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Tierärzte und Verbände verärgert

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Von: Detlef Sundermann

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Das Veterinäramt wird nun von einem Humanmediziner geleitet. Tierärzte sehen einen Kompetenzverlust der Behörde und verlassen die Vereinbarung zur Seuchenbekämpfung.

Wegen der Umstrukturierung des Veterinäramtes haben 18 Tierärzte die Rahmenvereinbarung für den Seuchenkrisenfall mit dem Wetteraukreis verlassen. Kritik erhält Landrat Joachim Arnold (SPD) auch von der Landestierärztekammer und vom Bauernverband Wetterau / Frankfurt dafür, dass an der Spitze des Amtes nun ein Humanmediziner sitzt. Der bisherige Chef Rudolf Müller wurde damit zum Fachstellenleiter degradiert. Arnold verteidigte im Kreistag seine Entscheidung. Mit der Neuorganisation würden sogar die Stundenkontigente für die operative Arbeit im Veterinärwesen erhöht, sagte er.

„Ein Veterinäramt muss von einem Tierarzt geleitet werden, man würde ja auch nicht auf Idee kommen, einen Tierarzt an die Spitze des Gesundheitsamtes zu setzen“, sagte Ingo Stammberger, Präsident der Landestierärztekammer Hessen, auf Anfrage der FR. Es gehe beim Veterinäramt um Lebensmittelkontrolle, Tierschutz und -seuchen. Diese Aufgabenfelder seien einem Humanmediziner fremd. Besonders im Fall einer Tierseuche komme es auf hohe fachliche Qualifikation an, um schnell und wirksam vorzugehen, so Stammberger. Aus diesem Grund seien 18 Tierärzte aus der Rahmenvereinbarung ausgestiegen.

In gleicher Weise sieht dies auch der Bauernverband. Es sei „unverständlich, wieso Landrat Arnold einen derartigen Eingriff in die Struktur der Veterinärverwaltung vorgenommen hat“, so die Vorsitzende, Andrea Rahn-Farr. Die Organisationsverfügung mit ihren weitreichenden Folgen sei überraschend gekommen. Kreislandwirt Michael Schneller bemängelt, dass der Kreis es versäumt habe, vorab mit den betroffenen Gruppen wie Landwirte, Fleischer, Jäger und Direktvermarkter zu sprechen. Die unzureichende Informationspolitik des Kreises beklagt auch die Landestierärztekammer.

Die seit 30 Jahren erfolgreiche Kooperation von Veterinärbehörde und Erzeugern sowie Verarbeitern habe bei „Einhaltung aller Anforderungen und der höchsten Hygienestandards eine in Hessen einzigartige Struktur der Verarbeitungsstätten geschaffen“ – und damit die Basis für neuere Projekte des Wetteraukreises, wie etwa die Teilnahme bei der „Ökomodellregion Wetterau“ oder dem „Wetterauer Lamm- und Landgenuss“, führt Andrea Rahn-Farr weiter aus.

Nicht nur die Umorganisation lastet auf dem Veterinäramt, sondern auch die aktuelle Personalsituation. Zwei von vier Veterinären würden die Behörde demnächst verlassen. Laut Rahn-Farr sagte Arnold vergangene Woche in einem Gespräch mit den Verbänden wie Landwirte, Fleischer und Jäger, der bisherige Amtsleiter könne nun verstärkt amtstierärztliche Aufgaben übernehmen, da er von den verwaltungstechnischen Tätigkeiten entlastet sei. Dem Vernehmen nach ist Müller jedoch krank geschrieben. Die Neubesetzung einer Stelle sei sicherlich ein gutes Zeichen, so Rahn-Farr. Jedoch sei die Neuberechnung der Arbeitsstunden beim Wechsel eines Fachdienstleiters auf die Stelle eines Fachstellenleiters ein „Taschenspielertrick“.

Arnold appelliert an die Tierärzte, ihre Kündigung zurückzu nehmen. Bei der Landestierärztekammer heißt es: „Der Landrat ist für uns kein Gesprächspartner mehr, sondern allein die anderen Vertragspartner wie das hessischen Umweltministerium.“ Nächste Woche werde das Thema in der Vorstandssitzung beraten,

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