1. Startseite
  2. Rhein-Main

Terroranschlag von Hanau: Sensiblerer Umgang mit Opfern gefordert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gregor Haschnik

Kommentare

Betroffene und Unterstützer:innen fordern seit fast drei Jahren Konsequenzen aus dem Anschlag.
Betroffene und Unterstützer:innen fordern seit fast drei Jahren Konsequenzen aus dem Anschlag. epd © epd

Im Hanau-Untersuchungsausschuss mahnen Obleute Konsequenzen aus dem Anschlag an, etwa bei der Opferhilfe. Derweil gibt es neue Beweisanträge und Kritik daran, dass wichtige Unterlagen wie der Mailverkehr des Ex-Landespolizeichefs Ullmann nicht geliefert würden.

Nach der jüngsten Sitzung des Untersuchungsausschusses zum Anschlag in Hanau haben Obleute den Umgang mit den Betroffenen kritisiert und eine sensiblere Opferbetreuung gefordert. Auch wenn es zunächst vorrangig darum gehe, die Lage in den Griff zu bekommen, dürften Polizeikräfte nicht vergessen, „dass Menschen in einer Ausnahmesituation sind und ein besonderes Empfinden haben“, etwa wenn sie gerade noch dem Täter gegenüberstanden, sagte Jörg-Uwe Hahn (FDP).

Vanessa Gronemann (Grüne) bemängelte, dass Angehörige der Getöteten wie Gefährder:innen behandelt worden seien, als der Tätervater zurückkehrte, und entsprechende Ansprachen von der Polizei erhielten. Bei der Betreuung der Opferfamilien habe es durchaus Bemühungen gegeben, aber auch mangelnde Empathie.

Bei den Attentaten am 19. Februar 2020 wurden neun Menschen ermordet. Dann tötete der Täter seine Mutter und sich selbst. In dem Ausschuss, der Fehlern hessischer Behörden nachgehen soll, sagte am Montag der Betreiber der Arena-Bar aus, einem der Tatorte. Die Fluchttür dort war versperrt. Zudem wurden die Überlebende Kim Schröder und Polizist:innen zur Betreuung der Opfer befragt.

Die SPD sprach sich für eine professionellere Opferhilfe aus und schloss sich der Forderung von Schröder an, Betroffenen von Anfang an Unterstützung aus einer Hand zu bieten. Nach schrecklichen Ereignissen, erklärte Heike Hofmann, seien Überlebende und Hinterbliebene schwer traumatisiert; mehrere Ansprechpartner:innen überforderten sie.

Ulrich Wilken (Linke) sah „Chaos bei den Zuständigkeiten, geringe Priorität, mangelnde Sensibilität, Zurückhalten von Informationen“. Die Bilanz des Umgangs der Polizei mit den Betroffenen sei bitter und die Aussage der zuständigen Polizeidirektorin, sie habe nicht angeordnet, dass Angehörige wie Gefährder:innen angesprochen werden sollen, unglaubwürdig. Die häufig angekündigte neue Fehlerkultur in der hessischen Polizei gebe es offenbar nach wie vor nicht, sagte Wilken.

Jörg Michael Müller (CDU) hingegen lobte etwa das „große persönliche Engagement“ der für Opferschutz zuständigen Polizeikräfte. Problematisch sei der Informationsfluss gewesen, nachdem Generalbundesanwalt und Bundeskriminalamt die Ermittlungen übernommen haben. Die hessischen Beamt:innen hätten Fragen der Angehörigen deshalb nicht umfassend beantworten können. Deren Kritik sei bei der Nachbereitung berücksichtigt worden.

Derweil hat der Ausschuss neue Beweisanträge beschlossen. Damit soll die Glaubwürdigkeit des Ex-Landespolizeichefs, Roland Ullmann, untersucht werden. Er hatte ausgesagt, Probleme beim Hanauer Polizeinotruf seien ihm nicht bekannt gewesen. Darüber hinaus wird geprüft, inwiefern sich das Landespolizeipräsidium in Ermittlungen zu den Missständen beim Notruf – der am Tatabend zeitweise nicht erreichbar war – einmischen wollte. Eine Beamtin der Behörde rief bei einer internen Ermittlerin des Landeskriminalamtes an und soll ihr angeboten haben, selbst auf Zeug:innen zuzugehen.

Die SPD kritisierte, CDU und Grüne hätten sich bei ihrem Beweisantrag enthalten, und äußerte große Zweifel am Aufklärungsinteresse der Regierungskoalition.

Höchst problematisch sei, dass Unterlagen zu dem Themenkomplex – auf Ullmanns E-Mail-Verkehr warte man seit etwa elf Wochen – nicht geliefert würden.

Auch interessant

Kommentare