Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auf dem Hanauer Marktplatz verfolgten viele Menschen die Ubertragung der Trauerfeier.
+
Auf dem Hanauer Marktplatz verfolgten viele Menschen die Ubertragung der Trauerfeier.

Hessen

Notruf-Problem bei Terror von Hanau bewegt den hessischen Landtag

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Hessens Innenminister Peter Beuth stellt sich im Innenausschuss drängenden Fragen zur Tatnacht in Hanau. Eines der späteren Opfer hatte vergeblich versucht, den Notruf zu erreichen.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat Behauptungen widersprochen, in der Tatnacht von Hanau sei der Notruf nur mit einem einzigen Beamten besetzt gewesen. Zur Tatzeit hätten zwei Polizeibeamtinnen Notrufe entgegengenommen und später Unterstützung durch einen weiteren Kollegen bekommen, sagte Beuth am Donnerstag im Innenausschuss des Hessischen Landtags.

In der Terrornacht des 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Hanauer neun Menschen aus rassistischen Gründen erschossen. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst.

Die Frage, ob der Notruf auf dem Hanauer Revier ausreichend funktioniert habe, steht vor allem deshalb im Mittelpunkt, weil eines der späteren Opfer mehrfach anzurufen versuchte, aber nicht durchkam – und damit von den Beamtinnen nicht davor gewarnt werden konnte, dem Täter hinterherzufahren. Der 22-jährige Vili Viorel Paun verfolgte den Täter und wurde selbst erschossen.

Nach Beuths Angaben ging um 21.56 Uhr der erste Notruf ein. In weniger als zwei Minuten sei die Polizei am ersten Tatort am Heumarkt eingetroffen. Vili Viorel Paun versuchte nach Angaben des Generalbundesanwalts, die von Beuth vorgetragen wurden, zwischen 21.57 und 21.59 Uhr dreimal, die 110 zu wählen, kam aber nicht durch. Außerdem habe er zwei weitere Anrufe versucht, dabei aber die falsche Nummer eingegeben.

Nach Beuths Aussage wurden bis kurz nach Mitternacht 24 Notrufe registriert. Auch in der Zeit von 22.08 bis 23.35 Uhr habe es mehrere Notrufe gegeben. Das widerspricht einem Polizeiprotokoll, das einigen Abgeordneten und Medien vorliegt. Dort sind für diesen Zeitraum keinerlei entgegengenommene Anrufe verzeichnet. Eine Erklärung dafür gab es vom Innenminister in der Sitzung nicht. Er betonte jedoch, es habe auch keine technische Störung gegeben.

Knapp drei Stunden lang beantwortete Beuth in der Sitzung des Innenausschusses umfangreiche Fragenkataloge von Linken, SPD und FDP. Dabei konzentrierten sich die Oppositionsparteien vor allem auf den Umstand, dass bis heute in Hanau und dem weiteren Gebiet des Polizeipräsidiums Südosthessen kein modernes Notrufsystem zur Verfügung steht.

„Keine Sensibilität“

Das führte dazu, dass Anruferinnen und Anrufer wie Paun nicht durchkamen und nicht weitergeleitet wurden. Ab Ende dieses Monats wird nach Angaben des Ministers eine „Überlauf“-Weiterleitung nach Frankfurt organisiert. Beuth berichtete erneut, dass die sieben anderen hessischen Polizeipräsidien seit Jahren über moderne Notrufzentralen verfügten. In Südosthessen könne es aus baulichen und technischen Gründen erst eingerichtet werden, wenn das neue Präsidium in Offenbach voraussichtlich in diesem Sommer fertiggestellt sei.

Der Bau hatte sich über mehrere Jahre verzögert. Abgeordnete der Opposition hakten nach, warum das Notrufüberleitungssystem auch ein Jahr nach der Terrornacht erst in Planung sei. Beuth verwies auf das Polizeipräsidium Südosthessen, dessen Präsident bis vor wenigen Monaten der heutige Landespolizeipräsident Roland Ullmann gewesen war. „Es gab keine Sensibilität einer besonderen Dringlichkeit“, formulierte Beuth.

Was ihn selbst und den Zeitraum vor der Tat betreffe, fügte Beuth hinzu: „Bei mir ist keine Kritik am Notrufsystem aufgelaufen.“ Vom Versuch Vili Viorel Pauns, den Notruf zu erreichen, habe er nach seiner Erinnerung erst im Mai 2020 erfahren, als ein Vertreter der Bundesanwaltschaft im Innenausschuss des Landtags über den Stand der Ermittlungen berichtet hatte.

Jetzt schilderte Beuth unter Berufung auf die Karlsruher Behörde, wie schnell der Täter vorgegangen sei. Es seien nur fünf Minuten und sechs Sekunden vergangen zwischen dem Zeitpunkt, als er den ersten Tatort am Heumarkt im Hanauer Zentrum betreten und dem Zeitpunkt, als er die „Arena Bar“ im Stadtteil Kesselstadt verlassen habe.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare