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Die Polizei sperrt den Tatort ab.
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Die Polizei sperrt den Tatort ab.

Hanau

Terroranschlag in Hanau: Kein Anschluss unter 110

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Erneut werden schwere Vorwürfe gegen die Polizei laut. Ein späteres Opfer habe den Notruf der Polizei nicht erreicht, berichten Medien.

Knapp ein Jahr nach dem Attentat von Hanau gibt es erneut Vorwürfe gegen die Polizei. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und der Hessische Rundfunk am Donnerstag berichteten, soll die Notrufzentrale der Polizei in Hanau am Abend des 19. Februar 2020 für viele Anrufer:innen nicht erreichbar gewesen sein. Anrufe auf der Nummer „110“ seien nur von einem Beamten auf zwei Leitungen angenommen, viele weitere eingehende Anrufe aber nicht automatisch weitergeleitet worden. Einer der Anrufer, der vergeblich auf einen Kontakt zur Polizei wartete, soll das spätere Opfer Vili-Viorel Paun gewesen sein. Der 22-Jährige hatte den Attentäter Tobias R. vom ersten Tatort in der Innenstadt bis nach Kesselstadt in seinem Auto verfolgt und dabei laut Bericht dreimal versucht, über die Notrufnummer Hilfe zu holen und war dabei gescheitert. Der Attentäter hatte Paun dann auf dem Parkplatz nahe der Arena-Bar mit drei Schüssen getötet. Der HR verweist auf ihm vorliegende Anrufprotokolle und einen weiteren Zeugen, der ebenfalls nicht auf der „110“ durchgekommen sein soll.

Die Staatsanwaltschaft in Hanau teilte auf FR-Anfrage mit, am Donnerstag von Amts wegen ein Prüfverfahren eingeleitet zu haben, um zu ermitteln, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliege. Unklar sei bislang, wie viele Beamte zum fraglichen Zeitpunkt Dienst gehabt hätten. Laut dem übergeordneten Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach laufen Notrufe aus dem Raum Hanau auf der Polizeiwache am Freiheitsplatz ein. Wie die Wache an jenem Abend besetzt gewesen ist, sei nicht bekannt.

Mehrere Oppositionspolitiker im Hessischen Landtag äußerten ihr Unverständnis darüber, warum im digitalen Zeitalter Notrufe nicht einfach weitergeleitet würden. Aus Offenbach hieß es, erst nach dem Bezug des Neubaus des Präsidialgebäudes im Sommer 2021 sei eine sukzessive Zentralisierung des Notrufs im Polizeipräsidium Südosthessen vorgesehen. Damit werde eine Erhöhung der Notrufkapazitäten und der technischen Leistungsfähigkeit verbunden sein. Zudem sei geplant, für ein sehr hohes Aufkommen von Notrufen erhöhte Ressourcen zu schaffen, in dem die Notrufe bei entsprechender Auslastung zur Leitstelle des Polizeipräsidiums Frankfurt weitergeleitet würden.

Bestürzt über die neueste Enthüllung zeigte sich Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky. (SPD): „Wäre Vili-Viorel Paun mit seinem Notruf erfolgreich gewesen, könnte er vielleicht noch leben.“ Kaminsky forderte Innenminister Peter Beuth (CDU) auf, die politische Verantwortung für die Versäumnisse zu übernehmen. Den Hanauer OB ärgert, dass der Innenminister der Polizei im Innenausschuss exzellente Arbeit bescheinigt hatte. Nach den jüngsten Berichten der Medien müsse es „wie Hohn“ in den Ohren von Angehörigen der Opfer klingen, so Kaminsky.

Dem Vorwurf, wonach der Polizei bekannt gewesen sei, dass der Notausgang in der Arena-Bar versperrt war, trat die Stadt Hanau entgegen. „Dafür liegen dem städtischen Ordnungsamt keinerlei Hinweise vor“, so Stadtrat Thomas Morlock. Wegen des verschlossenen Notausgangs habe es durch die Gewerbeaufsicht des Ordnungsamts 2013 und im November 2017 Beanstandungen beim damaligen Betreiber gegeben. Weitere Kontrollen hätten keine Hinweise mehr auf die verschlossene Fluchttür ergeben.

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