eines freien Vaterlandes“ nach dem „germanischen Sittengesetz“ zu kämpfen, wie die Behörde mitteilte. Thorsten K. postete allerdings sogar noch früher, genauer: am 13. Mai 2017 das an NS-Symbole erinnernde Logo der „Sturmbrigade 44“ auf seiner an neonazistischen Bekenntnissen auch sonst nicht gerade armen Facebook-Seite.

Wenig später machte er das martialische Schwarz-Weiß-Bild eines Hundes mit Pistole in der Schnauze zu seinem Titelbild. Dass er sich den Kampf für ein Deutschland nach seinen Wünschen nicht friedlich vorstellt, offenbarte Thorsten K. ganz unverhohlen. So veröffentlichte er ein Foto, das einen Skinhead mit Baseballschläger zeigt und die Aufschrift trägt: „Es wird Zeit, dass ihr Ratten uns Deutsche wieder fürchtet!“

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