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Mittelfeldspieler Yannick Stark verteilte am Sonntag bei der Essensausgabe Geschnetzeltes an Bedürftige.

Darmstadt 98

Suppenkelle statt Fußball

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Lilien-Spieler unterstützen die Obdachlosen-Essensausgabe auf dem Europaplatz.

Nudeln oder Reis? Was darf es sein?“ – Marcel Franke hat rasch Routine darin, die Besucher zu fragen. Der Abwehrspieler der Lilien ist am Sonntag nicht mit Sportschuhen oder Ball beschäftigt, sondern verteilt Essen an Obdachlose und mittellose Menschen. Zusammen mit Lilien-Kollegen Yannick Stark, Joevin Jones, Florian Stritzel, Orrin McKinze Gaines und Terrence Boyd unterstützt er die sonntägliche Essensausgabe am Europaplatz.

Das Essen hat der Rüsselsheimer Caterer Stolz Service gestiftet, der auch für die Bewirtung im Stadion am Böllenfalltor zuständig ist. „Es gibt Gemüselasagne und Rahmgeschnetzeltes“, sagt Jonathan Prinz vom Marketing des SV 98. Regelmäßig engagiere sich der Verein in der Obdachlosenhilfe, etwa in der Teestube oder beim Frauenübergangshaus. „Da die Essensausgabe hier am Europaplatz fünf Jahre alt wird, haben wir uns bei der Adventsaktion hierfür entschieden“, sagt Prinz. Spieler, die sich engagieren wollten, seien rasch gefunden. „Außerdem hoffen wir, dass wir dadurch als Vorbild agieren und sich andere Menschen dann auch in der Obdachlosenhilfe einbringen“, sagt Prinz, „Obdachlosigkeit gibt es eben auch in Darmstadt.“

Im Dezember 2013 haben sich die ersten Ehrenamtlichen zusammengefunden, um sonntags, wenn die Tafel geschlossen habe, Essen an Obdachlose auszugeben, erinnert sich Brigitte Trumpfheller. „Damals fing es mit so drei bis fünf Helfern an“, sagt sie. Inzwischen gibt es ein Kernteam von zehn Leuten, dazu kommen jeden Sonntag weitere Helfer hinzu. „Versorgt werden bis zu 120 Personen“, sagt Heinz Bein, der regelmäßig die Essensausgabe unterstützt.

Diesen Sonntag sind es nur knapp 50 Bedürftige, die für Essen und Kleidung anstehen. „Zu Monatsbeginn sind es meist weniger, am Monatsende wird es richtig voll“, sagt Mike Oestreicher vom Helferteam. Da sonst das Essen nicht geliefert werde, sind es die Helfer, die sonst kochen und die Speisen in Töpfen und Schüsseln mitbringen. „Suppe, Nudeln, Eintopf – wir sind über alles froh“, sagt Bein und fügt schmunzelnd hinzu: „Und wenn wer gar nicht kochen kann: Einfach Würstchen im Wasser warm machen, die kommen auch immer gut an.“

Neben Speisen werden auch Kleidung und Hygieneartikel verteilt. „Besonders Unterwäsche und Strümpfe werden gebraucht, aber bitte keine gebrauchten“, sagt Trumpfheller, die für die Kleiderausgabe zuständig ist. Auch sollte vor manch gut gemeinter Spende vorher der Helferkreis informiert werden. „Einmal bekamen wir eine Kiste mit 200 Krawatten geschenkt“, sagt Oestreicher.

Der Helferkreis sei kein Verein und habe auch keine Lagermöglichkeiten. „Einige lagern die Spenden zu Hause oder im Auto“, sagt Bein, „ich fahre seit Wochen mit 2000 Plastikschalen im Auto rum.“ Eine Lagermöglichkeit wäre zwar hilfreich, doch müsse es dann auch Personen geben, die sich darum kümmern.

Die Schlange an der Essensausgabe ist inzwischen verschwunden, Zeit für Stark und Franke, die im Akkord das Mittagsgericht verteilt haben, durchzuschnaufen. „Der Reis war beliebt“, sagt Franke. Oestreicher dankt den Lilien für ihre Unterstützung. „Vor Weihnachten gibt es immer viel Hilfsbereitschaft, das ist wunderbar“, sagt er. Aber, so fügt er hinzu, er würde sich auch im Sommer über weitere Helfer freuen, die sich dann bei der Essens- oder Kleiderausgabe engagieren. „Not gibt es das ganze Jahr über“, sagt er.

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