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Dutzende Rinderkadaver wurden in Schlüchtern illegal entsorgt.

Main-Kinzig-Kreis

Tierquälerei in Schlüchtern: Tote Rinder verscharrt

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Etwa 30 Tiere starben qualvoll und wurden auf einer Deponie illegal vergraben.

Mindestens 27 tote Rinder sind in einer ehemaligen Deponie in Schlüchtern illegal entsorgt worden. Die meisten starben grausam: Einige wurden wohl mit einem Bolzenschussgerät getötet oder einem stumpfen Gegenstand erschlagen, andere sind verhungert oder an nicht behandelten Krankheiten verendet.

Nach Angaben des Main-Kinzig-Kreises hatte ein Passant vor ein paar Tagen unter einem Erdhügel ein totes Rind entdeckt, woraufhin das Veterinäramt das Areal absuchte. Belegt sind 27 Funde – bislang. Ein Teil der Rinder wurde kürzlich verscharrt, ein anderer vor Monaten oder Jahren. Darauf lasse der Grad der Verwesung schließen. Mitarbeiter des Bauhofs und die Stadtpolizei seien „unter praktisch jedem Erdhügel“ auf ein totes Tier gestoßen.

Weil der Täter die Ohrmarken entfernte, wurden Proben genommen und Beweisstücke gesammelt, um die Rinder zuordnen zu können. Die Kadaver hätten in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt werden müssen. Nun muss die Stadt Schlüchtern, die Eigentümerin des Geländes, dies übernehmen und die Kosten tragen. Da die Tiere möglicherweise Träger von Infektionserregern waren, wurde die Gesundheit von Mensch und Tier stark gefährdet. Denn die Mikroorganismen, die beim Verwesen der Tiere mitwirken, können eine Ansteckung verursachen.

Auf einem Hof in der Nähe der Deponie waren kürzlich etwa 100 Rinder sichergestellt worden. Nach Angaben des Kreises gab es Mängel bei der Haltung, vor allem aber ging es um „eine Reihe von erheblichen Verstößen gegen tierseuchenrechtliche Bestimmungen“. Die Tiere waren nicht geimpft. Das Amt habe den Halter – der bereits zuvor durch gravierende Missstände auffiel – mit Anordnungen aufgefordert, die Situation zu ändern. Der Mann, der die Vorwürfe zurückweist, habe aber nicht gehandelt.

„Wer so mit seinen Nutztieren umgeht, hat kein Herz für Tiere“, sagt der Kreisbeigeordnete Winfried Ottmann (CDU) zu den Funden auf der Müllkippe. Er ruft Zeugen auf, sich beim Veterinäramt oder der Polizei zu melden. Zu einem möglichen Zusammenhang mit der Sicherstellung wollte er sich nicht äußern. Die Polizei teilt auf FR-Anfrage mit, dass sie wegen möglicher Verstöße gegen Tierschutzgesetze und tierseuchenrechtliche Bestimmungen ermittelt und auch klären will, wie die Tiere starben. Weitere Angaben machte sie nicht, „aus ermittlungstaktischen Gründen“.

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