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Nach dem tödlichen Unfall stellte die Polizei am Schwanheimer Uhr einen Blitzer auf.
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Nach dem tödlichen Unfall stellte die Polizei am Schwanheimer Uhr einen Blitzer auf.

Prozess um Raser

Tödlicher Temporausch

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Ein Mann stirbt 2015 bei einem Unfall am Schwanheimer Ufer. Der Unfallverursacher, ein heute 22 Jahre alter Mann, bestreitet vor Gericht, an einem illegalen Autorennen teilgenommen zu haben.

Rennen oder kein Rennen, das ist in diesem Prozess die Frage. „Es war kein Autorennen!“, sagt Yassine A.s Verteidiger Heinz-Jürgen Borowsky am Freitag vor der Jugendkammer des Landgerichts. War es doch, sagt die Staatsanwaltschaft – und klagt Totschlag an.

Am 22. April vergangenen Jahres raste der heute 22 Jahre alte Yassine A. mit einem von der Autovermietung geliehenen BMW 530d das Schwanheimer Ufer entlang. Der 43 Jahre alte André H. wartet derweil mit seinem Auto vor der roten Ampel, die ihm noch die Auffahrt zur A5 verwehrt. Die Ampel wird grün, H. fährt auf die Kreuzung – wo der von A. gelenkte BMW ihm mit mehr als 140 Kilometern pro Stunde in die Seite kracht. André H. stirbt noch an der Unfallstelle. Der nicht angeschnallte Yassine A. wird von Freunden aus dem Auto gezerrt. Bis auf ein paar Prellungen ist er unverletzt.

Tempo 140 in der Stadt, Kumpels in anderen Autos, die sofort am Unfallort sind, dazu eine beeindruckendes Kerbholz von Temposünden – von Anfang an liegt hier der Verdacht nahe, dass André H. das Opfer von Schwachköpfen gewesen sein könnte, die sich ein illegales Autorennen geliefert haben.

So sei es nicht gewesen, sagt A. Sondern so: Er habe sich das Auto geliehen, um mit Freunden zu einer Hochzeitsfeier nach Holland zu fahren. An jenem Abend habe er sich mit diesen Freunden an einer Tankstelle am Mainufer verabredet. Auf dem Weg dahin, er sei auch etwas spät dran gewesen, habe er wohl zu viel Gas gegeben – „ich bin noch nie zuvor ein so schnelles Auto gefahren“. Mit dem 300-PS-Boliden raste er dann über die rote Ampel. „Ich habe gedacht, ich schaffe das noch“, sagt A., obwohl die Ampel bereits sieben Sekunden auf Rot gestanden hatte, als er sie ignorierte. Er habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu verletzen oder gar zu töten und dies auch nicht billigend in Kauf genommen.

Zu Prozessbeginn tut der Vorsitzende Richter schon mal seine Ansicht kund, dass man Yassine A. „nicht als ruhigen, sachlichen Fahrer“ bezeichnen könne. Diese Erkenntnis fußt nicht nur auf seinen bisherigen Tempoverstößen, sondern auch auf den mitangeklagten Delikten Nötigung und Beleidigung. Yassine A. hatte im Januar 2015 eine andere Autofahrerin auf dem Weg nach Nied massiv bedrängelt, dann rechts überholt und ausgebremst. Er und sein Beifahrer stiegen aus, A. grüßte die Autofahrerin mit der Standardfloskel „Du Hure, ich fick’ dich!“, fuhr dann aber unverrichteter Dinge weiter. A. räumt diesen Vorwurf ein, es tue ihm leid, das sei sonst nicht seine Art. Einen ebenfalls angeklagten Tankbetrug leugnet er.

Bislang hat das Landgericht für diesen Prozess sieben Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll Anfang Dezember fallen. Eine Prognose ist schwierig: Erst im April dieses Jahres waren zwei junge Männer, die bei einem illegalen Autorennen eine Studentin totgefahren hatten, vom Kölner Landgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. In Berlin stehen derzeit erneut zwei Totraser und mutmaßliche Rennfahrer vor dem Landgericht. Hier lautet die Anklage auf Mord.

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