Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In der „Reise nach Kallisto“ geht es um eine Weltraummission, die nach Wasser sucht.
+
In der „Reise nach Kallisto“ geht es um eine Weltraummission, die nach Wasser sucht.

Kultur

Theater, das in die Zeit passt

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
    schließen

Die Theater in Hessen bleiben voraussichtlich bis Ende März geschlossen. Dennoch geht der Probebetrieb weiter. Hier ein Überblick über die Premieren am Frankfurter Schauspiel und den Staatstheatern in Wiesbaden und Darmstadt.

Uraufführungen, Deutschland-Premieren zu aktuellen Themen wie Klimawandel und den Umgang mit Schwerstkranken sowie Bühnen-Adaptionen großer literarischer Werke, darauf können sich Theaterbesucherinnen und -besucher in diesem Frühjahr freuen. Das Schauspiel in Frankfurt und die Staatstheater in Wiesbaden sowie Darmstadt werden wegen der Pandemie möglicherweise bis Ende März geschlossen sein, dennoch geht in allen Häusern der Probenbetrieb weiter. Im Ministerium für Wissenschaft und Kultur laufen derzeit Gespräche mit den Intendanten über die Dauer der Theaterschließungen. Eine Stellungnahme des Ministeriums lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Hier ein Überblick über einige der geplanten Theater-Premieren.

Schauspiel Frankfurt

Gleich zwei Uraufführungen seien im Frühjahr in den Kammerspielen geplant, wie Sandra Strahonja, Pressesprecherin des Schauspiels Frankfurt, erzählt. Nach bisherigen Plänen soll, wenn es die Pandemie zulässt, „Die Reise nach Kallisto“ des Romanautors, Dramatikers und Regisseurs Michel Decar zu sehen sein sowie „Eternal Peace“, ein Stück des Theaterautors und Regisseurs Alexander Eisenach. Ein Sci-Fi-Kurzfilm nach seinem Theaterstück kann bereits Mitte Januar über die Web-Seite des Schauspiels, das sein digitales Angebot im Februar erweitern wird, abgerufen werden.

Eisenach ist dem Publikum des Schauspiels vor allem durch sein 2016 in Frankfurt uraufgeführtes Stück „Der kalte Hauch des Geldes“ bekannt, eine Western-Geschichte, die am Beispiel eines US-amerikanischen Goldgräberstädtchens die Auswirkungen eines entfesselten Finanzkapitalismus thematisiert. Für seine Inszenierung erhielt der gebürtige Berliner seinerzeit den Kurt-Hübner-Regiepreis. In „Eternal Peace“, einem Auftragswerk des Schauspiels, visioniert Eisenach das Leben in der jungen, unabhängigen demokratischen Republik Grönland im Jahr 2104. Der Wiederaufbau nach den Klimakriegen ist gelungen, doch dann drohen beunruhigende Nachrichten aus Europa, das neue Glück der Bewohner zu vernichten.

Auch „Die Reise nach Kallisto“ ist eine Reise in die Zukunft. Michel Decar, als Teil des Autorenduos Nolte Decar bekannt, schickt in seinem neuen Stück eine Forschungsmission auf die Reise zum Planeten Kallisto, in der Hoffnung, dort Wasser zu finden. Die Uraufführung wird von Robert Gerloff inszeniert, der zum ersten Mal am Schauspiel Frankfurt arbeitet. Er war zuletzt am Residenztheater München, Theater Neumarkt in Zürich und Düsseldorfer Schauspielhaus tätig.

„Eternal Peace“ von Alexander Eisenach wird im Schauspiel Frankfurt uraufgeführt.

Wolfram Koch, vielen als Kommissar Brix im HR-Tatort bekannt, wird in der Inszenierung des Regisseurs Herbert Fritsch die Titelrolle in „Der Theatermacher“ spielen, einer der bekanntesten Figuren des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Ein Staatsschauspieler will in einem kleinen Dorf eine Komödie aufführen und agiert dabei ebenso unausstehlich wie unwiderstehlich komisch.

