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Anschlag von Hanau: Brisante Sitzung des Untersuchungsausschusses soll Aufschluss geben

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Von: Gregor Haschnik

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Polizeichef Ullmann muss im Untersuchungsausschuss zu Missständen beim Notruf aussagen. In der Tatnacht des Anschlags in Hanau war die Stelle kaum erreichbar.

Hanau – An diesem Montag (18. Juli) steht eine der wichtigsten Sitzungen des Untersuchungsausschusses zum rassistischen Terroranschlag von Hanau an: Am Nachmittag soll Roland Ullmann, heutiger Landespolizeichef und früherer Präsident des Polizeipräsidiums Südost-Hessen, im Landtag befragt werden. Es geht um den am Tatabend kaum erreichbaren Notruf in der Polizeistation Hanau I.

Brisant wird es vor allem deshalb, weil die Probleme dort – etwa veraltete ISDN-Leitungen, nur zwei Annahmeplätze, keine Weiterleitung und zu wenig Personal – vor dem Anschlag seit fast 20 Jahren bekannt waren. Wiederholt hatten leitende Beamte der Station bei übergeordneten Stellen erfolglos Verbesserungen angemahnt – auch beim Polizeipräsidium. Ullmann muss von den Missständen gewusst haben.

Ausschuss untersucht Anschlag in Hanau: Zweites Opfer versuchte die Polizei dreimal zu erreichen

Am 19. Februar 2020 war am Abend die meiste Zeit über nur ein Notrufannahmeplatz besetzt. Vili Viorel Paun, der den Attentäter am ersten Tatort aus seinem Auto heraus beobachtet hatte und ihm gefolgt war, versuchte dreimal vergeblich, die Polizei zu erreichen. Am zweiten Tatort wurde er erschossen.

Anschlag in Hanau
Demonstrant:innen halten in Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags Plakate in die Höhe. © Christophe Gateau/dpa/Archivbild

Seine Angehörigen und deren Unterstützer:innen sind sicher, dass die Polizei den 22-Jährigen gemahnt hätte, die Verfolgung abzubrechen, und er auf sie gehört hätte. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall zu den Akten gelegt, weil sie beim Notruf gravierende Probleme feststellte, aber keinen hinreichenden Verdacht auf fahrlässige Tötung sah.

Mögliche Fehler der Polizei: Ausschuss befragt Zeug:innen zu Anschlag in Hanau

Neben Ullmann sollen am Montag (18. Juli) in der letzten Sitzung vor der Sommerpause noch Jürgen Fehler, Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, sowie zwei Polizist:innen gehört werden, die während des Anschlags im Einsatz waren.

Der Ausschuss, der möglichen Fehlern hessischer Behörden nachgehen soll, hat bislang rund 30 Zeug:innen und Sachverständige vernommen, etwa 90 weitere sind benannt worden.

Ausschuss untersucht Anschlag in Hanau: Was ist schiefgelaufen?

Während des FR-Stadtgesprächs kündigte der Ausschussvorsitzende Marius Weiß (SPD) an, dass sich das Gremium nach der Pause zunächst mit dem Notausgang am Tatort Arena-Bar auseinandersetzen werde. Danach soll es unter anderem um die Obduktionen der Opfer gehen, von denen die Angehörigen erst im Nachhinein erfahren hatten.

Darüber hinaus sollen auch Recherchierende der internationalen Agentur Forensic Architecture geladen werden. Sie hatten etwa mithilfe von Aufnahmen eines Polizeihubschraubers herausgefunden, dass das Täterhaus nicht durchgängig gesichert gewesen war. Ziel sei es, so Weiß, dass der Abschlussbericht des Ausschusses in etwa einem Jahr vorliege und dann bewertet und umgesetzt werde. (Gregor Haschnik)

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