+
Susannas Leiche wurde erst gut zwei Wochen nach ihrem Tod gefunden. Das erschwerte die Auswertung von Spuren.

Hintergrund

Fall Susanna F. in Wiesbaden: In die Trauer mischte sich Hetze

  • schließen

Der Tod der 14-Jährigen löste eine große Debatte über Flüchtlinge und die Sicherheit in Deutschland aus.

Als die 14-jährige Susanna am 6. Juni des vergangenen Jahres tot in einem Erdloch bei Wiesbaden-Erbenheim gefunden wurde, war das Entsetzen groß. Das Mädchen aus Mainz war laut Polizeiangaben vergewaltigt und ermordet worden.

Dass Susanna so früh und auf so grausame Weise sterben musste, löste Betroffenheit aus. Auf der Facebook-Seite der Mutter formulierten zahlreiche Menschen ihr Mitgefühl. Doch unter die Trauer mischte sich bald auch Hetze. Susanna war der Polizei zufolge von einem Flüchtling, dem 22-jährigen Ali B. aus dem Irak, umgebracht worden.

Bald zogen Menschen an der Unterkunft in Erbenheim vorbei, in welcher der mutmaßliche Täter mit seiner Familie gewohnt hatte. Sie forderten, alle 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge auszuweisen. In der Folge gründete sich die rechtspopulistische Gruppe „Hand in Hand“, der Erbenheimer Bürger angehören. Sie vernetzte sich mit anderen rechtspopulistischen Gruppen und organisierte Kundgebungen. „Diese rechten Gruppen verfangen nicht so wie in Kandel“, sagt der Wiesbadener Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) mit Verweis auf die Gruppe „Kandel ist überall“, die sich nach der Ermordung der 15-jährigen Mia gegründet hatte. Die Stadtgesellschaft könne unterscheiden zwischen einem Mord und dem, was „rechte Rattenfänger daraus machen“.

Einige Organisationen mahnten, der Trauer keinen Raum für Hetze zu überlassen. Das Wiesbadener Bündnis für Demokratie rief im Juli Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft zu einer Geste der Menschlichkeit auf: Hand in Hand stellten sie sich auf dem Dern’schen Gelände auf, um zu zeigen, dass Hand in Hand Mitmenschlichkeit bedeutet und nicht Anfeindung. Die Martin-Niemöller-Stiftung zeigte einen Redner auf einer rechtspopulistischen Kundgebung wegen Volksverhetzung an.

Empörung über Ausreise

Der Fall Susanna löste eine bundesweite Debatte über Flüchtlinge und die Sicherheit in Deutschland aus. Für Empörung sorgte, dass es dem Iraker gelingen konnte, wenige Tage nach dem gewaltsamen Tod der Schülerin mit seinen Eltern und Geschwistern aus der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden mit sogenannten Laissez-passer-Papieren in den kurdisch kontrollierten Nordirak auszureisen. Die kurdischen Sicherheitsbehörden nahmen ihn dort jedoch fest und übergaben ihn der Bundespolizei, die Ali B. unverzüglich zurück nach Hessen brachte. Seit 10. Juni sitzt er in Frankfurt in Untersuchungshaft.

Bundespolizeichef Dieter Romann, der sich persönlich an der Rückholaktion beteiligt hatte, geriet in die Kritik und musste sich einem Ermittlungsverfahren wegen Freiheitsentzug stellen, das jedoch im Januar ergebnislos beendet wurde. Auch die irakische Zentralregierung betrachtete die Aktion als Rechtsverstoß.

Inzwischen hat Ali. B in den Vernehmungen gestanden, Susanna umgebracht zu haben. Die Vergewaltigung des Mädchens bestreitet der 22-jährige jedoch. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt drei Anklagen vor dem Wiesbadener Landgericht gegen Ali B. erhoben: Der Iraker soll noch ein 11-jähriges Mädchen vergewaltigt und einen Mann im Wiesbadener Kurpark mit Waffengewalt überfallen haben. Diese Vorwürfe werden in separaten Verfahren behandelt. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare