Der Ausbau der Main-Weser-Bahn nimmt Fahrt auf.
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Der Ausbau der Main-Weser-Bahn nimmt Fahrt auf.

Main-Weser-Bahn

Ausbau für 550 Millionen Euro

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Das Land Hessen nennt die Kosten für den vierspurigen Ausbau des Bahnprojekts Frankfurt ? Friedberg. Die Befürworter des Bauvorhabens formieren sich.

Der vierspurige Ausbau der Trasse von Frankfurt-West nach Bad Vilbel kostet knapp 250 Millionen Euro. Weitere 300 Millionen Euro fließen in den zweiten Bauabschnitt nach Friedberg. Der Bund übernimmt davon 60 Prozent; den Rest muss das Land aufwenden, dem die kommunalen Aufgabenträger 12,5 Prozent erstatten.

Diese Zahlen nannte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Demnach liegt eine aktualisierte Kosten-Nutzen-Untersuchung für das Gesamtprojekt in Kürze vor. Der Abschnitt Bad Vilbel – Friedberg befinde sich im Planfeststellungsverfahren, in dessen Rahmen auch Alternativen geprüft würden.

Seit rund 40 Jahren wird der Ausbau der Main-Weser-Bahn diskutiert. Jetzt soll es endlich losgehen. Die Hauptverbindung nach Mittelhessen ist hoffnungslos überlastet. Wartezeiten und Verspätungen sind bereits im S-Bahn-Fahrplan eingerechnet, denn der Fern- und Regionalverkehr hat Vorfahrt. Für den ersten Abschnitt Frankfurt – Bad Vilbel sollen im vierten Quartal dieses Jahres die fünfjährigen Bauarbeiten beginnen. Im Jahr 2027 soll auch der vierspurige Ausbau nach Friedberg erfolgt sein.

Was Pendler, Lokalpolitiker und Fahrgastverbände freut, wird von dem Frankfurter Aktionsbündnis Bahnane bekämpft. Es befürchtet eine „Autobahn für Güterzüge“ durch Wohngebiete in Frankfurt und im Wetteraukreis. Das sei absurd, sagt Thomas Kraft von Pro Bahn Hessen: „Diverse Einzelakteure setzen ihre Partikularinteressen jahrelang durch.“ Um dem etwas entgegenzusetzen, haben die Befürworter jüngst die Initiative „4 bis Friedberg“ gegründet. „Denn die Fakten“, sagt Kraft, „sprechen für sich“.

Die Gegner eigener Gleise für die S-Bahn-Linie 6 bekommen also Gegenwind: In der nächsten Woche geht eine Homepage online, die mit Fakten die Diskussion versachlichen will. Initiiert hat das Projekt der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe, mit dabei die Fahrgastverbände Pro Bahn, Pro Bahn und Bus und der ökologische Verkehrsclub VCD. Der hat den Ausbau der Strecke zwischen Frankfurt und Friedberg auf die Tagesordnung seiner Landesmitgliedeversammlung am Samstag gesetzt. „Wir wollen der Öffentlichkeit die Vorteile aufzeigen“, sagt Daniel Sidiani, Sprecher des VCD Hessen. „Der schnelle Ausbau ist wichtig für die Menschen, die Umwelt, den gesamten Regionalverkehr.“

Ziel des neuen Informationsangebots sei unter anderem, mit Mythen aufzuräumen, sagt Sven Rischen, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO), der die neue Homepage betreut. Etwa dass mehr Kapazitäten für Güterzüge geschaffen werden sollen: „Dafür bestehen ausreichend freie Fahrplantrassen außerhalb der Hauptverkehrszeit und nachts.“ Es gehe auch nicht um eine bedeutende Ausweitung des S-Bahn-Verkehrs. „Es werden dringend zusätzliche Fahrplantrassen für neue Regionalzugverbindungen benötigt.“

Mit diesen und weiteren Informationen will die Initiative gute Argumente liefern, Skeptiker überzeugen und weitere Mitstreiter gewinnen. Sven Rischen denkt dabei vor allem an die betroffenen Kommunen und Wirtschaftsverbände. „Wir wollen Flagge zeigen.“

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