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Die Bildhauer Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt haben den blauen Kran umgestaltet.

Hafenviertel in Offenbach

Wahrzeichen des neuen Offenbach

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Künstler funktionieren den alten Kran im schicken Offenbacher Hafenviertel um. Er ist nicht mehr Gerät, sondern Skulptur und das auch noch mit einer Aussichtsplattform.

Lange stand der alte Kran einfach nur so rum. Ohne Funktion. Mit Vergangenheit, aber ohne erkennbare Zukunft. Auffällig zwar ob seiner Größe, aber ansonsten als Teil des ebenso verlorenen Hafenareals für viele nicht weiter bemerkenswert. Manchem Besucher des alten Kulturzentrums Hafen 2 im inzwischen abgerissenen ehemaligen Lokschuppen der Hafenbahn wuchs die blaue Maschine ans Herz.

Inzwischen ist der Großteil der ehemaligen Brachflächen mit schicken Wohnungen, Lokalen und Geschäftsräumen bebaut. Das Hafenviertel, das für ein neues Offenbach steht, ist zum Leben erwacht.

Und der Kran, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Firma Sehring Kies von Schiffen auf Lastwagen baggerte, steht immer noch da. Nun mit einer neuen Zukunft.
Von heute an ist er nicht mehr nur Kran, sondern Skulptur, Industriedenkmal, Aussichtsplattform und Teil der Regionalpark- Rundroute. Ein 26 Meter hohes Monument, das an die Historie des ehemaligen Industriehafens erinnern soll, als hier Güter wie Kohle, Kies und Holz von Schiffen verladen wurden.

Dazu umfunktioniert haben ihn die Künstler Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt. „Wir wollten ein Kunstwerk, das eine Selbstverständlichkeit ist“, sagt Winter. „Draußen und umsonst.“ Bestenfalls ein Ort, an dem sich Offenbacher verabreden, den Menschen für sich als Rückzugsort vom urbanen Alltag entdecken und den Vorbeifahrende wahrnehmen und vielleicht kurz besuchen.

Um den Kran zum Kunstwerk zu machen, haben sie ihn bildhauerisch „entrümpelt“ und umgestaltet. „Wir haben ihn als Figur betrachtet“, sagt Winter. Und da habe bei den Proportionen einiges nicht gestimmt.

Den Unterbau haben sie ein wenig vergrößert, die Treppe zum ehemaligen Führerhaus wurde wie auch andere Teile entfernt, und in neun Metern Höhe haben sie eine Aussichtsplattform installiert. Hinauf führt eine flache Treppe.

„Hier bekommt man den Überblick“, sagt Winter. Gen Westen steht zwischen der Europäischen Zentralbank linker Hand und dem Fernsehturm rechter Hand die Frankfurter Skyline, und auch ein Stück Taunus kann man erhaschen, dazu natürlich den Main und das neue Hafenviertel. Richtung Offenbacher City schaut man weit hinein in die alleeartige Taunusstraße.

Von heute an ist die Plattform für alle zugänglich. Am Abend wird der Offenbacher Grüne und hessische Minister Tarek Al-Wazir die Attraktion eröffnen.

„Der Kern stimmt jetzt“, meint Winter. Dennoch sehen sie den heutigen Tag „eher als Richtfest denn als Eröffnung“. Offen wird der Kran dann zwar für alle sein. Aber die Arbeit der Künstler ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Ort für Fest und Märkte

Auf dem Boden – genau neun Meter unter der Aussichtsplattform – fehlt noch eine tanzbodenartige Betonplatte. „Das könnte ein Ereignisfeld werden“, sagt Winter. Ein Ort für Feste, kleine Märkte oder Performances. Wie sich das letztlich entwickle, werde sicher interessant zu beobachten sein. Im Moment noch ist der Kran von Bauzäunen umgeben. Am Licht gebe es noch etwas zu machen, meinen die beiden. Und es stehe die Frage aus, welche Art von Möblierung die Skulptur bekommen solle.

„Es wird ja alles so fein und hochwertig hier“, sagt Hörbelt. „Da ist der Kran noch das Einzige, was an die Geschichte erinnert.“
Eine Geschichte, die auch der heutige hessische Wirtschaftsminister Al-Wazir noch aus eigener Anschauung kennt: Als er 1991/1992 seinen Zivildienst in der Johannes-Gemeinde im Offenbacher Nordend gemacht habe, sei er viel dort unterwegs gewesen, habe im Viertel jeden Hinterhof gekannt, erinnert er sich. „Aber am Hafenzaun war die Welt zu Ende.“

Ganz anders heute: Dank des neuen Kapitels als neuer Stadtteil liege das Nordend nun auf einmal am Wasser. Der Kran symbolisiert für ihn „die sichtbare Verbindung von Neu und Alt, von Nordend und Hafen“. Für Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber steht der Kran sogar für „das neue Offenbach“.

Wie es früher mal war, weiß auch Winter. „Ich erinnere mich noch an die Zeit, als der Schrottplatz hier war und der Kran noch gefahren ist“, sagt er. „Das war ein absurdes Monstrum.“ Dennoch ist für ihn die Vergangenheit sehr wichtig. „Ein Kran ist ja auch eine Anbindung an die Welt“, sagt er. Doch die Arbeitsplätze im ehemaligen Hafen seien schon ganz schön ruppig gewesen. Bevor die Treppe abgebaut wurde, war er einmal im ehemaligen Führerhaus. „Sehr wackelig“ sei es dort oben gewesen. „Das muss schon ein ziemlich verrückter Arbeitsplatz gewesen sein.“

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