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Tanzplattform Rhein-Main: Eden liegt ganz in der Nähe

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Von: Andreas Hartmann

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Die Tanzplattform Rhein-Main zeigt das Projekt „Eden“ in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt. Bild: de-da productions
Die Tanzplattform Rhein-Main zeigt das Projekt „Eden“ in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt. Bild: de-da productions © de-da-productions

Die Staatstheater Wiesbaden und Darmstadt sowie das Frankfurt LAB holen 60 Tanzbegeisterte aus dem Rhein-Main-Gebiet auf die ganz große Bühne

Dass es ein großes Glück sein muss, am Projekt „Eden“ der Tanzplattform Rhein-Main mitmachen zu dürfen, merkt man Ella Haußler, Tashima Joyce Thompson und Heinz Eckhardt und ihrer ansteckenden Begeisterung an. Das liegt bei weitem nicht nur daran, dass die drei zu den 60 Tanzbegeisterten gehören, die aus 180 Bewerbungen ausgesucht wurden, sondern vor allem an dem anspruchsvollen Programm, das sie unter professioneller Anleitung auf die großen Bühnen der Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden sowie ins Frankfurt LAB bringen.

An drei Abenden ist „Eden“ dort zu sehen, ein Stück, dem der mystische himmlische Garten den Namen leiht. „Wir wollten weg von den biblischen Assoziationen“, sagt Choreografin Raimonda Gudaviciute im Gespräch mit der FR. „Wir wollten wissen, was wir brauchen, was unsere Vorstellung wäre von einem persönlichen Garten Eden, von einem perfekten Ort.“ Auch Fragebogen haben sie an die Teilnehmer:innen verteilt, um das herauszufinden.

„Ich bin schon ein bisschen nervös vor unserem Auftritt, weil sich meine Chefin angesagt hat. Ich stand noch nie auf einer Bühne“, meint die Tänzerin Tashima Joyce Thompson, 31, aus Darmstadt, im normalen Leben IT-Beraterin. „Wir können erst seit Mai proben, aber das ist sehr intensiv. Mich hat die Idee von Eden, eine Balance zwischen Mensch, Gesellschaft und Natur überzeugt, die Bewegungen, die an Bäume oder Wellen erinnern.“

Sie habe bei den Proben viel über sich selbst erfahren, sagt Ella Haußler, 18 Jahre alt und Schülerin in Frankfurt. Eden, ein perfekter Ort? Wo könnte der sein? „Ich habe mein ganzes bisheriges Leben in Frankfurt verbracht und die Stadt gerade satt.“

Das Tanzprojekt

Drei große Bühnen in Wiesbaden, Darmstadt und Frankfurt, auf denen bundesweit beachtete Tanzaufführungen gezeigt werden, öffnen sich für das Projekt „Eden“ der Tanzplattform Rhein-Main.

Rund 60 tanzbegeisterte Laiinnen und Laien aus dem Rhein-Main-Gebiet haben gemeinsam mit drei Choreograf:innen – Nira Priore Nouak, Raimonda Gudaviciute und Marcelo Omine – eine professionelle Performance erarbeitet.

Gezeigt wird Eden am Donnerstag, 30. Juni, 19.30 Uhr, im Staatstheater Darmstadt, am Freitag, 8. Juli, 19.30 Uhr, im Staatstheater Wiesbaden und am Donnerstag, 14. Juli, 19.30 Uhr, im Frankfurt LAB in der Schmidtstraße 12. Karten gibt es bei den jeweiligen Theatern oder online unter www.mousonturm.de/en/events/eden.

Die Tanzplattform Rhein-Main ist eine Kooperation des Hessischen Staatsballetts mit dem Künstlerhaus Mousonturm. aph

Heinz Eckhardt ist einer der wenigen Männer im Eden-Ensemble. Das gemeinsame Tanzen mache ihm große Freude, berichtet der 68-jährige Wiesbadener, aber sein Geld hat auch der Wissenschaftler vor der Rente mit anderen Dingen verdient, so wie alle anderen Tänzer:innen. „Ich fühle mich sehr wohl bei dem Projekt“, sagt er. „Es geht bei den Proben streng zu, aber mit Wertschätzung und sehr professionell, ein toller Ausgleich für alles, was ich sonst mache.“

Vorkenntnisse nicht nötig

Wie fit muss man sein, um mitmachen zu können? „Sie schicken uns immer zum Joggen, aber sie wissen auch genau, wann wir eine Pause brauchen“, sagt Eckhardt. Mitmachen könne erst mal jede und jeder, auch ohne Vorkenntnisse, betont Catia Faranda von der Tanzplattform, einem Kooperationsprojekt des Frankfurter Mousonturms mit dem Hessischen Staatsballett.

Geprobt haben die 60 Laientänzer:innen zunächst in drei Gruppen zu je 20 an den jeweiligen Theatern, inzwischen laufen die Proben gemeinsam und erstaunlich gut, wie die drei betonen. Auch Choreografin Gudaviciute ist sehr angetan. „Ich glaube, wir sind bei Eden näher an der Gesellschaft als eine professionelle Produktion – wobei wir schon auch sehr professionell sind! Die Menschen können sich besser damit identifizieren. Wir hätten sehr gerne mit allen 180 Bewerberinnen und Bewerbern gearbeitet. Da waren so viele Persönlichkeiten dabei, eine so große Vielfalt“, sagt Gudaviciute. „Aber 60 war die absolute Obergrenze, mehr war nicht erlaubt.“

Dafür sind die Auswirkungen von Corona verantwortlich, beim ersten Projekt der Tanzplattform standen vor der Pandemie noch 120 Tänzer:innen auf der Bühne. Die Vielfalt haben sie aber auch mit einem kleineren Ensemble bewahrt. „Wir versuchen eigentlich, alle zwei Jahre ein großes Projekt anzubieten“, erzählt ihre Kollegin Nira Priore Nouak. Die Pandemie habe die Planungen für „Eden“ verzögert, sagen die beiden Choreografinnen, deren dritter Kollege, Marcelo Omine, nicht am Gespräch teilnehmen kann.

„Was mich begeistert, ist, wie gut die drei zusammenarbeiten“, sagt Thompson. „Das baut aufeinander auf, wir haben ja in den ersten Wochen getrennt geprobt. Erstaunlich ist auch die Internationalität. Wir sind 60 Leute mit 15 verschiedenen Nationalitäten.“ Und vielleicht, hofft Priore Nouak, sitzen um Publikum schon die nächsten potenziellen Tänzerinnen und Tänzer. Denn das Projekt soll fortgesetzt werden.

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