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Vorweihnachtsidyll aus Vorcorona-Zeiten: In den Wald stapfen und selbst einen Baum schlagen geht dieses Jahr nur mit Maske – und ohne Glühwein und Begleitprogramm.

Weihnachtsbäume

O Tannenbaum

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Gerade in diesen Zeiten möchten Menschen nicht auf ihn verzichten. Doch es gibt beim Kauf Einiges zu beachten.

Stürme, Trockenheit, Borkenkäfer und dann auch noch Corona: Der Weihnachtsbaum hat einiges mitgemacht in diesem Jahr, lange vor Beginn seiner Saison. Nun ist seine Zeit gekommen, und nicht wenige Menschen wünschen sich, dass er heuer mehr leuchtet, mehr duftet, mehr glitzert und funkelt als sonst. Doch bekanntlich war früher mehr Lametta – und kein Corona. Zwar droht dem Nadelgehölz kein Virusbefall, trotzdem wirkt sich die Pandemie auch auf Hessens Christbäume aus. Da ist selbst die amtierende Weihnachtsbaumkönigin Tanja I., die Mitte Oktober auf der Generalversammlung des Hessischen Waldbesitzerverbandes gekürt wurde, machtlos.

Zum Beispiel wären da die Preise. Weil infolge der Krise die Kosten für Anbau, Ernte und Verkauf gestiegen sind, sind auch die Bäume etwas teurer geworden als im Vorjahr. Es kamen weniger Erntehelferinnen und Erntehelfer aus Osteuropa, für die Verkaufsstände gelten Hygienekonzepte, es braucht größere Verkaufsflächen, mehr Personal, Handdesinfektionsstationen. Nach Angaben des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger kostet ein Meter der besonders beliebten Nordmanntanne zwischen 20 und 27 Euro, Blautannen gibt es für 12 bis 16 Euro je Meter und Fichten für 9 bis 12 Euro. In größeren Städten wird für die Bäume generell etwas mehr verlangt als auf dem Land.

Zu den virusinduzierten Widrigkeiten gesellen sich dann noch die grundsätzlichen Fragen in puncto Weihnachtsbaum, die sich auch in normalen Jahren stellen: Woher soll sie kommen, die Tanne, die Fichte, die Kiefer, die Douglasie? Aus dem Supermarkt, dem Baumarkt, dem Verkaufsstand an der Straße, der Gärtnerei oder direkt aus dem heimischen Forst? Mit der ganzen Familie in den Wald zu stapfen, einen Weihnachtsbaum auszuwählen und diesen eigenhändig zu fällen, ist nicht nur ein zünftiges Adventszeitabenteuer, sondern auch aus ökologischen Gründen sinnvoll. Doch auch hier funkt Corona dazwischen.

Mehrere Termine in verschiedenen Revieren 

Hessen Forst bietet ab dem kommenden Wochenende wieder mehrere Termine in verschiedenen Revieren an, bei denen Menschen ihre Christbäume selbst schlagen können. „Wir haben uns im Vorfeld natürlich überlegt, wie wir einen Verkauf in dieser Zeit organisieren können“, sagt Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen Forst. Bei vielen Forstämtern müsse man sich vorab anmelden und sich ein Zeitfenster für den Weihnachtsbaumkauf reservieren. „Wer selbst sägen möchte, muss das mit eigener Säge tun.“ Ansonsten werde sich im Wald an die Vorschriften gehalten, die auch für den Einzelhandel gelten, also Abstand, Maske, Hygiene. „Leider müssen wir in diesem Jahr auf das Rahmenprogramm verzichten“, bedauert Michelle Sundermann. „Es wird also keinen Glühwein oder Wildbratwurst geben.“

Der allüberall desolate Zustand des hessischen Waldes habe sich „noch nicht“ auf die Weihnachtsbaumkulturen ausgewirkt. Die Bäume wüchsen alle in speziellen Camps oder Waldstücken, „in denen sie für den einen Zweck, nämlich mal festlich im Wohnzimmer zu stehen, gepflegt werden“. Der Vorteil eines Camps sei, „dass man die Bäume hier besser im Blick hat“, sagt Sundermann. Es sei sogar möglich, sie zu gießen, falls es mal nicht genug geregnet habe.

Der ökologische Vorteil von Weihnachtsbäumen aus der Region läge unter anderem darin, dass sie keine langen Transportwege haben. „Und weil sie eben nicht so lange unterwegs sind, sind sie auch frischer.“ Und wer einen Baum selbst säge, habe sogar noch länger Freude daran. Außerdem, betont Sundermann, seien die Bäume von Hessen Forst „garantiert ohne Pestizide aufgewachsen“.

Baum mit Wurzelballen ist Alternative

Zu lange Transportwege und Gift im Geäst sind die unschönen Nebeneffekte, auf die auch Naturschutzorganisationen schon lange hinweisen. Mehr als 80 Prozent der verkauften Weihnachtsbäume stammten heute aus Plantagen, in denen „kräftig gespritzt und gedüngt“ werde, gibt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen zu Bedenken. Zum Einsatz kämen „Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger für einen gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln“. Wer auf toxische Ausdünstungen in der Stube verzichten möchte, könne zu einem „der noch wenigen Weihnachtsbäume mit Siegel greifen“, rät Eppler. „Mit dem Kauf eines Baumes mit Siegel von Naturland, Bioland, Demeter oder Forest Stewardship Council (FSC) setzen Verbraucherinnen und Verbraucher ein Zeichen für den giftfreien Anbau von Weihnachtsbäumen.“ Auch der Nabu Hessen sieht in Fichten, Kiefern und Weißtannen von den hessischen Forstämtern „eine gute Alternative“. Hierbei sei allerdings auf kurze Transportwege zu achten. „Die Umweltbilanz eines unbehandelten Weihnachtsbaums, den man extra mit dem Auto aus einem 20 Kilometer entfernten Wald holt, fällt deutlich negativ aus“, erklärt der Biologe Eppler.

Statt eines geschlagenen Baums sei auch einer mit Wurzelballen eine Möglichkeit. Wer einen Garten habe, könne ein Bäumchen im Topf kaufen und es später irgendwann einpflanzen und damit „in die Freiheit lassen“, schlägt Michelle Sundermann vor. Ein Plastikbaum hingegen ist weder für Hessen Forst noch für den Nabu ein geeignetes Substitut für ein echtes Exemplar. „In Zeiten, in denen wir versuchen, Kunststoff zu vermeiden, ist das für mich persönlich nicht vorstellbar“, sagt Sundermann. „Mit Plastikmüll haben wir ja wirklich genug Sorgen“, meint auch Gerhard Eppler vom Nabu Hessen. „Muss es da auch noch ein Baum aus Plastik sein?“

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