Vorsitzender Richter Volker Wagner beantwortet Fragen der Journalisten beim Prozessauftakt am 20. April im Landgericht Darmstadt.

Offenbach

Todesschütze von Offenbach hat Tat gestanden

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Offenbacher Mordprozess wird morgen fortgesetzt. Angeklagter sagt, er habe eine Liaison mit dem späteren Opfer gehabt, bevor er sich in deren Schwester verliebt habe.

Mit nur einem Schuss in den Hals hatte Mohammed S. am 9. Mai 2019 eine 44-jährige Frau in der Offenbacher Innenstadt getötet, die ihren Sohn vom Sporttraining abholen wollte. Das Verbrechen hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Prozess, der im April begonnen hatte, wird morgen am Landgericht Darmstadt fortgesetzt. Der 43-jährige Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft Mord aus Heimtücke und niederen Beweggründen vorwirft, hat inzwischen ein Geständnis abgelegt.

Fatima T., eine Geschäftsfrau aus Frankfurt, war aus einem Leihwagen heraus im Vorbeifahren gegen 19 Uhr in der Luisenstraße in ihrem geparkten Porsche erschossen worden. Mohammed S. flüchtete damals nach Belgien, stellte sich aber nach fast sechs Wochen in Offenbach der Polizei. Bei dem Opfer handelte es sich um die Schwester seiner Ex-Geliebten.

Laut Staatsanwaltschaft habe der Marokkaner an Fatima T. und der Familie Rache nehmen wollen, weil er sie für die Trennung und eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs der Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin verantwortlich gemacht habe.

Racula Christina Ricker, die Pflichtverteidigerin des Angeklagten, gab gestern gegenüber der FR weitere Details bekannt. Danach hat der Angeklagte Anfang Juli vor Gericht geschildert, eine Liebesbeziehung zu Fatima T., seiner Cousine, gehabt zu haben, bevor er sich in deren Schwester verliebt habe. Mohammed S. und die beiden Schwestern hätten sich aus Kindheitstagen in Marokko gekannt.

Polizei zu Waffenort geführt

Später verloren sie sich aus den Augen. Doch als Fatima T., die inzwischen verheiratet war und in Deutschland lebte, 2016 in Marokko war, sahen sie sich wieder. Nach Angaben der Anwältin soll die Frau für Mohammad S. ein Hotelzimmer gebucht haben, damit er zu ihr kommt. Sie sprach von einer „kurzen Liaison“.

Angeblich soll Fatima T. eifersüchtig und wütend über die neue Beziehung gewesen sein. Mohammed S. behauptet, so die Anwältin, von Personen und auch von einem Auto verfolgt worden zu sein. Er vermutete dahinter wohl seine Ex-Freundin.

Ricker sprach von einer spontanen Tat. Sie sei nicht geplant gewesen. Für die Frage, ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt, spielt das aber keine Rolle. Entscheidend ist die Frage, ob zur Tötung Merkmale wie zum Beispiel Habgier oder Heimtücke hinzukommen.

Der Angeklagte hat die Polizei übrigens jüngst zu dem Ort geführt, wo er die Waffe und auch sein Handy entsorgt haben will. Ob beides gefunden wurde, ist offen. Laut Anwältin wäre es für den Angeklagten gut, wenn das Handy gefunden würde, weil die Aussagen ihres Mandanten dann rekonstruiert werden könnten.

Der Prozess wird morgen wieder im Landgericht fortgesetzt, nachdem die Kammer für den dritten Verhandlungstag Anfang Juli in einen größeren Saal im Justus-Liebig-Haus ausgewichen war. Im Mai hatte der Vorsitzende Richter Volker Wagner zwei Termine abgesetzt, weil im Gerichtssaal das Corona-Abstandsgebot nicht eingehalten werden konnte. Für morgen sind zwei Zeugen geladen, möglicherweise folgen die Plädoyers.

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