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Taxis fahren im Protest-Konvoi durch die Innenstadt von Kassel.

Taxifahrer in Kassel

Taxifahrer geben nach Protest gegen illegale Praktiken auf

Taxifahrer in Kassel werfen Mietwagen-Konkurrenten illegale Praktiken vor. Mit einem Autokorso machen sie im Sommer ihrem Ärger Luft. Die Behörden reagieren - doch geändert hat sich nach Ansicht der Taxifahrer wenig.

Der jahrelange offene Konflikt zwischen Taxis und Minicar-Mietwagen in Nordhessen hat vorerst ein Ende gefunden. Nach einer Protestaktion im Sommer habe sich die Interessengemeinschaft der Kasseler Taxifahrer (IGKT) mittlerweile aufgelöst, sagte deren früherer Sprecher Mario Birle. Die Taxifahrer resignieren im Streit um illegale Methoden einiger Konkurrenten: „Es hat nicht viel gebracht. Unter diesen Bedingungen hatten wir keine Lust weiterzumachen.“

Die IGKT vertrat nach eigener Angabe 120 Taxifahrer. Sie hatten im Sommer mit einem Autokorso in Kassel schärfere Kontrollen der Konkurrenz gefordert. Mietwagen mit Fahrern - oft Minicar genannt - kämpfen um dieselben Kunden wie Taxis und dürfen ihre Preise selbst festlegen. Sie gelten als günstigere Alternative, müssen sich aber an bestimmte Regeln halten. Gestritten wird unter anderem um die Rückkehrpflicht. So müssen Mietwagenfahrer nach einem Auftrag zu ihrer Garage zurückfahren. Sie dürfen nicht wie Taxis an Bahnhöfen warten. Daran hielten sich die Mietwagen nicht, so Taxifahrer.

Laut dem Deutschen Taxi- und Mietwagenverband bestehen in anderen Großstädten ähnliche Konflikte. Der Verband hält sich heraus, er vertritt beide Seiten. In Hessen ist vor allem der Norden betroffen. In Südhessen gibt es nur wenige Mietwagenfahrer. Hessenweit steigt ihre Zahl aber: 2016 wurden insgesamt 4234 Mietwagen in Hessen registriert (plus 16,1 Prozent gegenüber Vorjahr), es gab 4106 Taxis (plus 2,2 Prozent). Neue Zahlen sollen 2020 erhoben werden.

Die Kritik der Taxifahrer richtet sich auch an die Behörden, die die Einhaltung der Regeln nicht genug überwachten: „Am Anfang war die Stadt Kassel in Bewegung, das ist schnell wieder eingeschlafen“, sagte Birle. Die Stadt sieht das anders: Seit Sommer habe man Schritte eingeleitet, um den Konflikt zu lösen. Unter anderem müssten Mietwagenunternehmen regelmäßig Fahrtenbücher und Auftragseingänge vorlegen. Man arbeite am Einsatz einer manipulationssicheren Software.

Auch auf der Straße wird kontrolliert, festgestellte Verstöße würden konsequent geahndet. Seit mehreren Monaten würden auch Geschäftsunterlagen von Mietwagenunternehmen intensiv geprüft. Unternehmern, denen wiederholt illegales Verhalten nachgewiesen werde, drohe der Widerruf der Genehmigung. „Die Stadt Kassel geht davon aus, dass nach den ersten eingeleiteten Maßnahmen ein Umdenken betroffener Unternehmen stattfinden wird, was sich dann in der Folge auf die gesamte Kasseler Mietwagenbranche ausweitet“, erklärte Stadtsprecher Claas Michaelis.

Minicar-Unternehmen halten den Konflikt mit den Taxis angesichts von Herausforderungen wie Dieselfahrboten und der Konkurrenz durch Internet-Fahrdienstvermittler für überflüssig. Die Klagen der Taxifahrer seien „Mumpitz“, sagte Dieter Eggers, Marketingleiter der Kasseler Firma Minicar-Citycar. Taxis und Minicars müssten miteinander- statt gegeneinander arbeiten. „Wenn wir da nicht gemeinsam in ein Horn blasen, ist das für jeden hier schädlich.“ Das Bestehen der Minicars über viele Jahrzehnte zeige aber auch, dass die Kunden die Mietwagen haben wollten. Taxis müsse allerdings rechtlich die Möglichkeit gegeben werden, sich am freien Wettbewerb zu beteiligen.

Offiziell gibt es in Kassel 150 Taxi- und 100 Mietwagenkonzessionen. Laut Taxifahrer Birle hat sich das Verhältnis aber längst zugunsten der Mietwagen verschoben. Die Taxi-Interessengemeinschaft habe vor ihrer Auflösung Mietwagen in Kassel gezählt - es seien 200 gewesen, viele aus dem Umland. (dpa)

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