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Thomas Schäfer (CDU) im Oktober 2019 bei der Traubenlese der Hessischen Staatsweingüter, deren Aufsichtsrat er leitete.

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Thomas Schäfer hinterlässt in Hessen eine gewaltige Lücke

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Die Union muss nach Thomas Schäfers Tod nicht nur die Ministernachfolge für Hessen regeln - er war auch Anwärter auf den Ministerpräsidenten-Posten.

Die hessische Landespolitik muss den Tod von Thomas Schäfer verkraften. Der Schock und die Trauer saßen am Wochenende bei vielen Beteiligten so tief, dass es eine Weile dauern wird, diesen Zustand zu überwinden. Dann aber werden vor allem in der CDU und in der Landesregierung Überlegungen notwendig, wie es weitergeht. Ausgerechnet mitten in der Corona-Krise stehen Personalentscheidungen an, denn Thomas Schäfer hinterlässt eine gewaltige Lücke.

Das Finanzministerium wird zunächst von Staatssekretär Martin Worms geführt, der mit allen Abläufen im Haus bestens vertraut ist. Der promovierte Jurist arbeitet bereits seit 1985 im Ministerium und leitete 14 Jahre lang die wichtige Haushaltsabteilung, ehe er 2017 von Schäfer zum Staatssekretär berufen wurde. Mit dem 65-jährigen Worms verfügt das Land über einen Fachmann, der jedoch kein ausgeprägtes politisches Profil besitzt.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wird sich daher vermutlich rasch auf die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin machen. Als möglich gilt in Wiesbaden, dass er sich für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Boddenberg entscheidet. Der 60-jährige Frankfurter besitzt Erfahrungen in der Wirtschaft und im Kabinett. Von 2009 bis 2014 vertrat er die Interessen Hessens als Bundesratsminister in Berlin. In dieser Funktion wie auch als Fraktionschef musste er alle Themenfelder überblicken – eine Eigenschaft, die auch im Finanzministerium von besonderer Bedeutung ist.

Denkbar wäre aber auch, dass Bouffier auf Sachverstand von außen zurückgreift. So könnte Gottfried Milde ein Kandidat sein, der Chef der landeseigenen Wirtschafts- und Infrastrukturbank, der früher für die CDU im Landtag saß und für Finanzpolitik zuständig war.

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Längerfristig stellt sich zudem die Frage, wer Volker Bouffier dereinst als Ministerpräsidenten ablösen soll. Der 68-jährige Regierungschef war im vergangenen Jahr an Krebs erkrankt. Seither halten sich Spekulationen, dass Bouffier sein Amt vor Ablauf der Wahlperiode 2023 zur Verfügung stellen könnte – auch um einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin die Möglichkeit zu geben, sich bekanntzumachen. Im vergangenen Sommer hatte Bouffier selbst signalisiert, dass er darüber nachdenkt. „Das werden wir dann beraten, wenn es so weit ist. Aber dafür spricht viel“, sagte er seinerzeit in einem Fernsehinterview des Hessischen Rundfunks.

Bisher galt Finanzminister Schäfer als nahezu unangefochtener Nachfolgekandidat. Ihm wurde zugetraut, sämtliche Stimmen der schwarz-grünen Koalition im Landtag zu erhalten, was notwendig wäre für eine Wahl zum Ministerpräsidenten.

Nun wird es auch über diese Frage neue Überlegungen geben müssen. Dabei gilt auch hier CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg als ein möglicher Anwärter.

Weitere Aspiranten könnten Peter Beuth und Boris Rhein sein. Der 52-jährige Innenminister Beuth steht allerdings bei mehreren Themen unter Beschuss, etwa wegen möglicher Versäumnisse im hessischen Verfassungsschutz. Ein Untersuchungsausschuss steht ihm hier bevor.

Der 48-jährige Frankfurter Rhein hat nach seinem Ausscheiden als Wissenschaftsminister und seinem Antritt als Landtagspräsident 2019 deutlich an Profil gewonnen. Erst am Dienstag hielt er eine entschiedene Rede gegen Rechtsextremismus, die großen Beifall von allen Fraktionen außer von der AfD erhielt.

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