Als ein weiterer Publikumsmagnet dürften sich „Die Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang von Goethe erweisen, die ebenfalls im Schauspielhaus Premiere haben sollen. Die Regisseurin Lisa Nielebock ist für diese Inszenierung nach Frankfurt zurückgekehrt. Sie brachte in der Spielzeit 2018/19 mit „Siddhartha“, einem Stück nach einer Erzählung von Hermann Hesse, eine Literatur-Adaption auf die Schauspiel-Bühne, deren sämtliche Aufführungen bereits vor der Premiere ausverkauft waren.

Staatstheater Wiesbaden

„Wir können jederzeit spielen, wenn wir wieder öffnen dürfen“, sagt Caroline Lazarou, Sprecherin des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Auch wenn es unsicher ist, wann die Theater wieder öffnen können, haben sich natürlich auch die Wiesbadener auf eine Spielzeit vorbereitet. „König Lear“, Shakespeares großer Klassiker, sollte in der Inszenierung des Regisseurs und Schauspielers Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters, schon im Oktober vergangenen Jahres Premiere feiern, jetzt soll die Tragödie im Frühjahr im Großen Haus zu sehen sein. Die Titelrolle spielt der Schauspieler Nicolas Brieger, unter anderem bekannt durch die Rolle Sergeant Adler in dem österreichischen Kriegsdrama „Welcome in Vienna“, das bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet wurde.

In die Zeit passt „Doktors Dilemma“, ein Stück des britischen Dramatikers George Bernard Shaw, das im Kleinen Haus Premiere haben soll. Ein Arzt hat genau zehn Therapieplätze für schwerkranke Tuberkulose-Patienten. Um den letzten bewerben sich zwei Sterbenskranke: ein hochbegabter, moralisch aber höchst fragwürdige Kunstmaler und ein sozial engagierter Armenarzt. Uwe Eric Laufenberg spielt den Arzt, der über das Schicksal der beiden Männer entscheiden muss.

Szene aus Goethes „Wahlverwandtschaften“, eine Literatur-Adaption, die im Schauspiel Frankfurt Premiere feiern wird

Auch im Wiesbadener Staatstheater ist eine Uraufführung geplant, und zwar im Kleinen Haus: „Quichotte“, eine Bühnen-Adaption des neuen Romans des indisch-britischen Schriftstellers Salman Rushdie. Ein einsamer Rentner, gespielt von Rainer Kühn, begibt sich dabei zusammen mit seinem Sohn (Christoph Kohlbacher) auf eine Reise durch Trumps Amerika.

In deutschsprachigen Erstaufführungen sind unter anderem „Die Küste Utopias: Schiffbruch“ und „Die Küste Utopias: Bergung“ am 7. und 8. Mai zu sehen, der zweite und dritte Teil einer Trilogie des britischen Dramatikers Tom Stoppard, die den Zeitraum von 1833 bis 1868 in Russland und Westeuropa und die sich zu dieser Zeit gründende ersten Generation der sozialistischen Bewegung beschreibt. Der erste Teil war im vergangenen Jahr zu sehen. Für den 13. Mai ist im Rahmen der Internationalen Maifestspiele eine Gesamtaufführung aller drei Teile an einem Tag geplant.

Staatstheater Darmstadt

Karsten Wiegand, Intendant des Staatstheaters Darmstadt, hofft, dass sich jetzt im Shutdown alle an die Maßnahmen der Bundesregierung und Landesregierungen zur Eindämmung der Pandemie halten. „Wenn wir es schaffen, für das große Ganze auf Dinge zu verzichten, dann werden wir wieder spielen können.“

In der Sparte Schauspiel sind zwei Premieren geplant. Der Klassiker „Dantons Tod“ von Georg Büchner in einer Inszenierung von Christoph Mehler. Die zweite Premiere „Jetzt! Eine Einladung“ ist eine aktuelle Stückentwicklung, in der der Regisseur Christoph Frick, der am Darmstädter Staatstheater bereits „Das weiße Band“, eine brutale Kindergeschichte in der Kaiserzeit, inszeniert hat, sich gemeinsam mit dem Autor Lothar Kittstein der Frage widmet, was Darmstadt als Gemeinwesen durch die Zeiten getragen hat.

Aus Interviews, Quellen und fiktionalen Texten haben Frick und Kittstein ein Porträt der Stadt entwickelt, in dem sowohl ihre Vergangenheit wie auch ihre Zukunft beleuchtet werden. Für beide Premieren sind wegen der unsicheren Lage noch keine festen Termine anberaumt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare