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Die Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof in Offenbach mit den Bleiglasfenstern des Künstlers Bernd Rosenheim.
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Die Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof in Offenbach mit den Bleiglasfenstern des Künstlers Bernd Rosenheim.

Offenbach

Trauerhalle ist nicht mehr zu retten

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Offenbach: Neubau und Sanierung des Krematoriums sollen sechs Millionen Euro kosten. Keine Einigung mit dem Künstler Bernd Rosenheim: Seine Glasfenster werden nicht in die neue Halle integriert.

Über Sanierung oder Neubau der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof ist lange diskutiert worden. Jetzt scheint der Abriss des 1968 errichteten Baus unausweichlich. Nach Angaben von Stadtrat Peter Freier (CDU), der für den städtischen Eigenbetrieb ESO und damit für die Friedhöfe zuständig ist, besteht dringender Handlungsbedarf.

Der Magistrat habe seiner Vorlage, die Halle abzureißen und neu zu bauen sowie das Krematorium mit den Sozialräumen grundlegend zu sanieren, „mit breiter Mehrheit“ zugestimmt. Die Kosten gab Freier mit sechs Millionen Euro an. Am 3. Dezember wird das Thema die Stadtverordneten beschäftigen.

Dass die Halle marode ist und nicht den Anforderungen einer geänderten Trauerkultur entspricht, ist unstrittig. Im Gegensatz zur Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern hatte die SPD verlangt, auch eine Sanierung zu prüfen, weil ein Neubau zu deutlich höheren Gebühren für die Nutzung der Halle führen werde. Mit Blick auf die drastische Grundsteuererhöhung sei dies den Offenbacher:innen nicht mehr zumutbar.

Der Neubau

Baubeginn der neuen Trauerhalle soll, sofern die Stadtverordneten am 3. Dezember zustimmen, Anfang 2022 und die Fertigstellung nach gut einem Jahr sein. Ein Zelt mit transparenten Wänden und Teppichboden soll als Zwischenlösung dienen.

Die Kostenkalkulation für Neubau und Sanierung des Krematoriums liegt bei 6 Millionen Euro, eine Komplettsanierung bei 6,8 Millionen. Frühere Schätzungen waren von 3,3 Millionen Euro für einen Neubau (ohne Sanierung des Krematoriums) ausgegangen. Die Steigerung begründet die Stadt mit der „vertiefenden Kostenbetrachtung“ und erst später bekannt gewordenen Problemen etwa dem maroden Abwasserkanal.

Ein weiterer Knackpunkt war die Frage, was mit den Glasfenstern in den Flügeltüren und unter dem Dach bei einem Abriss der Trauerhalle geschehen sollte. Sie stammen von dem in Offenbach geborenen Künstler Bernd Rosenheim. Dieser hatte mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte das Gebäude abgerissen werden. Das von ihm gestaltete Entree mit seiner Glaskunst sei eines seiner Hauptwerke.

Freier erklärte gestern auf Nachfrage, es habe Gespräche und einen „spannenden“ Briefwechsel mit Rosenheim gegeben. Eine Einigung sei nicht erzielt worden. Ein Angebot, Teile seiner Kunstwerke in einen Neubau zu integrieren, habe dieser nur dann in Erwägung ziehen wollen, wenn er die künstlerische Projektleitung bekomme. „Diese Bedingung konnten wir nicht erfüllen“, sagte Freier. Die Stadt will die von Rosenheim gestalteten Fenster und die Türen dem Künstler zurückgeben. Freier betonte, dieser habe an dem Gebäude kein Urheberrecht.

Wie die neue Halle aussehen soll, zeigt ein 20-minütiger Film, der zur Information der Bürger:innen gedreht wurde. Unter www.offenbach.de/trauerhalle kann er heruntergeladen werden. Darin erklären Freier, der stellvertretende ESO-Leiter Christian Loose und die Leiterin der städtischen Friedhöfe, Gabriele Schreiber, welche Vorteile und Chancen die neue Trauerhalle bringt. Zu sehen sind auch gravierende Mängel wie Schimmel, Wasserschäden, defekte Abwasserkanäle und marode Sozialräume.

Die Pläne sehen eine Halle mit 160 Sitzplätzen vor. Sie ist kleiner als die bestehende, weil diese für die meisten Veranstaltungen überdimensioniert sei, so Loose. Sie soll für große und kleine Feierlichkeiten geeignet sein und unterschiedlichen Religionen sowie Konfessionslosen einen würdigen Rahmen bieten.

Freier betonte, niemand habe sich die Entscheidung leicht gemacht. Das belege auch die lange Prüf- und Verfahrensdauer von fast zwei Jahren. Auf SPD-Kritik, es gebe nicht die versprochene Bürgerbeteiligung, meinte er, eine Versammlung sei wegen Corona nicht zu verantworten. Man könne seine Meinung aber dem ESO mitteilen. Einfluss auf die Pläne habe das nicht, aber alle bekämen eine Antwort, sagte er.

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