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Tierhalter fürchten den Wolf

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Der Wolf ist im Taunus wieder heimisch geworden. DPa
Der Wolf ist im Taunus wieder heimisch geworden. DPa © reg

Informationsveranstaltung von Hessen-Forst zum Herdenschutz

Hochtaunus - Da musste Bhavana Kaiser vom Forstamt Weilord die beginnende Diskussion ausbremsen: „Das ist eine politische Frage, die können wir hier nicht klären“, sagte sie zur Rückkehr des Wolfes in Hessen, im Taunus und den damit entstehenden Problemen. Kaiser hatte als Wolfsberaterin eine Informationsveranstaltung rund um den Schutz von Herden vor Wolfsangriffen organisiert. 40 Personen aus den Reihen von Schaf- und Ziegenhaltern, Rinderzuchtverbänden sowie Reit- und Fahrvereinen waren zur Infoveranstaltung gekommen.

Zunächst stellte Martin Steffens vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen im Außenbereich die aktuelle Weidezauntechnik vor. Jos Hornung vom Wolfszentrum präsentierte den aktuellen Stand zum Wolf in Hessen. Rund um den Hochtaunuskreis, beispielsweise im Rheingau-Taunus-Kreis, im Lahn-Dill-Kreis und auch im Wetteraukreis sind in diesem Jahr immer wieder einzelne Wölfe durch Fotos oder Genproben nachgewiesen worden.

INFORMATIONEN RUND UM DEN WOLF

Das Wolfszentrum Hessen (www. hlnug.de) ist zentraler Ansprechpartner zum Wolf. Es koordiniert die Wolfshotline sowie die fachliche Beratung von Einzelpersonen, Tierhaltern, Institutionen, Behörden und Verbänden.

Es führt eine Liste der Wolfsnachweise. Kontakt: Jos Hornung, (06 41) 20 00 95 22, wolf@hlnug.hessen.de. Der Landesbetrieb Landwirtschaft (LLH) berät Weidetierhalter zum Herdenschutz, hilft, die betrieblichen Möglichkeiten zur Prävention von Übergriffen von Wölfen auszuschöpfen, bietet Infoquellen und beleuchtet die wirtschaftlichen Auswirkungen der betrieblichen Maßnahmen. sng

Kontakt: Über Martin Steffens, (01 60) 90 57 52 58, martin.steffens@llh.hessen.de.

Wildernde Hunde machen mehr Probleme

Zuletzt sei bei Wehrheim ein Riss vorgekommen, bei dem allerdings die Genanalyse noch ausstehe, so Hornung. „Wozu ist es gut, dass wir den Wolf hier haben?“, kam ein Zwischenruf aus dem Publikum. Kaiser betonte, dass dieser Beutegreifer ein Teil des Ökosystems sei und auf europäischer Ebene höchsten Schutz genieße. Steffens hob hervor, dass es eigentlich mehr Probleme mit wildernden Hunde gebe als mit Wölfen. Und wenn Festzäune mit Untergrabeschutz und Elektrodrähten in Höhen ab 20 cm bis zu etwa 120 cm versehen würden, sei eine Weide wolfssicher. Man müsse auf die richtige Erdung achten, diese habe nämlich Auswirkung auf die Schlagstärke. „Der erste Schlag muss sitzen“, betonte er. Nur so lerne ein Wolf, dass ein Zaun für ihn unüberwindlich sei. Und darum müsse ein Zaun auch immer unter Strom stehen - oder er müsse abgebaut werden. Desweiteren ging Steffens auf Herdenschutzhunde ein, die auch schon im Geflügelbereich gegen Fuchs und Greifvögel eingesetzt würden. Hunde dieser Rassen sollten dann in der Herde aufwachsen und zu zweit arbeiten, wobei ein Althund einen Junghund anlerne. „Und das alles wegen dem Wolf, den ich gar nicht haben will“, hieß es aus dem Publikum. Und Martin Schneider, Halter von Dexter-Rindern in Weilrod, gab den Vortragenden auf den Weg: „Nehmen Sie bitte diese Aufregung mit.“

Aber zunächst ging Valerie Kihm vom Landwirtschaftsministerium auf die Förderungsmöglichkeiten des Herdenschutzes ein. „Auch ich weiß, was es bedeutet, abends Zäune zu bauen“, berichtete sie, um dem Publikum zu verdeutlichen, dass das Thema für sie nicht reine Theorie sei. Erwerb und Installation von wolfsabweisenden Zäunen, die über den Grundschutz hinaus gingen, könnten gefördert werden, genau wie eine Nachrüstung. Mit dazu gehörten auch Ausrüstungsgegenstände wie Weidezaungeräte oder Solarpanels. Diese Förderungen seien aber nur in bei einem hinreichenden Verdacht auf Wolfsvorkommen möglich. Wenn sich der Wehrheimer Verdachtsfall bestätige, könne die Förderrichtlinie Weidetierschutz auch in Weilrod greifen, da Kommunen im Umkreis von 15 Kilometern mit einbezogen würden. „Was es mit den Menschen macht, interessiert niemanden“, warf eine Frau ein, die auf traumatisierte Weidetierhalter hinwies. Hier ergänzte Ulrich Götz-Heimberger von der Oberen Naturschutzbehörde, dass Wölfe, die einen Herdenschutz überwunden hätten, auf Antrag entnommen werden dürften. Eine Entschädigung sei zurzeit eine freiwillige Leistung des Landes, wenn es nachweislich ein Wolfsangriff war und der Grundschutz der Herde eingehalten wurde.

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