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Namensgeber für das Werk: Kriegsgott „Mars Ultor“aus der römischen Mythologie.

„Thule-Seminar“

„Thule-Seminar“: Amtsgericht sieht keine Volksverhetzung

Anklage gegen „Thule-Seminar“-Vorstand abgelehnt. Staatsanwalt legt Beschwerde ein.

In der nordhessischen Justiz herrscht Zwist, ob der Vorstand des rechtsextremen „Thule-Seminars“ wegen Volksverhetzung vor Gericht gestellt werden soll. Das Amtsgericht in Fritzlar ließ die vor einem Jahr ergangene Anklage gegen das Führungstrio des 1980 gegründeten Vereins nicht zur Verhandlung zu. Sie sehe keinen hinreichenden Tatverdacht, sagte die zuständige Richterin der Frankfurter Rundschau. Die Staatsanwaltschaft in Kassel will das nicht akzeptieren und hat Beschwerde eingelegt, wie ein Sprecher am Freitag auf Anfrage mitteilte. Mit einer Entscheidung ist in den nächsten Monaten zu rechnen.

Das Verfahren gegen Pierre Krebs aus Bad Emstal, den 72-jährigen Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, und zwei seiner Mitstreiter dreht sich um einen Taschenkalender, den das „Thule-Seminar“ für das Jahr 2016 veröffentlichte. Das nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Werk „Mars Ultor“ ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte „Ausrottung der Deutschen“ und wurde bereits im Juli 2016 als jugendgefährdend indiziert.

Hitler wird zum zum Märtyrer

Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und „Rassenforscher“ sind mit ihren Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische „Blut und Boden“-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so heißt es, „im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben“.

Ob das nicht vielleicht doch den Verdacht der Volksverhetzung begründen könnte, muss nun das Landgericht in Kassel entscheiden. Schließt es sich der Sicht der Staatsanwaltschaft an, ist das Amtsgericht in Fritzlar zur Verhandlung gezwungen.

Von Carsten Otto und Joachim F. Tornau

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