+
Olaf Trenk in seiner Werkstatt mit der Figur des Akrobaten, die er für den Sandmännchen-Film gebaut hat.

Trickfilmfiguren aus Hofheim

Trickfilm-Puppen für Hollywood

  • schließen

Olaf Trenk baut in seiner Werkstatt in Hofheim die filigranen Innenleben von Trickfilmfiguren. Auch bei Produktionen wie Tim Burton’s „Frankenweenie“ hat er schon mitgearbeitet.

Die Verwandlung vom kuscheligen Kätzchen zum geflügelten Monster vollzieht sich in Tim Burtons Trickfilm binnen weniger Sekunden. Erst wachsen der Katze Vampirzähne, dann fährt sie lange Krallen aus, die Augen quellen hervor, das Fell färbt sich schwarz, der Hals wird dünn und lang. Am Ende breitet das Monster Fledermausflügel aus und flattert durchs Kinderzimmer seiner Besitzerin.

Die Metamorphose des Hauskätzchens zur „Vampire Cat“ in Burtons Film „Frankenweenie“ aus dem Jahr 2012 sei seine bisher beste Leistung als Puppenbauer gewesen, sagt Olaf Trenk. „Ich musste mir eine technische Lösung für jeden einzelnen Schritt des Verwandlungsprozesses überlegen.“ Das sei durch die Komplexität und die kurze Zeitspanne, in der sich die Veränderung zum Fledermausmonster vollzieht, nicht einfach gewesen.

Das Innenleben der Katzenpuppe, die sogenannte Armatur, ist, wie viele andere auch, in Trenks Hofheimer Werkstatt entstanden. Im Keller seines Hauses hat sich der diplomierte Industriedesigner, der an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert hat, schon vor Jahren ein Arbeitszimmer für den Figurenbau eingerichtet. Stangen, Blech- und Metallteile sowie Metallgelenke in verschiedenen Längen und Größen hat er dort vorrätig, diverses Werkzeug und Chemikalien.

Ehe er sich daranmacht, die Armaturen für die Trickfilmfiguren zusammenzubauen, wird das Innenleben der Puppen auf Papier gebracht. „Ich bin ein Tüftler“, beschreibt der 52-Jährige sich. Akribisch vermerkt er in den Plänen, wo das von ihm ersonnene Wesen beweglich sein muss, wie die Proportionen der einzelnen Körperteile sind und welche Veränderungen die Figur im Laufe des Films durchläuft.

Filigran  bewegliches Metallskelett

Nach dem Entwurfsprozess kommt der handwerkliche Teil der Puppenbauerarbeit. Gelenke werden zusammengelötet, und nach und nach entsteht das filigrane bewegliche Metallskelett, das die Trickfilmpuppe später vor der Kamera lebendig werden lässt.

Bevor sich Trenk als Puppenbauer selbstständig machte, arbeitete er für das Frankfurter Studio Clayart und leitete dort die Werkstatt für Puppenbau. „Achitekturmodelle zu bauen oder Modelle für Messen und Ausstellungen, wie ich das direkt nach meinem Studium gemacht habe, hat mir bald nicht mehr gereicht“, erzählt der Hofheimer. Schon als Kind habe er ein Faible für Trickfilme gehabt, mechanische Figurenroboter hätten ihn besonders fasziniert. „Und die Augsburger Puppenkiste.“

Als ihm sein ehemaliger Studienkollege Jan Bonath einen Job bei Clayart anbot, sagte er deshalb sofort zu. Das Frankfurter Studio wurde für ihn zum Sprungbrett in die internationale Welt des Trickfilm-Puppenbaus. Trenk knüpfte Kontakte nach London und in die USA, unter anderem baute er eben schon mehrere Puppen für Filme von Regisseur Tim Burton. Olaf Trenk ist dann Teil eines eigens zusammengestellten Teams von Designern und Puppenbauern aus der ganzen Welt. „Es ist faszinierend mit so vielen talentierten Menschen zusammenzuarbeiten“, schwärmt er.

Mehrere Wochen verbrachte er früher bei der Spezialfirma in London, mit der die großen Trickfilmproduzenten zusammenarbeiten. Mittlerweile lässt sich das allermeiste von Trenks Werkstatt in Hofheim aus erledigen. Dort sind als bislang letzte Arbeit mehr als 20 Armaturen für Hunde und Humanoiden für die Produktion „Isle of Dogs“ entstanden. Der Film des US-Regisseurs Wes Anderson wird im März 2018 in den amerikanischen Kinos anlaufen.

Mitunter ist Olaf Trenk nicht nur Puppenbauer, sondern er kann die Figur, die er für den Film zum Leben erwecken soll, von Anfang an nach seinen Vorstellungen formen. Beim Schlafschaf Nepomuk in dem deutschen Kinotrickfilm „Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland“ ist ihm das gelungen. Nicht nur das Erscheinungsbild, die Mimik und die Sprechbewegungen des Schafes habe er selbst entworfen, erzählt er, sondern die Figur am Ende auch modelliert, die Formen gebaut und abgegossen. „Darauf bin ich besonders stolz.“

Auch an deutschen Werbefilmproduktionen hat Trenk schon mitgewirkt, beispielsweise den Modellbau für die von Grippe geplagten Pinguine in einem TV-Spot geleitet. Vom Puppenbau alleine kann der Hofheimer aber nicht leben, dazu sei der Markt in Deutschland zu klein. Trenk arbeitet deshalb noch für eine lokale Firma für Industrieservice. Und er freut sich auf den nächsten Anruf aus London oder am besten gleich aus den USA. „Einmal bei einer der großen Hollywood-Produktionen vor Ort dabei zu sein“, sagt er, „das wäre was.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare