+
Auch in Bayern – wie hier in Bad Kissingen – kämpfen Stromtrassengegner gegen das Großprojekt.

Schülerforum

„Suedlink will hier keiner“: Widerstand gegen Stromtrasse im Werra-Meißner-Kreis ist groß

  • schließen

Beim Wettbewerb von FR und Unternehmerverbänden geht es diesmal um das Stromnetz.

Begonnen hat es bei einem Spaziergang, an dem Raúl Guthardt (18) ein Schild nahe seines Heimatortes Weidenhausen entdeckte. Hier solle, 34 Meter breit, die Stromtrasse Suedlink verlaufen. Mit seinen Klassenkameraden Luke Herwig (19) und Leon Volkenant (18) hat er sich im Rahmen des Politik- und Wirtschaftsunterrichts tiefgehend mit dem Projekt beschäftigt. Suedlink soll den Stromaustausch zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands ermöglichen – und zieht dabei ihre Heimatregion in Mitleidenschaft.

Mit ihrer Ausarbeitung konnten die Zwölftklässler der Beruflichen Schulen Eschwege den Oberstufenwettbewerb „präsentieren & gewinnen“ für sich entscheiden. Er wird von Frankfurter Rundschau, der Arbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) ausgerichtet.

Überschüssiger Strom soll in Richtung Süden geleitet werden

Arnd Festerling, Ex-Chefredakteur der FR, sagte in seiner Laudatio, bei der Europawahl habe sich gezeigt, wie stark sich junge Wähler der Bedeutung von Umwelt und Klima bewusst sind. Er lobte die drei Schüler in seiner Laudatio für die hervorragende Weise, mit der sie sich mit Suedlink beschäftigt haben.

„Entgegen den ursprünglichen Plänen möchte der Energieversorger Tennet eine unterirdische Erdverkabelung auf 700 Kilometern umsetzen“, erklärte Luke. Überschüssiger Strom, vorwiegend Windkraft der Nordsee, soll in Richtung Süden geleitet werden. Als Teil der Energiewende soll die Verbindung so die für 2022 geplante Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke abfedern. „Süddeutschland wird zu 60 Prozent von Atomstrom gespeist“, erklärte Leon. „Die Wattmenge, die von Suedlink transportiert werden kann, entspricht der von vier Atomkraftwerken.“

Schülerinnen und Schüler für aktuelle wirtschaftliche Themen zu interessieren – das ist Ziel des Wettbewerbs „präsentieren & gewinnen“.

Weitere Informationen gibt es unter www.schule-wirtschaft-hessen.de und www.fr.de/schuelerforen.

Die Gründe, weshalb sich gerade im Werra-Meißner-Kreis Bürgerinitiativen gegründet haben, die sich gegen die Trasse aussprechen, stellen sie ebenso vor. „59 Kilometer lang verläuft Suedlink durch unseren Kreis“, sagte Raúl. „Allein in Hessen sind mindestens 200 Hektar Land davon betroffen. Dort darf und kann dann nicht gebaut und nichts mehr angebaut werden.“ Die Angst vor elektromagnetischer Strahlung in der Bevölkerung sei groß.

Die Trasse wird mindestens zehn Milliarden Euro kosten – mit der Konsequenz, dass Strompreise steigen könnten. Im Bundestag beschlossen, sprechen sich Bürger und Lokalpolitiker fast einhellig dagegen aus, was sich bei der gut besuchten und lebhaften Diskussion in der Beruflichen Schule zeigte, die FR-Redakteur Peter Hanack moderierte.

An einem Schaubild veranschaulichte Detlef Ahlborn (FDP), wie stark Windkraft vom Wetter abhängig ist. „Die Produktion sinkt regelmäßig auf null. Bis hier hin“, zeigte er eine Linie in der Mitte, „brauchen sie den Strom im Norden selbst. Lediglich die Spitzen werden weitergeleitet.“ Jürgen Binning von EDL Prokom – Energie- und Umweltmanagement stimmte dem zu. „Durch diese sogenannte Dunkelflaute hat man es nicht mit einer Versorgungssicherheit zu tun.“ Engin Eroglu, für die Freien Wähler ins Europaparlament gewählt, vermutet Lobbyisten hinter der Trasse. „Wenn wir Kohlekraftwerke abschalten, reicht der Strom nur bis Hannover. Die Trasse ist Nonsens“, lautete sein Urteil.

Ideen, wie die Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte

Bald zeigte sich: Unter den Anwesenden kann keiner Argumente für der Trasse finden oder nachvollziehen. Von den auch eingeladenen Befürwortern ist keiner gekommen. Einstimmig war die Meinung im Plenum, man sei überrollt worden. Dabei gibt es Ideen, wie die Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte.

„Wir müssen Energie dezentral erzeugen, dort, wo sie auch gebraucht wird“, war ein vielgehörtes Argument. Man müsse in Gaskraft, Solarenergie und Speichermöglichkeiten investieren. Die Rahmenbedingungen hätten sich geändert, viele Beschlüsse seien überholt, sagte Landrat Stefan Reuß (SPD). Er sprach sich für eine Denkpause bei der Energiewende aus. „Es ist noch nicht zu spät“, sagte Patricia Hölzel (Freie Wähler), Stadträtin in Eschwege. „Wenn feststeht, dass eine Entscheidung schlecht war, kann man sie auch zurücknehmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare