1. Startseite
  2. Rhein-Main

Trainingsplätze sind Sanierungsfall

Erstellt:

Kommentare

Als es noch nicht so heiß wurde, ließ es sich auf Kunstrasen wie hier in Usingen gut trainieren. fms
Als es noch nicht so heiß wurde, ließ es sich auf Kunstrasen wie hier in Usingen gut trainieren. fms © fms

Kunstrasen hat im Hitzesommer gelitten / Hersteller sind oft ausgebucht

HOCHTAUNUS - Kunstrasenplätze machen Training im Winter möglich. Doch im Sommer 2022 ließ die große Hitze das Gummi-Granulat vieler Kunstrasenplätze verklumpen. Nun traten die Granulat-Brocken an die Oberfläche des Rasens und blieben an den Schuhen hängen. „Die waren teilweise so groß wie Golfbälle“, erzählt Gerd Böhmig vom Königsteiner Bauamt. Der Platz am Holzweg nahe dem Kreisel ist auch betroffen.

Jetzt wollen viele Kommunen ihre Plätze frühlingsfit machen, doch die Fachfirmen sind ausgebucht. „Wir suchen händeringend nach jemandem, der unsere Plätze professionell reinigt“, so Böhmig. Im Sommer liefen immer wieder Ehrenamtliche mit Eimern drüber, um die gröbsten Brocken einzusammeln. Kürzlich konnte die Stadt zumindest ein Reinigungsgerät befreundeter Vereine aus Schmitten ausleihen.

Auch in Oberursel hat man mit maroden Kunstrasenplätzen zu kämpfen. Zwei Plätze in Stierstadt und im Eschbachweg sind betroffen. Der stadteigene BSO stehe in engem Kontakt mit dem Hersteller der Kunstrasenplätze. „Es wurden bereits Proben des verwendeten Granulats genommen; diese werden aktuell in einem Labor analysiert“, berichtet Rathaussprecherin Nina Kuhn. In Stierstadt werde geprüft, ob ein Austausch des Granulates auf Kulanz möglich sei. Für die ältere Anlage im Eschbachweg sei dies keine Option mehr.

Hohe Kosten für gebeutelte Kommunen

Die Herstellerfirma des Granulats hat offenbar bereits eine „Task-Force“ ins Leben gerufen - das erfuhr die Stadt Oberursel, als sie jetzt nachfragte, wann die Plätze repariert werden könnten. „Aufgrund der vielen Reklamationen dort werden wir wohl frühestens in 14 Tagen eine Rückmeldung bekommen, wie weiter verfahren werden kann“, sagte Kuhn Anfang der Woche.

Bad Homburg hat da mehr Glück. Auch auf dem Bolzplatz an der Sandelmühle war das Problem im Sommer 2022 entdeckt worden. „Da das eigentliche Kunstrasengewebe mit den Kunststoffhalmen noch recht neu war, konnte hier noch rechtzeitig die Notbremse gezogen werden“, berichtet Sportdezernent Dr. Oliver Jedynak (CDU). So sei das Granulat aus dem etwas über 2000 Quadratmeter großen Platz kürzlich herausgebürstet und entsorgt worden. Dann wurde der Rasen gereinigt. Mittlerweile wurde frisches Material zum Verfüllen eingebaut. „Um nicht im nächsten Hitzesommer die gleichen Probleme zu bekommen, fiel die Wahl des Füllmaterials auf Quarzsand“, so Jedynak - rund 20 Tonnen. Sand ist umweltfreundlicher, auch weil sich kein Mikroplastik löst, der Boden dämpft Stöße aber weniger ab.

Auch im Königsteiner Bauamt hat man Bedenken, den Platz einfach neu verfüllen zu lassen. „Das kann im nächsten Sommer ja gerade wieder passieren“, meint Böhmig mit Blick auf die Temperaturen. Dieses Jahr wird der alte Belag ohnehin noch bleiben. Denn die Sanierung des Sportplatzes - Böhmig rechnet mit Kosten von 400 000 Euro für die 6200 Quadratmeter große Anlage einschließlich Entsorgung - wurde vom Königsteiner Stadtparlament für den diesjährigen Haushalt nicht genehmigt. Böhmig hat den Betrag fürs kommende Jahr angemeldet. Aber der alte Belag habe nach wie vor Federkraft. In Oberursel weiß man noch nicht, welche Kosten auf die Stadt zukommen. Für die Anlage in Stierstadt lägen die Laborergebnisse noch nicht vor, berichtet Kuhn. Und „auf der Anlage im Eschbachweg lässt sich aktuell noch nicht einschätzen, wie viel Pflegedurchgänge notwendig sind, um die Verklebungen aufzubrechen und abzusammeln“. Witterungsbedingt hätten die Arbeiten noch nicht begonnen.

Bad Homburg kostet das Herausbürsten des Granulats im Mühlweg rund 28 000 Euro. Richtig teuer wird aber die anstehende Sanierung der Kunstrasenplätze in Ober-Erlenbach. Dort verklumpte im Sommer ebenfalls Granulat. Allerdings haben die Plätze laut Stadt ohnehin das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht. Hier rechnet die Stadt mit Kosten von 500 000 Euro. Der Posten werde in den aktuellen Doppelhaushalt eingestellt - ob er wegen des Sparzwangs bewilligt wird, ist ungewiss.

Auch interessant

Kommentare