War die Solidaritätsveranstaltung der Bürgerinitiative Mühlheimer Fähre im Oktober 2019 nun doch vergebens?  
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War die Solidaritätsveranstaltung der Bürgerinitiative Mühlheimer Fähre im Oktober 2019 nun doch vergebens?  

Mühlheim/Maintal

Die Tage der Mühlheimer Fähre sind gezählt

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Der Kreisausschuss hat vor, den Fährbetrieb über den Main zwischen Mühlheim und Maintal einzustellen und das Schiff zu verkaufen oder zu verwerten.

Das Aus für die Fähre Mühlheim ist nahe. Der Kreisausschuss will den Fährbetrieb von Mühlheim nach Maintal-Dörnigheim nach fast 120 Jahren einstellen. Die Mainfähre, in die in den vergangenen Monaten rund 90 000 Euro investiert wurden, soll „mit den zugehörigen Nebenanlagen“ verkauft oder als Altmetall verwertet werden. Das letzte Wort haben die Kreistagsmitglieder, die am 24. Juni tagen.

Wie der Kreis Offenbach in einer Pressemitteilung schreibt, empfiehlt der Kreisausschuss nach seiner Sitzung am Dienstag das Ende des Fährbetriebs. Insgesamt habe es neun Interessenten für die Fähre gegeben. „Einer fristgerecht innerhalb des bis Dezember 2019 laufenden Ausschreibungsverfahrens, acht andere danach nach einem Aufruf im Radio“, so Pressesprecherin Ursula Luh. Keiner von ihnen habe jedoch die Eignung für den Betrieb dieses technisch anspruchsvollen Fährmodells gehabt, es fehlte das Fährpatent. Damit läuft auch der Vorschlag der Bürgerinitiative (BI) Fähre, zukünftige Betreiber durch eine eigene Ausbildung zu rekrutieren, ins Leere: Fährleute könnten ohne geeignete Ausbilder nicht ausgebildet werden, schreibt der Kreis.

Es sei auch nicht machbar, dass der Kreis Offenbach und der Main-Kinzig-Kreis sowie die Anliegerkommunen Mühlheim und Maintal die Fähre gemeinsam selbst betreiben. Das regele Paragraf 121 der Hessischen Gemeindeordnung. Demnach verbiete es sich, der vier Kilometer entfernten Mainfähre Rumpenheim, die von einem privaten Unternehmen ohne öffentliche Zuschüsse betrieben wird, eine öffentlich geförderte Fährverbindung entgegenzusetzen. Außerdem befürchtet der Kreis ein Defizit von rund 183 000 Euro pro Jahr, weil er von 417 000 Euro jährlichen Kosten ausgeht, aber nur 234 000 Euro an Einnahmen erwartet.

Hinhaltetaktik beklagt

Bei der BI Fähre ist man entsetzt über das geplante Aus. Das Defizit könne doch geviertelt werden und sei damit zu stemmen, meint Sprecherin Petra Schneider. „Ein Stadtbus im ÖPNV macht doch auch Miese.“ Hätte man der Pächterfamilie Spiegel im Oktober 2017 wegen Sicherheitsmängeln nicht gleich fristlos gekündigt, sondern sich mit ihr Lösungen erarbeitet, ihr einen Betriebskostenzuschuss gegeben und das Schiff damals schon für 90 000 Euro repariert, würde die Fähre noch fahren. Auch dem Nachfolger Mahir Kolbüken sei im Juli 2019, als die Fähre havarierte, gleich gekündigt worden. Petra Schneider attestiert dem Kreis „stümperhaftes Vorgehen mit dem Ziel, die Fährverbindung zu kappen“. Sie hat Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in einem Brief um Hilfe gebeten.

Die Fraktion „Bürger für Mühlheim“ spricht von einem Trauerspiel an Fehlinformationen, Hinterzimmer-Politik, Hinhaltetaktiken, unwahren Beteuerungen und dem Ignorieren von sinnvollen Lösungsvorschlägen.

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