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Dieser selbstfahrende E-Bus ist von Herbst an in Monheim am Rhein unterwegs.

Neuerung

RMV testet Busse ohne Fahrer

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Am Frankfurter Mainufer geht es im Herbst los. Auch auf dem Land soll die neue Technik erprobt werden.

Zwei selbstständig fahrende Kleinbusse sollen voraussichtlich von Herbst an auf einem Teil des nördlichen Mainufers in Frankfurt unterwegs sein. Zwei weitere werden im ländlichen Raum erprobt, teilte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) am Freitag mit. Ganz alleine werden die Fahrgäste nicht in den Mobilen sitzen, die zwischen sechs und acht Plätze bieten sollen. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass ein Verantwortlicher mitfahren muss, um im Notfall den Halteknopf zu drücken.

Zur zeitlichen Länge oder Größe und Aussehen der Kleinbusse konnte Sprecherin Vanessa Rehermann nichts sagen. Es stehe noch nicht fest, bei wem RMV-Tochter Fahma die vier Kleinbusse kauft, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Auch sei noch nicht entschieden, in welcher Region der Test auf dem Land erfolgend soll. Sicher sei hingegen, dass die psychologischer Schwelle zum Einsteigen in Frankfurt niedrig liegen soll: „Bei dem Test am Mainufer können Fahrgäste gratis mitfahren.“ Das nördliche Mainufer wird im August probeweise ein Jahr für den Verkehr zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke gesperrt.

„Autonomes Fahren ist einer der Trends der Zukunft und bietet uns eine vollkommen neue Möglichkeit, mobil zu sein“, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Das Pilotprojekt ermögliche, Erfahrungen mit der neuen Technologie zu sammeln und einschätzen zu können, wie man sie in den öffentlichen Nahverkehr integrieren könne. Dazu beitragen werden die Erkenntnisse der Frankfurt University of Applied Sciences, die den Test wissenschaftlich begleiten soll: „Wir wollen die Passagiere befragen, die Experten, die für den Betrieb verantwortlich sind, und dann den RMV beim Einsatz im öffentlichen Raum beraten“, sagt Petra K. Schäfer, Professorin für Verkehrsplanung, im Interview mit der Frankfurter Rundschau. Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) verkündet: „Die Stadt Frankfurt wird damit eine wichtige Rolle bei der Erprobung autonomer Fahrzeuge einnehmen.“ In die Umsetzung involviert sind auch die VGF und Traffiq: „Neue Technologien sind immer mit Emotionen verbunden“, sagt deren Geschäftsführer Tom Reinhold.

Fahrerlose Mobile bereits auf dem Flughafen

In der Vergangenheit kamen in Frankfurt fahrerlose Mobile bereits auf dem Flughafen und dem FH-Campus zum Einsatz. Das nun geplante Vorhaben im öffentlichen Raum wäre das erste in Hessen.

Nicht aber in Deutschland. Am Bodensee führt ein Testfeld auf fünfeinhalb Kilometer quer durch Friedrichshafen. Es bietet unterschiedlichste Verkehrsszenarien - vom Einfädeln auf der Schnellstraße, Tempo-30-Zonen an Schulen bis zu Schattenspielen einer Allee. Unternehmen bietet die Stadt damit die Möglichkeit, die Technologien nicht nur zu erproben, sondern auch zu entwickeln. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass es sich um „automatisiertes Fahren“ handelt, betont Monika Blank, Leiterin der Friedrichshafener Stadt-Pressestelle. „Autonom“ seien die Fahrzeuge nicht unterwegs: Es sitze immer ein verantwortlicher Mensch mit drin.

Noch weiter ist Monheim bei Düsseldorf. Im Juli 2017 wurde die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, im März wurden die ersten Fahrzeuge vorgestellt - und im Herbst geht es los: Fünf E-Busse sollen eine allein mit autonom fahrenden Fahrzeugen bestückte Linie zwischen Busbahnhof und Altstadt bilden. Die mit Sensoren bestückte Route ist vordefiniert. Die Fahrten verlaufen im fließenden Verkehr. Betrieb ist täglich von 7 bis 24 Uhr, es reicht das übliche ÖPNV-Ticket.

„Das gibt es in dieser Kombination kein zweites Mal bundesweit und auch derzeit nicht nochmal in Europa“, versichert der Sprecher der Stadt, Thomas Spekowius. Die Wichtigkeit habe sich auch darin widergespiegelt, dass zur Fahrzeugpräsentation gleich zwei Landesminister angereist waren: „Das passiert in Monheim selten.“ Seite F6

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