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Herrentoilette ? im wahrsten Sinne des Wortes.

Weltwassertag

Das Wasser ist sicher

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Aus Anlass des Weltwassertags appellieren Wasserwirtschaft und Abwasserentsorger in Hessen gemeinsam an alle, mit dem wichtigsten Lebensmittel sorgfältig umzugehen.

Wie wichtig das Thema ist, die Sauberkeit unseres Wassers, wurde vorige Woche besonders deutlich: Da schickte die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) eine Botschaft hinaus. Sie lautete: „Ich möchte allen Beteiligten, die zum Teil bis in die Nacht Sperren gebaut und Wasser abgepumpt oder umgeleitet haben, ganz herzlich danken.“

Was war geschehen? Im Jacobiweiher, einem der beliebtesten Ausflugsgewässer der Stadt, sammelte sich eine weiße Chemikalie, offenbar auf einer Neu-Isenburger Baustelle in die Kanalisation und dann durch den Luderbach in den Stadtwald geflossen. Mehrere Feuerwehren und das Technische Hilfswerk hatten gut zu tun, um größeren Schaden für die Umwelt abzuwenden, und die Stadträtin sah Anlass genug für öffentlichen Dank – etwas, das durchaus Seltenheitswert besitzt.

Verständlich ist die Reaktion allemal, denn ein Unbehagen bleibt: Wenn so eine Kunstharzdispersion wie in Neu-Isenburg einfach in unseren Stadtwald läuft – wie sicher ist dann eigentlich unser Wasser? Vor allem: Wie sicher ist unser Trinkwasser?

„Das Trinkwasser, das die Hessenwasser abgibt, ist sicher“, sagt Elisabeth Jreisat, Geschäftsführerin der Hessenwasser GmbH & Co. KG, die Frankfurt und umliegende Gemeinden versorgt. Und das, was hinten rauskommt, was wieder in den Kreislauf zurückkehrt, wenn wir mit dem Wasser gemacht haben, was wir halt so damit machen, das sei auch sicher, sagt Ernst Appel, Erster Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung.

Na also, könnte man da sagen, dann ist alles bestens – und einen schönen Weltwassertag für alle!

Aber so einfach sei es eben nicht, betonen die Wasserver- und -entsorger. Sie rufen alle auf, Verantwortung zu tragen für die Qualität unseres Wassers. „Wir wollen die Bevölkerung sensibilisieren“, sagt Jreisat. „Die Wasserversorgung kann nicht zum Reparaturbetrieb werden. Es gilt das Verursacherprinzip.“

Darin erfahren die Wasserbetriebe Unterstützung vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Er hat ein Positionspapier herausgegeben mit einer ganzen Reihe von Vorschlägen, wie unser wichtigstes Lebensmittel am besten sauber zu halten wäre (www.vku.de/wasser). Die meisten dieser Empfehlungen handeln davon, dass erst gar nichts ins Wasser geleitet wird, was dort nicht hineingehört, etwa Medikamente, Industrie- und Landwirtschaftsschadstoffe. Und davon, wie die Verursacher solcher Vergiftungen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Nach Zahlen der Bundesregierung und des BUND gelangen jährlich 630 000 Tonnen Chemie aus Wasch- und Reinigungsmitteln privater Haushalte ins Abwasser. An die 120 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel sind im Kreislauf. Und 8100 Tonnen potenziell umweltrelevanter Arzneimittel werden in der Bundesrepublik verwendet. Dass Spuren dieser Medikamente über Körperausscheidungen ins Abwasser gelangen, ließe sich zwar mit einigem Aufwand verhindern; im Ruhrgebiet geben etwa Krankenhäuser jenen Patienten Urinbeutel mit, die zuvor Röntgenkontrastmittel erhalten haben, um Umweltbelastungen zu minimieren. Die Beutel kommen dann in den Abfall. Guter Ansatz, loben die Rhein-Main-Wasserbetriebe. Ihnen geht es aber zunächst darum, dass die Leute ihre alten Tabletten wenigstens nicht ins Klo schmeißen.

„Wir haben allein 200 Kilogramm Diclofenac pro Jahr in der Vorreinigung“, sagt Abwasserchef Appel. Das Schmerzmittel macht in der Entsorgung Probleme. „Ein Viertel kriegen wir raus, aber 150 Kilo gehen in den Main.“ Das sei, gemischt mit den Abermillionen Litern Mainwasser, keine akute Gesundheitsgefährdung. Aber: „Es muss ja nicht sein“, findet Appel. Statt Tabletten oder Gel mit abgelaufener Haltbarkeit ins Klo zu spülen, könnten die Leute sie doch in den Müll werfen. Dann werden sie verbrannt – was zumindest das Wasserproblem fürs Erste löst.

Das Stichwort heißt: Spurenstoffe. Grobe Verunreinigungen sind für die Reinigungssysteme nicht das Problem, um die mikrofeinen Substanzen geht es. „Was wir nicht wollen, ist, dass sie ins Trinkwasser geraten“, sagt Elisabeth Jreisat. „Augen zu und wegducken gilt nicht“, warnt Ernst Appel. Noch gebe es keine besondere Gefährdungslage, aber: „Wir müssen heute hinschauen – die Vorsorge ist wichtig.“

In Fachkreisen wird die sogenannte vierte Reinigungsstufe für Klärwerke diskutiert. Zu den drei bekannten Verfahren – mechanisch, chemisch, biologisch – käme dann ein weiteres, das Mikroschadstoffe tilgt. Appel möchte die Diskussion aber davon unabhängig führen. „Wir wollen von der Industrie wissen: Sind die Stoffe gefährlich, die sie verwendet? Und wenn ja: Muss man sie wirklich nutzen, in diesen Mengen?“ Verbraucher müssen sich fragen lassen, was sie ins WC werfen, und die Landwirte, was sie auf ihre Äcker leiten.

„Es ist eine Aufgabe für alle“, sagt Appel. „Wir werden mehr, wir werden älter – es werden immer mehr Stoffe in den Kreislauf eingetragen“, sagt Jreisat. Um mit den Schadstoffmengen der Zukunft umzugehen, müssten wir heute Strategien entwickeln.

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